Bayerischer ÖPNV-Preis 2012

5. November 2012 | Themenbereich: Bayern, Verkehr | Drucken

Der Bayerische Verkehrsminister Martin Zeil hat im Rahmen des 7. Bayerischen Nahverkehrskongresses den Bayerischen ÖPNV-Preis 2012 verliehen. Ausgezeichnet wurde das Verhaltenstraining für Fahrgäste „Mit Herz und Verstand handeln. Notfall? Du hilfst – ich auch“.

Seit Januar 2010 veranstalten die Aktion Münchner Fahrgäste, das Polizeipräsidium München und die Bundespolizeiinspektion München jeden Monat dieses Verhaltenstraining für Fahrgäste im Verkehrszentrum des Deutschen Museums.

„Gerade nach dem Tod von Dominik Brunner im Jahr 2009 bestand in der Bevölkerung ein großes Bedürfnis nach Information und kompetenter Anleitung zum richtigen Verhalten in Gefahrensituationen – auch wenn die Sicherheit im bayerischen Nahverkehr objektiv sehr hoch ist“, betonte der Bayerische Verkehrsminister Martin Zeil.

„Ich freue mich, dass das Projekt mit bisher 900 Teilnehmern seit dem Start 2010 auf ungebrochen reges Interesse stößt. Es ermutigt die Bürgerinnen und Bürger auf vorbildliche Art und Weise zu mehr Zivilcourage.“

„Die Zivilcourage eines Einzelnen, die gegenseitige Unterstützung der Fahrgäste untereinander und die Zusammenarbeit mit den Polizeibehörden können für die Sicherheit in Bus und Bahn sorgen, die wir uns alle wünschen“, sagt Andreas Nagel, Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste. „Wir freuen uns über diese Auszeichnung, die allen gilt, die sich für noch mehr Sicherheit im Linienverkehr einsetzen.“

„Es freut mich sehr, dass das Engagement von Polizeibeamten und – beamtinnen der Münchner Polizei in den sogenannten „Polizei-Kursen“, die schon seit dem Jahr 1998 erfolgreich durchgeführt werden, hier Modell sein konnte“, so Polizeivizepräsident Robert Kopp.

„Grundgedanke des Verhaltenstrainings ist es, Bürger in die Lage zu versetzen, durch einfache und praxisorientierte Handlungsempfehlungen sich selbst oder anderen Personen in Not- und Bedrohungssituation zu helfen.

„Die Bundespolizeiinspektion München unterstützt aus Überzeugung diese gemeinsame Bemühung, Menschen Mut zur Zivilcourage zu machen, und wird sich auch weiterhin einbringen“, sagte Jürgen Vanselow, Leiter der Bundespolizeiinspektion München.

Der Tod von Dominik Brunner am 12. September 2009 am S-Bahnhof München-Solln erschütterte die gesamte Öffentlichkeit. Für den Fahrgastverband Aktion Münchner Fahrgäste war dieses Ereignis der Auslöser, sich an das Polizeipräsidium München zu wenden, um mit dem Sachverstand der Polizei eine Verbesserung der Situation zu erreichen. Zunächst war an eine Plakataktion gedacht, die zum Beispiel auf einen Gewaltverzicht hinweisen sollte. In einer genauen Situationsanalyse und nach einer umfangreichen Planungsphase stellte sich aber heraus, dass es sinnvoller ist, dem gutwilligen Bürger das Rüstzeug zu geben, damit er gefährliche Situationen frühzeitig erkennen und sich angemessen verhalten kann.

Die Bayerische Polizei hatte bereits seit 1998 sehr gute Erfahrungen mit dem „Polizei-Kurs“ und den dabei durchgeführten Verhaltenstrainings gemacht. Es galt nun diese Übungen in einer realistischen Umgebung durchzuführen. Da dies ohne besonderen organisatorischen Aufwand und ohne die Gefahren eines Werkstattbetriebes geschehen sollte, entstand die Idee, die Fahrzeuge im Verkehrszentrum des Deutschen Museums zu benutzen. Die Museumsleitung zeigte sich sofort bereit, diese Idee tatkräftig zu unterstützen.

Vom Polizeipräsidium München wurde auch die Bundespolizeiinspektion München über die Bundespolizeidirektion München in das Projekt eingebunden. Das Ziel ist es in erster Linie den interessierten Fahrgästen wirksame Maßnahmen zum Selbstschutz zu vermitteln und ihnen Handlungskompetenzen für ein couragiertes Eingreifen aufzuzeigen.

Des Weiteren spielt die Öffentlichkeitsarbeit eine wichtige Rolle. Durch die intensive Berichterstattung in den Medien ist ein allgemeiner Bewusstseinswandel in der Bevölkerung zu mehr Zivilcourage und Eigensicherheit in der Öffentlichkeit klar zu erkennen. Ein potentieller Helfer handelt nun in dem Bewusstsein, dass die Gesellschaft und ihre Repräsentanten Übergriffe, insbesondere im Linienverkehr in keiner Weise dulden und den couragierten Helfer nachhaltig unterstützen wird.

Das kostenlose Training wird für alle interessierten Fahrgäste im Bereich des MVV und der Bayerischen Oberlandbahn angeboten. Die Teilnehmer können sich über die Internetseite www.fahrgaeste.de oder fernmündlich über das Service-Telefon der S-Bahn München unter der kostenpflichtigen Rufnummer (01805) 661010 anmelden.

Die nächste Veranstaltung findet am Dienstag, 13. November 2012 um 13:30 Uhr statt.

Das Projekt wird unterstützt von:

Bayerische Oberlandbahn Berufsfeuerwehr München

Deutsche Bahn

Deutsches Museum

Dominik-Brunner-Stiftung

Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV)

Die Schirmherrschaft hat Oberbürgermeister Christian Ude übernommen.

Das Training besteht aus drei Teilen:

A Bus und Bahn sind sicher

Obwohl Bus und Bahn sehr sichere Verkehrsmittel sind, gibt es doch auch Gefahren, die nicht immer richtig eingeschätzt werden. Viele Fahrgäste kennen auch die vorhandenen Rettungs- und Nothilfeeinrichtungen nicht. So wird auf die Gefahren durch die hohe Spannung oder das geringere Bremsvermögen von Schienenfahrzeugen eingegangen.

B Verhaltenstraining

Die Polizei erläutert die rechtlichen Grundlagen des Eingreifens und Handelns. In mehreren realistischen Rollenspielen wird in einem Original-S-Bahntriebzug (ET 420) das richtige Verhalten geübt. Den Kursteilnehmern werden weiterhin leicht erlernbare Tips zur Selbstbehauptung und Zivilcourage vermittelt und wie man Gefahrensituationen vermeiden kann. z.B. durch die richtige Wahl von „sicheren“ Sitzplätzen. Weiterhin werden Hinweise zum Umgang mit Rettungs- und Hilfeeinrichtungen am Bahnhof und in den Zügen von S- und U-Bahn gegeben. Bei dem Verhaltenstraining handelt es sich um ein interaktives Selbstsicherheits- und Zivilcouragetraining für den Bereich des Linienverkehrs. Ziel dieses Trainings ist es hierbei – gefährliche Situationen im öffentlichen Nahverkehr bereits im Vorfeld rechtzeitig erkennen zu können (bzw. die Vorgeschichte einer potentiellen Gefahrensituation rechtzeitig „lesen“ zu können), – das Wissen zu haben, richtig zu reagieren, ohne sich selbst und andere dabei zu gefährden – das Erlernte jederzeit trotz einer Angst- und Streßsituation umsetzen zu können. Je schneller eine mögliche Gefahrensituation wahrgenommen und richtig eingeschätzt wird, desto leichter ist es, sich selbst und anderen mit einfachen, leicht umsetzbaren Verhaltensmaßnahmen unbeschadet aus Bedrohungslagen zu befreien. Das Verhaltenstraining ist ein Bestandteil der POLIZEI-Kurstrainings des Polizeipräsidiums München, das von der Ludwig-Maximilians-Universität evaluiert (Wirkungsevaluation) und vom Zentralen Psychologischen Dienst der Polizei überprüft wurde.

C Defibrillator-Training

Die Berufsfeuerwehr München erklärt theoretisch und praktisch den Umgang mit einem Defibrillator. Die Teilnehmer haben die Gelegenheit die Maßnahmen zur Wiederbelebung eines Patienten an einer Puppe und mit einem Schulungs-Defibrillator selbstständig zu üben.

Aktion Münchner Fahrgäste

Die Aktion Münchner Fahrgäste wurde im Juli 1989 gegründet. Sie ist ein Zusammenschluss engagierter Fahrgäste und kompetenter Fachleute aus der Verkehrsplanung, den Verkehrsunternehmen und der Industrie. Grundsätzliches Ziel ist die Steigerung des Anteils der Linienverkehrsmittel am Verkehrsaufkommen. Daneben werden aber auch Details der Fahrplangestaltung, der Fahrgastbedienung und der Verkehrsdurchführung unter die Lupe genommen. Wichtigstes Ziel war der Erhalt der Trambahn in München als System.

Dieses Ziel wurde, natürlich nur gemeinsam mit all den anderen Initiativen und engagierten Bürgern, erreicht. Der Fahrgastverband betreibt einen Infokiosk am Karlsplatz (Stachus) und führte auch Sonderfahrten, wie den Wolnzach-Express, die Christkindl-Trambahn oder die Sylvester-S-Bahn durch.

Polizeipräsidium München

Das Polizeipräsidium München umfasst mit der Landeshauptstadt und dem Landkreis München einen Zuständigkeitsbereich von etwa 1.000 qkm, in dem ca. 1,6 Mio. Einwohner leben. Insgesamt stehen für die Erhaltung der Sicherheit rund 6.000 Polizeibeamte bereit. Davon verrichten etwa 1.200 Beamte ihren Dienst bei der Kriminalpolizei. Weitere 4.700 Beamte werden bei der Schutzpolizei eingesetzt.

Zusätzlich sind rund 800 Tarifbeschäftigte angestellt, die ebenfalls für die Sicherheit unserer Bürger, vorwiegend im logistischen Bereich, arbeiten. Dem Abschnitt Kriminalpolizei sind deliktsorientiert Kriminalfachdezernate und Kommissariate zugeordnet. Ihnen obliegt die Verhütung, Verfolgung und Aufklärung von Straftaten.

Bundespolizeiinspektion München

Die Bundespolizeiinspektion München ist zuständig für die polizeiliche Gefahrenabwehr und Strafverfolgung im Bereich der Anlagen der Deutschen Bahn und im größten deutschen S-Bahnnetz mit über 210 Bahnhöfen und Haltepunkten auf 440 Streckenkilometern. Der Zuständigkeitsbereich der Bundespolizeiinspektion München mit dem Bundespolizeirevier München Ost umfaßt neben der Landeshauptstadt und dem Landkreis München die benachbarten Landkreise Dachau, Ebersberg, Fürstenfeldbruck, Starnberg, Erding und Freising.

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.