Vereine müsssen sich um ihre Fans kümmern

19. November 2012 | Themenbereich: Nordrhein Westfalen | Drucken

Die von der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) vorgelegte Statistik zur vergangenen Fußballsaison 2011/2012 zeigt, dass es von Jahr zu Jahr mehr Ausschreitungen und mehr Gewalttäter im Stadion und im Umfeld der Bundesligaspiele gibt. „Das ist ein Alarmsignal. Bundesweit 8.100 Strafverfahren bei Fußballspielen in nur einer Saison sind viel zu viel“, sagte Innenminister Ralf Jäger heute (19.11.) in Düsseldorf. „DFB und DFL sind jetzt gefordert. Verbände und Vereine müssen mehr für die Sicherheit von Fußballspielen tun und dabei die Fans mit ins Boot holen.“ Die NRW-Polizei setzt bereits auf mehr Dialog und stärkere Unterstützung der friedlichen Fans. „In Nordrhein-Westfalen setzen wir uns mit allen Beteiligten an einen Tisch“, hob Jäger hervor.

Im kommenden Jahr erhalten die Bundesligavereine rund 660 Millionen Euro jährlich aus dem Verkauf der Fernsehverwertungsrechte. „Ein Teil dieses Geldes sollte von den Vereinen umgehend in Präventionsmaß-nahmen investiert werden“, forderte der NRW Innenminister. „Es ist nicht hinnehmbar, dass nur für die sichere Durchführung von Bundesligaspielen bundesweit inzwischen rund 1,9 Millionen Arbeitsstunden von Polizistinnen und Polizisten notwendig sind.“

Zu den Heimspielen der NRW-Vereine in der 1. und 2. Bundesliga kamen in der abgelaufenen Saison etwa sechs Millionen Zuschauer. Bei den 170 Begegnungen (Vorsaison 204) leiteten die Polizistinnen und Polizisten 837 Strafverfahren ein. 1.543 Personen wurden fest- oder in Gewahrsam genommen. In der Saison davor waren es 818 Strafanzeigen und 1.220 Festnahmen. Am Rande der Spiele wurden 322 Menschen verletzt, darunter 45 Polizisten. Die szenekundigen Polizisten schätzen, dass etwa 4.000 Anhänger der NRW-Vereine der ersten vier Ligen gewaltbereit oder sogar gewalttätig sind. „Wir müssen handeln, und dafür ist das „Nationale Konzept für Sport und Sicherheit die richtige Basis. Wir setzen auf die Doppelstrategie: Dialog mit den friedlichen Fans und konsequentes Vorgehen gegen Gewalttäter“, erklärte der NRW-Innenminister.

Die umfassenden Erfahrungen der NRW Polizei mit Bundesligaspielen beweisen: Die Verantwortung für ein sicheres Fußballspiel beginnt nicht erst am Drehkreuz des Stadions. „Wer im Stadion lebensgefährliche Pyrotechnik abbrennt, muss genau so mit Konsequenzen rechnen wie die, die sich im Umfeld von Stadien prügeln“, sagte Jäger. Alleine während des Revierderbies zwischen Dortmund und Schalke 04 wurden vor kurzem zwölf Personen verletzt. Darunter acht Polizisten. 180 Gewalttäter wurden in Gewahrsam genommen. Die Konsequenzen für Gewalttäter sollten dabei deutlich über den polizeilichen Rahmen hinausgehen. „Wer randaliert sieht das Spiel nicht. Dafür müssen auch die Vereine sorgen“, forderte der NRW Innenminister.

Nach Einschätzung der Polizeibehörden befinden sich etwa 160 Rechts-extremisten in der gewaltbereiten Anhängerschaft von sechs NRW-Vereinen. „Neonazis haben nichts in Fußballstadien verloren. Jetzt sind besonders die Vereine gefordert, schnell zu handeln“, erklärte Jäger. In diesem Zusammenhang lobte er das Engagement der Verantwortlichen von Borussia Dortmund. Der Verein erteilte kürzlich acht Rechtsextremisten Stadionverbot, nachdem sie durch rechtsextremistische Sprüche und Plakate aufgefallen waren. Außerdem verbot er das Tragen von typischer Kleidung der rechtsextremistischen Szene im Stadion.

 

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.