Karrierekiller Kinder wiegt noch immer schwer

25. Oktober 2012 | Themenbereich: Gewerkschaft der Polizei, Interessenvertretungen, Nordrhein Westfalen | Drucken

Unter den 1661 Nachwuchspolizisten, die im Oktober 1982 in NRW ihre Ausbildung begonnen haben, waren erstmals auch 74 Frauen. Der damalige Innenminister Herbert Schnoor (SPD) hatte die anfangs auch in Polizeikreisen umstrittene Öffnung der Männerdomäne Polizei für Frauen damit begründet, dass die Polizei ein Spiegelbild der Gesellschaft sein muss. Dreißig Jahre später sind Polizistinnen längst eine Selbstverständlichkeit. „Frauen haben die Polizei bereichert. Sie wirken in bremslichen Situationen viel stärker deeskalierend, als ihre männlichen Kollegen“, betonte auf der GdP-Tagung „30 Jahre Frauen bei Schutzpolizei“ in Düsseldorf der heutige Innenmister Ralf Jäger (SPD). Bei Führungsfunktionen bleiben Frauen trotzdem noch immer außen vor. Ihr Anteil liegt bei gerade einmal sechs Prozent.

Die Frage, welche Maßnahmen erforderlich sind, um den Anteil der Frauen in Führungspositionen nachhaltig zu erhöhen, zog sich deshalb wie ein roter Faden durch die GdP-Tagung. Unter den 90 Polizistinnen und Polizisten aus ganz NRW, die eine Bilanz der letzten dreißig Jahre gezogen haben, waren auch viele Pionierinnen der ersten Stunde. Für spannende Diskussionen sorgten als Referentinnen auch die Duisburger Polizeipräsidentin Dr. Erika Bartels, die Historiker Bettina Blum, die Schichtdienstforscherin Hiltraud Grzech-Sukalo und die Gender-Expertin des DGB, Carmen Tietjen. Einig waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der GdP-Tagung darin, dass die Frauen die Polizei in den vergangenen 30 Jahren nachhaltig verändert haben. Bei der Frage, wie die trotzdem noch immer bestehenden Aufstiegsbarrieren für Frauen beseitigt werden können, traten allerdings auch unterschiedliche Auffassungen zutage.

Gleich zu Beginn der Tagung hatten der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Peter Hugo und die Vorsitzende der Frauengruppe der GdP, Martina Filla, darauf hingewiesen, dass es bei der Polizei bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch erhebliche Handlungsdefizite gibt. „Auch Polizistinnen und Polizisten haben ein Recht auf planbare Familienzeiten. Sonst bleiben die Frauen bei der Karriere außen vor“, hatte Peter Hugo kritisiert. Martina Filla erinnerte, dass Familienfreundlichkeit in der Industrie längst ein Erfolgsfaktor ist. „In der Polizei sind Familie und Kinder dagegen noch immer ein Karrierekiller“, sagte Filla. Die Vorsitzende der Frauengruppe kritisierte zudem, dass die Familienzeiten bei der Berechnung des Einstellungsbedarfs der Polizei nicht berücksichtigt werden. „1500 Stellen fehlen uns dadurch“, sagte sie.

Eine Kritik, die der Innenminister so nicht stehen lassen wollte. Er erinnerte daran, dass der Frauenanteil bei der Polizei in den vergangenen 30 Jahren im Schnitt bei 34 Prozent lag. Aktuell sind es sogar 40 Prozent. „Das haben wir nicht durch eine Quote erreicht, sondern weil sich die Frauen in den Bewerbungsverfahren gegen ihre männlichen Konkurrenten durchgesetzt haben. Darauf können Sie zu Recht stolz sein“, sagte Jäger. Dass die Frauen in Führungsfunktionen unterrepräsentiert sind, führt der Innenminister auf den zu kurzen Zeitraum zurück, seitdem Frauen überhaupt für den Polizeidienst zugelassen sind. Zudem betonte Jäger, dass er als Innenminister, von einer Ausnahme abgesehen, ausschließlich Frauen zu Polizeipräsidentinnen ernannt habe. Bei der Personalentwicklung sieht der Innenminister die Ausbildungskapazitäten der Polizei erreicht. „Mehr 1400 geht nicht, wenn wir den hohen Ausbildungsstandard erhalten wollen“, sagte er. Ein Argument, dass bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmer der GdP-Veranstaltung auf Widerspruch stieß. Immerhin werden ab dem kommenden Jahr 300 Ausbildungsplätze frei, die bislang für die Aufsteiger benötigt wurden.

Spannende Diskussionen gab auch über die Frage, wie das Ziel erreicht werden kann, dass die Männer in der Polizei eine größere familienpolitische Verantwortung übernehmen. Auch in Polizeifamilien tragen die Frauen noch immer den größten Teil der Erziehungsarbeit für die Kinder. Um das zu ändern, will sich die GdP in den nächsten Jahren verstärkt um familienfreundliche Schichtdienstmodelle und um gezielte Betreuungsangebote für Kinder bemühen, um eine gerechtere Verteilung der Erziehungslasten auf beide Eltern ermöglichen. Polizistinnen, die vorübergehend eine Familienzeit nehmen, soll zudem eine schnellere Rückkehr in den Polizeiberuf ermöglicht werden, damit Kinder für sie nicht weiter zum Karrierekiller werden.

Auf der GdP-Tagung wurde aber nicht nur diskutiert, sondern auch gefeiert. Dafür hat vor allem der Auftritt der Kabarettistin Esther Münch gesorgt.

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