Wohin entwickelt sich die Laufbahn des Werkdienstes?

29. Oktober 2012 | Themenbereich: Nordrhein Westfalen, Strafvollzug | Drucken

Nach jahrelangen Diskussionen hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung am 31. Januar 2012 im Rahmen des Deutschen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen (DQR) die Gleichwertigkeit von Meister- und Bachelorabschluss verkündet.

Berufsausbilder sind die Lokomotive für die berufliche Entwicklung des Werkdienstes.

Auf diese Regelung hätten sich Bund, Länder und Sozialpartner verständigt, hieß es in einer Presseerklärung. Diese Übereinkunft war erforderlich geworden, um auf europäischer Ebene eine Vergleichbarkeit von universitären und beruflichen Berufsabschlüssen herzustellen. Ab 2012 sollen die europäischen Länder ihre Berufs- und Studienabschlüsse mit einem Hinweis auf die jeweilige Stufe des europäischen Qualifikationsniveaus versehen.

Diese Übereinkunft hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf die konkrete Bezahlung oder die laufbahnrechtliche Einstufung der Betroffenen. Sie gibt allerdings Veranlassung, notwendige Schlussfolgerungen für die gewerkschaftliche Interessenvertretung zu ziehen. Zwischenzeitlich haben sich die Vertreter der Laufbahn des Werkdienstes dieser überaus schwierigen Aufgabe gestellt und angenommen, weil die Verlautbarung des Bildungsministeriums ganz unterschiedliche Reaktionen bei den Kolleginnen und Kollegen ausgelöst hat.

Während die einen die sofortige Überleitung der Laufbahnangehörigen mit Meisterqualifikation in die Laufbahngruppe des gehobenen Dienstes favorisieren, raten die anderen zu einem behutsamen Vorgehen und zur Prüfung von Alternativen.

Von allen Bundesländern verfügt Nordrhein-Westfalen über den größten Werkdienst. Einschließlich der Anwärter sind in den Betrieben der Vollzugseinrichtungen derzeit rund 600 Kolleginnen und Kollegen beschäftigt. Man darf getrost unterstellen, dass das Land NRW, das künftig die Schuldenbremse bei der Aufstellung der Haushalte beachten muss, für sein Personal nicht ohne Not mehr Geld aufwenden wird als eben unvermeidlich. Trotzdem haben Vorgespräche des BSBD mit Verantwortlichen ergeben, dass es eine grundsätzliche Bereitschaft zu geben scheint, eine gewisse Anzahl von Angehörigen des Werkdienstes in Positionen, in denen die Qualifikation als Meister unverzichtbar ist, in die Laufbahngruppe des gehobenen Dienstes zu übernehmen, alle anderen hingegen nicht.

Von einer solchen Regelung könnten ungefähr 150 Kolleginnen und Kollegen profitieren. Für die restlichen 450 würde es vermutlich das Ende jeglicher beruflichen Weiterentwicklung bedeuten. Wer profitieren könnte, liegt auch ziemlich deutlich auf der Hand. Dies dürften vorrangig die Werkdienst- und Betriebsleitungen sowie die Berufsausbilder sein. Wer nicht zu diesen Personengruppen gehört, müsste in diesem Fall damit rechnen, künftig nur noch im Ausnahmefall beruflich gefördert zu werden.

Zudem dürften in diesem Fall die Altersabgänge künftig durch Personal mit Gesellenausbildung (z.B. Werkaufsichtsdienst) ersetzt werden, was sukzessive die Reduzierung der Laufbahn des Werkdienstes zur Folge hätte. Dieser verbleibende Teil des Werkdienstes würde folglich zwangsläufig in der beruflichen Sackgasse landen.

Oberstes Ziel des BSBD muss es im Interesse aller Laufbahnangehörigen sein, die Einheit der Laufbahn zu sichern und jeder Kollegin und jedem Kollegen den leistungsabhängigen Aufstieg bis in den gehobenen Dienst (A 7 bis A 12 BBO) zu ermöglichen. Um die Wertigkeit der Meisterqualifikation als Einstiegsvoraussetzung für die Laufbahn des Werkdienstes angemessen zu honorieren, strebt der BSBD die Schaffung einer Zulage ausschließlich für eine Tätigkeit als Meister im Strafvollzug an, die ein Vielfaches der bisherigen Meisterzulage ausmachen müsste.

Die Fachschaftsvertretung des Werkdienstes hat sich mit deutlicher Mehrheit für die Aufwertung der Laufbahn vor dem Hintergrund des Deutschen Qualifikationsrahmens ausgesprochen, dabei aber gefordert, die Einheitlichkeit der Laufbahn unter keinen Umständen zu gefährden. Die Fachschaftsvertreter haben der BSBD-Landesleitung zudem vorgeschlagen, sich für eine signifikante Verbesserung der Stellenobergrenzen im Bereich der Ämter A 9 bis A11 BBO der Laufbahn des Werkdienstes sowie für die Einführung einer vollzugsspezifischen Zulage einzusetzen.

Die dargestellte Position, die die BSBD-Gremien erarbeitet haben, und die Grundlage der zukünftigen Gewerkschaftsarbeit sein wird, ist Ausfluss gelebter Solidarität. Allen Kolleginnen und Kollegen wird damit ein auf der schulischen Vorbildung, der beruflichen Qualifikation basierender, leistungsabhängiger beruflicher Aufstieg ermöglicht. Mit dieser Position werden alle Laufbahnangehörigen gefördert und niemand in einer beruflichen Sackgasse zurückgelassen.

 

 

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.