Weißenfelser Justiz im Nationalsozialismus im Fokus

9. November 2012 | Themenbereich: Justiz, Sachsen-Anhalt | Drucken

Fälle aus der Region stehen im Mittelpunkt der Ausstellung „Justiz im Nationalsozialismus. Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes“, die am Freitag, 9. November, im Amtsgericht Weißenfels eröffnet wird und bis zum 1. Februar 2013 zu sehen ist. Neue, speziell für den Standort Weißenfels erarbeitete Tafeln ergänzen eine Ausstellung, die bisher an acht Orten zu sehen war. Einen Schwerpunkt legt sie in Weißenfels auf Menschen, die aus rassischen und religiösen Gründen verfolgt wurden. Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasiums Weißenfels werden Schulklassen und Gruppen in den kommenden Wochen durch diese Ausstellung zu führen. Die Gymnasiasten vom Goethe-Gymnasium Weißenfels wurden heute im Amtsgericht für ihre Aufgabe geschult.

Die enge Kooperation mit dem Goethe-Gymnasium Weißenfels zeigt sich auch im Rahmenprogramm. Begleitet wird die Ausstellung durch Lesungen, Vorträge und einen Filmabend, die im Amtsgericht, Friedrichsstraß1 18, sowie im benachbarten Goethe-Gymnasium, Friedrichsstraße 23, stattfinden.

Am 30. November, 11.30 Uhr, spricht Prof. Reinhard Schramm im Gymnasium über seine 1942 ermordete Großmutter, Emma Murr aus Weißenfels. Die jüdische Witwe hatte sich im April 1940 sowohl vor dem Amtsgericht Weißenfels, als auch vor dem Landgericht Naumburg wegen Nichtbefolgung des Kennkartenzwangs, versuchten Betruges und wegen sogenannter Rassenschande verantworten müssen. Einen Tag nach Verbüßung einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe nahm die Gestapo Emma Murr erneut in Schutzhaft und überstellte sie später in das KZ Ravensbrück. Emma Murr starb 1942 in der „Euthanasie“-Anstalt Bernburg. Schramm wird über die Auswirkungen des antijüdischen Terrors gegen seine Familie und den alltäglichen Antisemitismus sprechen, der auch in der heutigen Gesellschaft noch immer weit verbreitet ist.

Am Mittwoch, 5. Dezember, 19.30 Uhr, steht im Amtsgericht der Fall Anna Piehler im Zentrum: „Unkraut vergeht nicht“ ist die Szenische Lesung von Peter Donath vom Theater der Altmark überschrieben. Er stellt den Fall einer Frau aus Schönebeck vor, die für einen Diebstahl, der ihr nicht nachgewiesen werden konnte, zum Tode verurteilt und von amerikanischen Soldaten 1945 aus der Todeszelle im Roten Ochsen in Halle befreit wurde.

Die Situation zwangsemigrierter Weißenfelser Juden in Israel nimmt der Film „Alles, weil wir Juden waren“ in den Blick, der am Mittwoch, 30. Januar 2013 gezeigt wird. Der im Auftrag des Simon-Rau-Zentrums produzierte Dokumentarfilm verdeutlicht die Verfolgung, Entrechtung und Vernichtung der europäischen Juden an konkreten Familiengeschichten: Über 60 Mitglieder der jüdischen Gemeinde aus Weißenfels wurden zwischen 1933 und 1945 ermordet. Nur wenige konnten sich retten bzw. wurden befreit. Im Anschluss an die Filmvorführung wird über Projekttage an Weißenfelser Schulen berichtet, in denen Schüler über dieses Kapitel der Geschichte ihres Heimatortes selbst geforscht haben.

Ein weiterer Filmabend stellt am Mittwoch, 16. Januar, 19.30 Uhr, im Amtsgericht das Schicksal von Fritz Bauer in den Mittelpunkt. Der Film „Tod auf Raten“, dem sich ein Gespräch mit Oliver Paulsen von der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt und Michael Viebig von der Gedenkstätte Roter Ochse Halle (Saale) anschließt, beleuchtet das Schicksal des Juristen, mit dessen Namen sich die Überführung Eichmanns nach Israel, die Frankfurter Auschwitz-Prozesse und die Vorbereitung der Prozesse gegen die Euthanasie-Schreibtisch-Täter verbinden.

Das Ausstellungs- und Bildungsprojekt wird getragen vom Ministerium für Justiz und Gleichstellung, der Stiftung Gedenkstätten und der Landeszentrale für politische Bildung, der Heinrich-Böll- und der Friedrich-Ebert-Stiftung. Daneben beteiligen sich regionale Partner.

Führungen durch die Ausstellung können beim Amtsgericht Weißenfels unter den Rufnummern 03443/384-219 und 384-206 vereinbart werden.

 

 

 

 

 

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