„Kurve kriegen“ mit prominenter Unterstützung

29. Oktober 2012 | Themenbereich: Nordrhein Westfalen, Prävention | Drucken

Kindern und Jugendlichen, die kriminell und auffällig geworden sind, soll frühzeitig geholfen werden. Das Land Nordrhein-Westfalen hat dafür vor einem Jahr ein neuartiges, bundesweit einmaliges Projekt gestartet. In enger Zusammenarbeit zwischen Polizei, freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe und dem Jugendamt bekommen gefährdete Kinder und Ju-gendliche eine individuelle Förderung, die verhindern soll, dass sie ganz auf die schiefe Bahn geraten und zu Intensivtätern werden. Jetzt kann die Initiative „Kurve kriegen“ mit der Kölner Kultband „Paveier“ auf die Mitwirkung prominenter Mitstreiter setzen.

Die „Paveier“ haben für das Projekt einen eigenen Song komponiert und auch bereits einen eindringlichen Video-Clip produziert. Bei der Vorstel-lung von Song und Musikvideo zog NRW-Innenminister Ralf Jäger heute (29.10.) in Köln ein erstes positives Resümee der NRW-Initiative und be-grüßte das außergewöhnliche Engagement der bekannten Musikgruppe. Die sechs Musiker aus Köln hatten sich nämlich angeboten, auch mit ein-zelnen Kindern und Jugendlichen aus dem Projekt „Kurve kriegen“ zu ar-beiten.

Die „Paveier“ wollen mit ihrem persönlichen Einsatz dem Projekt einen zusätzlichen Schwung geben und für eine größere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit sorgen. Bandmitglied Klaus Lückerath fühlt sich als ehemali-ger Lehrer besonders herausgefordert, etwas für die Jugendlichen zu tun. Er sieht gleich mehrere Betätigungsfelder, wo gefährdete Kinder in der Band mit anpacken können und dabei lernen, Verantwortung zu überneh-men: „Sie können uns beispielsweise vor unseren Auftritten beim Aufbau helfen und dabei ‚backstage‘ hautnah die Arbeit im Musikbusiness kennenlernen.“ Lückerath sieht im Einzelfall sogar eine berufliche Perspektive für die Jugendlichen.

Bandmitglied Sven Welter hat bereits den zwölfjährigen Philipp (Name geändert) aus dem Projekt unter seine Fittiche genommen. Als passio-nierten Tischtennisspieler hat er ihn für den schnellen Sport begeistert. „Ich bin mir sicher, dass er im Tischtennisverein dort bald auf andere Ge-danken kommt und neue Freunde findet“, hofft Welter. Auch die anderen Bandmitglieder sind von dem Projekt begeistert und unterstützen „Kurve kriegen“. Die „Paveier“ zählen zusammen mit den „Bläck Fööss“, den „Höhnern“ und „Brings“ zu den bekanntesten kölschen Gruppen.

Köln ist eine von acht Modellregionen, die vor über einem Jahr für die Umsetzung von „Kurve kriegen“ ausgewählt wurden. Aktuell werden von den beiden Sozialpädagogen, die bei der AWO für das Projekt zuständig sind, 26 Familien begleitet. 22 Jungen und vier Mädchen haben individuel-le Angebote bekommen und werden intensiv betreut.

Neben Köln ist die Initiative „Kurve kriegen“ auch in Aachen, Bielefeld, Dortmund, Duisburg, Hagen, dem Rhein-Erft-Kreis und dem Kreis Wesel gestartet. Inzwischen nehmen in allen Modellregionen zusammen 178 Kinder und Jugendliche (158 Jungen und 20 Mädchen) an verschiedenen pädagogischen Maßnahmen teil. Die einzelnen Maßnahmen und Angebo-te reichen von Nachhilfe über Teilnahme am Musikschulunterricht, Cool-ness- und Anti-Aggressionstrainings bis hin zur Ernährungsberatung für übergewichtige Kinder.

In jeder der acht Regionen werden in Kooperation mit freien Trägern der Kinder- und Jugendhilfe individuelle Maßnahmen durchgeführt. Diese set-zen bei den jeweiligen Interessen und Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen an.

Innenminister Jäger begründete noch einmal die Dringlichkeit eines sol-chen Projektes mit einigen Zahlen: Im Jahr 2011 lag die Zahl der mehr-fachtatverdächtigen Kinder und Jugendlichen in NRW bei 3.700. Sie ha-ben knapp 29.000 Straftaten begangen. Das heißt: Nur sechs Prozent der tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen verüben ein Drittel aller Strafta-ten dieser Altersgruppe.

„Ein Blick auf die hohe Rückfallquote von rund 70 Prozent nach Jugend-strafmaßnahmen macht deutlich, dass Abwarten und Wegsperren keine Lösungen sind“, betonte Jäger. Ein weiterer Aspekt sind die zu erwarten-den Ausgaben. Jeder einzelne Platz im Jugendstrafvollzug kostet in NRW jährlich über 41.000 Euro. Verbunden mit der oftmals mangelnden Schul- und Ausbildung der betroffenen Kinder und Jugendlichen, sind die an-schließenden Folgekosten immens. „Jedes Kind, das noch die Kurve kriegt, ist ein Gewinn für die Gesellschaft“, betonte Ralf Jäger.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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