Fernerkundung für Bevölkerungsschutz und humanitäre Hilfe gewinnt an Bedeutung

23. November 2012 | Themenbereich: Bevölkerungsschutz | Drucken

Unter dem Titel „Erdbeobachtung zur Unterstützung der Energiewende und der Anpassung an den Klimawandel“ fanden am 14. und 15. November in Düsseldorf das 2. Strategieforum Fernerkundung und die GMES-Thementage 2012 statt. Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten konkrete Anwendungsbeispiele, Herausforderungen und Lösungsansätze für den Einsatz von Fernerkundungstechnologie für behördliche Aufgaben.

Cornelia Rogall-Grothe, Staatssekretärin im BMI, betonte in ihrem Einführungsvortrag, dass es „unser Ziel ist, nationale und europäische Strukturen zu entwickeln, um Erdbeobachtungsdaten für die Beantwortung gesellschaftlicher Fragestellungen zu nutzen“. Nur wenn „Nutzer und Anwender gemeinsam Lösungen entwickeln, wird das große Innovationspotential genutzt werden können und eine Etablierung der Technologie gelingen“, so Unterabteilungsleiter Rainer Münz aus dem BMVBS, welches die europäischen GMES-Initiative in Deutschland koordiniert.

Die Erkundung aus der Luft oder dem Weltraum kann für eine Vielzahl an Aufgabenstellungen wertvolle Informationen liefern. Um die schon heute verfügbaren Möglichkeiten vorzustellen und zu diskutieren und mit den unterschiedlichen Nutzern in einen Dialog zu treten, hat das BBK zwei Workshops zum Thema „Fernerkundung für Bevölkerungsschutz und humanitäre Hilfe“ organisiert. Durch Impulsvorträge von Dr. Hauke Speth (Feuerwehr Dortmund), Ulf Langemeier (Bundesanstalt Technische Hilfswerk) und Ulrich Cronenberg (Deutsches Rotes Kreuz) wurde deutlich, dass Fernerkundung zunehmend zum Einsatz kommt, sei es als Planungsgrundlage für internationale Einsätze oder als zusätzliche Lageinformation bei lang anhaltenden oder unzugänglichen Schadenslagen. Für ein vollständiges Lagebild sind jedoch nicht nur Daten der Satellitenfernerkundung relevant, sondern ebenso Daten anderer Plattformen wie z.B. von bemannten und unbemannten Flugzeugen. Als Ziel wurde ein skalierbares Lageführungssystem vorgeschlagen, das Daten aus unterschiedlichen Quellen einbezieht und deren zeitlichem Verlauf darstellen kann.

Schon heute operationell verfügbar ist der Emergency Management Service (EMS) der Europäischen Union, „der Kartenprodukte für verschiedene Schadenslagen bereitstellt“, wie Thomas Kukuk von der Firma GAF AG erläutert. Zentraler Kontaktpunkt für Anfragen ist das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern im BBK. Die Produkte des EMS können kostenfrei über das GMLZ angefordert werden.

Janine Schild vom Bundesministerium des Innern stellte das Projekt „Verbund für fernerkundungsgestützte Geoinformation“ vor, für das in einer ersten Ausbaustufe eine Vertragsgrundlage für die dauerhafte Bereitstellung von Produkten und Leistungen des Zentrums für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen geschaffen wird. Dadurch soll der Bedarf der Geschäftsbereichsbehörden des Bundesinnenministeriums – z.B. die Bundesanstalt Technische Hilfswerk (THW), das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), die Bundespolizei (BPol) oder das Bundeskriminalamt (BKK) – gedeckt werden, wenn dies nicht durch den europäischen EMS erfolgen kann. „Insbesondere die unmittelbare Nähe des ZKI zu den Forschungsabteilungen des DLR, die innovative Auswertetechniken bereitstellen, die Integration weiterer Fernerkundungsplattformen und individuelle Schulungen für Behörden“ stellte Schild als besondere Merkmale des Vorhabens in ihrem Vortrag heraus. Ergänzt wurde diese Einführung von Dr. Stefan Voigt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der konkrete Produktbeispiele sowie aktuelle Forschungsvorhaben vorstellte. „Durch diesen neuen Vertrag wird sicher gestellt, dass Fernerkundungsprodukte innerhalb kürzester Zeit erstellt werden können und, falls notwendig, mit entsprechender Vertraulichkeit behandelt werden“, so Dr. Voigt.

Aktuelle Satelliten- und Luftbilder von Schadenslagen werden jedoch nicht nur von Behörden genutzt. Sie sind auch eine wichtige Grundlage für das „humanitarian openstreetmap team“ (H.O.T), das auf Basis dieser Daten und mithilfe einer weltweiten Gemeinschaft von Freiwilligen großflächige Kartierungen durchführen kann. Während des Erbebens in Haiti im Januar 2010 oder dem schweren Tsunami in Japan 2011 wurden innerhalb weniger Tage die Schäden an Gebäuden oder nicht passierbare Straßen erfasst, wie Pascal Neis von der Universität Heidelberg eindrucksvoll schilderte.

Obwohl mittlerweile schon vielfältige Produkte aus Satelliten- und Luftbildern für die Aufgaben des Krisenmanagements hergestellt werden können, dauert es in vielen Fällen noch zu lange, bis diese den End-Nutzern im Bevölkerungsschutz, z.B. Landkreisen, zur Verfügung stehen. Eine Weiterentwicklung hin zu einem Verbund unterschiedlicher Sensoren, die ebenenübergreifend und flexibel eingesetzt werden können, würde diesem Bedarf Rechnung tragen.

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