Sicherheitsbehörden können digital funken

19. Dezember 2012 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Schleswig-Holstein | Drucken

Nach Jahren der Planung und konkreter Vorbereitungen, aber auch nach Rückschlägen und neuen Anläufe ist das digitale Funknetz in Schleswig-Holstein jetzt fertig und in Funktion. Alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) wie Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste oder Technisches Hilfswerk können ihre Kommunikation von analog auf digital umstellen. Während die Landespolizei bereits im Probebetrieb digital funkt, werden die anderen Organisationen voraussichtlich ab 2014 nachziehen. „“Das Netz steht““, sagte Innenminister Andreas Breitner am Mittwoch (19. Dezember) in Kiel.

Norddeutschland mit Digitalfunk versorgt

Der digitale Funkverkehr wird landesweit über drei Relais- und 159 Basisstationen abgewickelt. 77 Funkmasten mussten neu gebaut werden, 84 bestehende Masten und Anlagen wurden unter der Leitung von Dataport, dem landeseigenen IT-Dienstleister, nachgerüstet. Schleswig-Holstein war neben Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland das dritte Flächenland in Deutschland, das den landesweiten Aufbau abschließen konnte. Gemeinsam mit Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und dem nördlichen Niedersachsen ist damit der norddeutsche Raum mit Digitalfunk versorgt.

Aufwändige Genehmigungsverfahren von GMSH erfolgreich abgeschlossen

Mit der baulichen Umsetzung des Projekts war die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH) beauftragt worden. Nach Angaben von GMSH-Geschäftsführer Hans-Adolf Bilzhause waren an dem Genehmigungsverfahren für jeden einzelnen Funkmast zwischen sechs und neun Behörden zu beteiligen. Dadurch sei das Projekt zu einer anspruchsvollen Aufgabe geworden, bei der nicht zuletzt auch noch die Interessen der Anlieger hätten berücksichtigt werden müssen. „“Ich freue ich mich daher, dass die Baumaßnahmen erfolgreich abgeschlossen werden konnten und dass ab sofort in Schleswig-Holstein digital gefunkt werden kann““, sagte Bilzhause.

Meilensteine des Fortschritts in der Kommunikation

Die Einführung des einheitlichen Digitalfunknetzes in Deutschland ist nach den Worten von Breitner das größte technische Modernisierungsvorhaben von Bund und Ländern. Das Funknetz könnten 500.000 Personen gleichzeitig nutzen. Funkverbindungen seien über Kreisgrenzen hinweg, landesweit oder sogar bundesweit ohne räumliche Beschränkung möglich. „“Der Digitalfunk ist ohne Alternative, seine Vorteile sind Meilensteine des Fortschritts in der Kommunikation““, sagte der Minister.

Schnellere und verlässlichere Hilfe

Für alle Sicherheitsbehörden gebe es ein gemeinsames, abhörsicheres und leistungsstarkes Netz. Die Sprachqualität sei sehr gut. Störendes Rauschen gehöre der Vergangenheit an. Außerdem könnten Daten und Kurzmitteilungen übertragen werden. Auch Konferenzschaltungen oder direkte Einzelverbindungen von Gerät zu Gerät, zukünftig auch in öffentliche Telefonnetze, seien möglich. Da wesentlich mehr Funkkanäle als im Analogfunk zur Verfügung stünden, könnten insbesondere Sonder- und Großschadenslagen mit vielen Einsatzkräften und Einsatzabschnitten besser abgewickelt werden. „Digitalfunk erleichtert spürbar die Arbeit der Sicherheitsbehörden und bietet für die Bürger im Notfall schnellere und verlässlichere Hilfe“, sagte Breitner.

Polizei im Süden und Westen ist mit Endgeräten bereits versorgt

Die Landespolizei soll mit rund 5.000 so genannten Endgeräten ausgestattet werden. Das sind Funkgeräte für die Streifenwagen, Handfunkgeräte und Feststationsgeräte für die Funktische. 4.500 Endgeräte wurden bereits beschafft. Die Netzabschnitte Süd und West mit den Polizeidirektionen Lübeck, Ratzeburg, Itzehoe und Bad Segeberg sind mit Endgeräten versorgt. Die Polizeidienststellen in den Netzbereichen Mitte und Nord mit den Polizeidirektionen Kiel, Neumünster, Flensburg und Husum bekommen die Endgeräte, wenn die Leitstellen den Digitalfunkbetrieb aufnehmen.

Auch Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz für 2013 gerüstet

Auch die kommunalen Behörden aus den Bereichen Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz werden beginnend mit dem nächsten Jahr am digitalen Funk teilnehmen. „“Dies wird eine der größten technischen und organisatorischen Herausforderungen für alle Kommunen im nächsten Jahr sein““ sagte Jochen von Allwörden für die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Landesverbände. Dazu gehört die Anbindung der kommunalen Leitstellen an das Digitalfunknetz, die landesweite Sammelbeschaffung von digitalen Endgeräten und die Einrichtung von kommunalen Servicestellen für den Betrieb des kommunalen Funks.

Täglich 5.000 digitale Funkgespräche

Derzeit werden täglich rund 5.000 Funkgespräche über das Digitalnetz in Schleswig-Holstein abgewickelt. Von den landesweit vier polizeilichen Regionalleitstellen arbeitet seit Montag die Regionalleitstelle Lübeck mit dem Digitalfunk. Wann die Feuerwehr, der Rettungsdienst und die Einheiten des Katastrophenschutzes digital funken werden, entscheiden die dafür zuständigen Kreise und kreisfreien Städte.

Geplant: Ende 2013 wird der analoge Funk abgeschaltet

Der Probebetrieb des Funknetzes für die Polizei in Schleswig-Holstein soll im März 2013 zu Ende gehen. Dann beginnt der so genannte technische Wirkbetrieb in der Aufbauphase. „“Wenn alles gut funktioniert, wird die Landespolizei den anlogen Funk Ende nächsten Jahres abschalten““, sagte Breitner. Solange würden die Endgeräte und die operativ-taktischen Abläufe weiterhin erprobt und der Analogfunk parallel betrieben. Breitner schließt nicht aus, dass es in dieser Zeit zu Störungen und möglicherweise auch zu größeren Problem kommen kann. Das sei bei einem so komplexen Projekt nicht von vorneherein auszuschließen. Das Land hat für den Aufbau des Digitalfunknetzes in Schleswig-Holstein und für die Beschaffung der Endgeräte für die Polizei 63 Millionen Euro bezahlt. Der Bund beteiligt sich an diesen Kosten mit bis zu sieben Millionen Euro.

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