Internationaler Kongress „100 Jahre Kriminologie in Graz“

17. Oktober 2012 | Themenbereich: Brandenburg, Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Am Donnerstag beginnt an der Karl-Franzens-Universität Graz (Österreich) ein dreitägiger internationaler Kongress „100 Jahre Kriminologie in Graz“, der vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) – Landesverband Brandenburg – unterstützt wird.

Der BDK-Landesvorsitzende Wolfgang Bauch (52) fordert unter Hinweis auf die von Dr. Hans Gross geleistete richtungweisende Pionierarbeit für die Verbrechensbekämpfung bundesweit eine Erhöhung des Stellenwerts der Kriminalistik und deren stärkere Berücksichtigung bei der Aus- und Fortbildung der Polizei. Spezialisierung und damit weitere Professionalisierung der Polizeiarbeit seien das Gebot der Stunde, wiederholte Bauch eine Grundposition der Kripo-Gewerkschaft.

Im Jahr 1912 – vor 100 Jahren – begründete der Österreicher Dr. Hans Gross (1847 – 1915) an der Karl-Franzens-Universität ein kriminologisches Universitätsinstitut und leistete so einen entscheidenden Beitrag zur Institutionalisierung der Kriminalwissenschaft. Seither haben sich Kriminologie und Kriminalistik in vielfältiger Weise weiterentwickelt, wenngleich die institutionelle Verankerung der Kriminalwissenschaft, vor allem der Kriminalistik, in Deutschland und Österreich prekär ist. Als Beispiel dafür stehen die ersatzlose Abwicklung der Sektion Kriminalistik der Humboldt-Universität zu Berlin nach der politischen Wende in der ehemaligen DDR sowie die inhaltsgleiche Ausbildung des Polizeinachwuchses in vielen Bundesländern, so auch in Brandenburg.

 

 

 

Von den Entwicklungslinien der Kriminalistik und Kriminologie, ihren Erkenntnisstrategien und interdisziplinären Entwicklungspotentialen handeln die Vorträge und Diskussionen des hochkarätig besetzten Kongresses, an dem auch eine Delegation des BDK Brandenburg teilnimmt. Für den gewerkschaftlichen Berufsverband der Kriminalpolizei referiert Prof. Dr. sc. jur. Rolf Ackermann zum Thema „Zur Entwicklung der Kriminalistik in Deutschland“. Dr. Thomas Bode – Akademischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozeßrecht und Rechtsinformatik der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) – spricht über die „Kriminalistik an den Hochschulen aus deutscher Sicht“. Prof. Dr. Ackermann war vor seiner Emeritierung im Jahre 1999 zuletzt Vertreter des Präsidenten der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Kriminalistik. Im vergangenen Jahr ehrte ihn der BDK Brandenburg mit dem „Hans-Gross-Preis für herausragende Verdienste um die Kriminalistik“.

 

 

 

Hans Gross publizierte die Ergebnisse seiner praktischen Tätigkeit als Untersuchungsrichter und Staatsanwalt in einer Reihe von bedeutenden Werken: 1893 erschien das der Ausbildung von Untersuchungsrichtern und Kriminalbeamten dienende „Handbuch für Untersuchungsrichter“, das ein System der Kriminalistik präsentierte und bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein weltweit eine maßgebliche Ausbildungs- und Arbeitsgrundlage für die Aufklärung von Verbrechen blieb – selbst das FBI arbeitete nach seinen Grundsätzen; 1898 dann die „Kriminalpsychologie“, die sich der Erforschung der Täterpersönlichkeit widmet; und als laufendes Publikationsorgan für kriminologische Erkenntnisse etablierte er die noch heute erscheinende Zeitschrift „Archiv für Kriminal-Anthropologie und Kriminalistik“. Unter Nutzung der Errungenschaften der rapide fortschreitenden Wissenschaft der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte Gross Methoden der Spurensicherung und -auswertung, die für die Entwicklung der Kriminologie als Wissenschaft richtungweisend werden sollten. Unter anderem konzipierte er einen auch aus heutiger Sicht noch beeindruckenden Tatortkoffer für die Spurensicherung.

 

 

 

 

 

 

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