„Stolperstein“ ehrt jüdischen Feuerwehrmann

8. November 2012 | Themenbereich: Feuerwehr - Katastrophenschutz | Drucken

In ganz Deutschland wurden am 9. November 1938 jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört und Synagogen in Brand gesteckt. Vielerorts wurde den Feuerwehren auf dem dienstlichen Wege befohlen, die Synagogenbrände nicht abzulöschen und nur die umgreifenden Gebäude zu schützen. Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) erinnert daran anlässlich des Jahrestages und gedenkt der Opfer. Er unterstützt dafür eine besondere Ehrung in Würzburg.

„In der Würzburger Innenstadt entging die Hauptsynagoge aufgrund der dichten Umbauung der Brandstiftung, wurde jedoch vollständig demoliert“, erinnert Rolf Schamberger, Leiter des Deutschen Feuerwehr-Museums, im Rahmen eines Vortrags zu „Feuerwehren im Nationalsozialismus“ in Würzburg. Genau 74 Jahre nach der Pogromnacht wird dort erstmals ein „Stolperstein“ für einen jüdischen Feuerwehrmann verlegt: Jakob Sichel, geboren 1875, war 1918 als Sanitäter in die Freiwillige Feuerwehr Würzburg eingetreten. 1934 wird er aus dem aktiven Dienst ausgeschlossen, 1936 endet seine passive Mitgliedschaft genau wie die seiner Frau und zehn weiterer jüdischer Kameraden „in allen Ehren“. Im November 1938 wurde Sichel im KZ Buchenwald in „Schutzhaft“ genommen und nach knapp zwei Wochen entlassen. Am 23. September 1942 wurde er ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er vier Monate später starb.

„Die Opfer des Nationalsozialismus‘ dürfen nicht vergessen werden. Menschen, die in unseren Feuerwehren jahrelang Dienst für den Nächsten geleistet hatten, wurden deportiert, vertrieben und ermordet. Ihrer und ihrer Leistung wird auch in Zukunft gedacht werden – gegen das Vergessen!“, mahnt Hans-Peter Kröger, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV).

Museumsleiter Schamberger hat Unterlagen zum Schicksal Jakob Sichels ausgewertet – darunter auch dessen Gestapoakte. In seinem Vortrag spannt er den Bogen von historischer Entwicklung zu persönlichen Ereignissen und betrachtet zudem die Verknüpfung mit Karl Tretter, der mit Unterbrechungen von 1934 bis 1959 Oberkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Würzburg war. Dieser sorgte unter anderem für die Möglichkeit der ehrenhaften Entlassung Sichels. „Das klare Bekenntnis der Würzburger Feuerwehr zu ihren ehemaligen jüdischen Kameraden ist ein sehr deutliches und ermutigendes Signal!“, erklärt Schamberger. Er bereitet zum 75. Jahrestag der Pogromnacht 2013 eine Sonderausstellung im Leitmuseum der deutschen Feuerwehren in Fulda vor.

An der Veranstaltung anlässlich der Stolpersteinverlegung nimmt in der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg außer Schulleiter Dr. Roland Demke und Oberbürgermeister Georg Rosenthal auch Dr. Josef Schuster, Mitglied des Zentralrates der Juden in Deutschland, teil.

„Stolpersteine“ sind Gedenktafeln aus Messing, die vor dem letzten selbst gewählten Wohnort von Opfern der NS-Zeit in den Bürgersteig eingelassen werden. Es gibt mittlerweile mehr als 32.000 von ihnen; sie liegen an rund 700 Orten in Deutschland. Die Initiative geht auf den Künstler Gunter Demnig zurück. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.stolpersteine.com.

 

Quelle: DFV

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.