Leichenschau auf dem Prüfstand

26. Oktober 2012 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Der tragische Tod eins Säuglings in Berlin wirft erneut die Frage auf, ob die derzeit praktizierte Leichenschau und Feststellung der Todesursache in dieser Form noch ausreichend ist.

„Immer wieder kommt es vor, dass die tatsächliche Todesursache nicht, oder zu spät erkannt wird“, kennt der BDK-Bundesvorsitzende André Schulz die Probleme der Leichenschau. Der BDK bemängelt seit langem, dass es derzeit jedem zugelassenen Humanmediziner erlaubt ist, nicht nur den Tod eines Menschen festzustellen, sondern auch noch festzulegen, ob der Tod „natürlich“ oder „nicht natürlich“ eingetreten ist, bzw. die Todesart „ungewiss“ ist. Das gilt für den Hals-Nasen-Ohrenarzt gleichermaßen wie für den operierenden und behandelnden Arzt, dessen Patient verstirbt. „Es ist aus kriminalistischer Sicht her nicht nachvollziehbar, warum die Feststellung der Todesursache nicht durch einen unabhängigen und speziell dafür ausgebildeten Rechtsmediziner erfolgt“, sagt der BDK-Landesvorsitzende in Berlin, Michael Böhl.

Menschliches Versagen und Fehleinschätzungen führen nicht nur zu einem Vertrauensverlust in die Medizin, sondern auch zu einem Spitzenplatz Deutschlands bei den Exhumierungen in Europa. Die angehaltenen Leichenschauscheine bei der, nicht in allen Bundesländern vor einer Kremierung vorgeschriebenen Leichenschau durch einen Rechtsmediziner, sprechen Bände. Weil es von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche gesetzliche Regelungen oder Verordnungen zur Leichenschau gibt, macht es also schon einen Unterschied in welchem Bundesland der Täter sein Opfer zum Tode befördert. Das Entdeckungsrisiko ist nicht überall gleich.

„Es muss deshalb eine bundeseinheitliche, unabhängige Leichenschau her, die von einem dafür besonders ausgebildeten Humanmediziner durchgeführt wird“, formuliert der BDK-Landesvorsitzende Michael Böhl die BDK-Forderung.

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