Bevölkerungsschutz einmal anders – Kunstprojekt „life experts“ in Münster

2. November 2012 | Themenbereich: Bevölkerungsschutz | Drucken

Eine nicht ganz alltägliche Veranstaltung nutzte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) am 26. Oktober in Münster, um der Bevölkerung nützliche Tipps und Tricks zur Bewältigung von Notlagen näher zu bringen. Der Münsteraner Aktionskünstler Thomas Nufer hatte Menschen, die Erfahrungen mit Krisen- und Extremsituationen haben (so genannte „life experts“), zur Teilnahme an einer soziokulturellen Performance aufgerufen. Dort sollten sie ihr bereits gewonnenes Wissen mit anderen Interessierten teilen.

„Jeder Mensch kann eine Ressource für den anderen sein, Lösungen anbieten oder individuelle Wege aufzeigen“, beschreibt Nufer sein Konzept. „Jede Krise birgt stets Chancen. Sie fördert die Fantasie und stärkt das Selbstbewusstsein auf dem Weg zu einer Neuorientierung“, so Nufer weiter.

Diesem Aufruf folgend, machten sich unter anderem auch Giulio Gullotta, Susanne Lenz und Simon Reif vom BBK auf den Weg. In ihrem Gepäck hatten sie kurbelbetriebene Taschenlampen, Dosenbrot, einen improvisierten Wasserfilter und weitere unscheinbare Utensilien, die im Ernstfall gleichwohl von unschätzbarer Bedeutung sein können.

In Münster war hinter dem Rathaus alles angerichtet: Etwa fünf Grad Außentemperatur, unbeheizte Zelte und damit eine Atmosphäre, die dem Leitmotiv der Veranstaltung erstaunlich gut entsprach. Auf Strohballen sitzend, der Abendkälte trotzend, teils in Decken gehüllt lauschten die Gäste den Vorträgen, staunten, fragten, diskutierten.

Unter dem Titel „Das Schnee–Armageddon“ berichteten beispielsweise die Eheleute Marlies und Jotho Böwering eindrucksvoll von ihrer ganz persönlichen Begegnung mit dem Ausnahmezustand: Als am 25. und 26. November 2005 lang andauernder, starker Schneefall im Münsterland zum Zusammenbruch von Strommasten und -leitungen und damit der Versorgung von über 250.000 Menschen führte, erlebten sie mit ihren drei Kindern, wie schnell der gewohnte Tagesablauf durcheinander gebracht werden kann. Zwar verfügten sie noch über fließendes Wasser, doch mit dem Strom waren auch die Heizung und die Telefonanlage ausgefallen. Als nach mehreren Tagen die Stromversorgung wiederhergestellt war, blieb die Erkenntnis, dass private Vorsorge und gegenseitige Unterstützung entscheidend zur Bewältigung einer solchen Lage beitragen können. Die Böwerings hatten nicht nur die eigene (Schwieger-)Mutter, sondern auch deren über neunzigjährige Nachbarin mit aufgenommen.

„Pro-soziales Verhalten ist in solchen Situationen typisch“, ergänzte BBK-Mitarbeiter Giulio Gullotta die Ausführungen. Das war der Auftakt zum unmittelbaren Dialog mit den Anwesenden, in dessen Verlauf von den Beschäftigten des Bundesamtes Möglichkeiten der Vorsorge, der Selbsthilfe und der Nachbarschaftshilfe aus Sicht des Bevölkerungsschutzes vorgestellt wurden.

Zum einen wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der soziokulturellen Veranstaltung in die materielle Vorsorge eingeführt: Ein Blick auf die Website http://www.ernaehrungsvorsorge.de/de/private-vorsorge/notvorrat/ erleichtert die Zusammenstellung eines persönlichen Notfallvorrats. Über den dortigen Vorratskalkulator lässt sich, abhängig von Haushaltsgröße und Vorratsdauer, eine Liste aller benötigten Lebensmittel und Mengen berechnen. Diese kann natürlich entsprechend der kulinarischen Vorlieben auch angepasst werden. Den „westfälischen Geschmack“ hatte das BBK offenbar getroffen, denn von dem mitgebrachten Pumpernickel in der Dose ließen die Anwesenden kein Stück übrig.

Leicht gestärkt erschloss sich allen, dass neben Lebensmitteln und Getränken auch einige andere Dinge, wie Erste-Hilfe-Ausrüstung, ein kurbelbetriebenes Radio, eine kurbelbetriebene Taschenlampe, Kerzen und Streichhölzer, vorgehalten werden sollten.

Aber ebenso wichtig wie die Bevorratung ist das Wissen über das richtige Handeln im Notfall. Dieses ist in der Regel schnell zu erlernen. Hierunter fallen zum Beispiel die Erste Hilfe, aber auch die Wassergewinnung und -aufbereitung, die unter Zuhilfenahme geeigneter Materialien wie Plastikfolie, selbstgebautem Kies- und Sandfilter, Topf und Campingkocher nahezu jederzeit und überall möglich sind. Denn anders als in vielen Ländern auf der Erde lässt sich in Deutschland Wasser sehr leicht gewinnen und durch das dreiminütige sprudelnde Abkochen genießbar machen.

Die praktische Vorführung der zahlreichen durch die BBK-Beschäftigten mitgebrachten Hilfsmittel vermittelte anschaulich, wie einfach und gleichzeitig wirkungsvoll man sich für Krisen und Katastrophen, aber auch kleinere Notfälle wappnen kann. Am Ende der Veranstaltung gab es nicht nur viel Applaus als Anerkennung für die wertvollen Tipps, sondern auch den Wunsch, das alles auch mal nachzulesen. Daher fand die Broschüre „Für den Notfall vorgesorgt“, mit vielen Hinweisen für die private Notfallvorsorge, reißenden Anklang.

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