Anti-Aggressionstraining für Männer,die Frauen schlagen

16. Oktober 2012 | Themenbereich: Hessen, Innere Sicherheit | Drucken

„Die Opfer von häuslicher Gewalt schützen wir am besten, wenn wir dem Täter die Gewalttätigkeit abtrainieren“, sagte der Staatssekretär im Justizministerium, Dr. Rudolf Kriszeleit. Er überreichte dem Verein JUKO in Marburg einen Bescheid über 11.625 Euro aus Lottomitteln.

Aber das Anti-Gewalt-Training mit Männern, die Frauen schlagen, wird künftig nicht mehr auf Lottomittel angewiesen sein. Der Staatssekretär berichtete, Justizminister Jörg-Uwe Hahn habe mit dem Finanzminister vereinbart, dass ein Mehrbedarf für die Förderung der Täterarbeit in Höhe von jeweils 100.000 Euro in den Haushaltsplan 2013/2014 des Hessischen Ministeriums der Justiz, für Integration und Europa aufgenommen wird, um hessenweit die Opfer, die Frauen, zu schützen. Aus dieser Haushaltsstelle werde künftig auch der Zuschuss für JUKO kommen.

Der Name des Vereins JUKO in Marburg leitet sich aus seinen beiden Arbeitsfeldern ab:

Jugendkonflikthilfe und Jugendkompetenznetzwerk. Die Abteilung Jugendkompetenznetzwerk hat den Auftrag, Jugendliche und Erwachsene beruflich und persönlich so zu fördern, dass eine Integration in den Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt gelingt und die Bereitschaft zum Lernen wieder geweckt oder gesteigert wird.

Die Abteilung Jugendkonflikthilfe umfasst insbesondere die flexiblen ambulanten Erziehungshilfen sowie Hilfen für junge Straffällige. Die Bereiche Mediation, Täter-Opfer-Ausgleich, Gewaltprävention und verschiedene Formen sozialer Arbeit an Schulen sind ebenfalls in dieser Abteilung angesiedelt.

Der Verein hat ein zusätzliches Projekt aufgelegt: „STOP- Soziales Training, Opferschutz & Prävention“.

„Das Täter-Training richtet sich gegen häusliche Gewalt“, erläutert Staatssekretär Dr. Kriszeleit: „Gewalt in der Familie erzeugt Schuld- und Schamgefühle, die sowohl die Geschlagenen als auch den Misshandler daran hindern, mit Außenstehenden darüber zu sprechen. Oft wollen beide Seiten verdrängen, was passiert. Und es geht weiter wie bisher. Die Frau wird geschlagen. Die Tat und der Täter bleiben im Verborgenen. Die Gewalt geht weiter.“

Diese Spirale müsse durchbrochen werden, erläutert Justizstaatssekretär Dr. Kriszeleit. Ziel sei es nun, zwar den Täter zu bestrafen, aber ihm vor allem aus der Gewalt-Spirale zu helfen. Hier leiste JUKO Marburg hervorragende Arbeit, betont Dr. Kriszeleit: „Die Männer lernen, mit ihrer Aggressivität fertig zu werden, sie zu steuern, sie zu kontrollieren und herunterzufahren. Viele erschrecken vor ihren bisherigen Verhaltensweisen. Sie lernen, sich nicht mit der Faust, sondern mit Worten auszudrücken. Die Lebensqualität des Täters steigt.“

Zahlen zum STOP-Training von JUKO:

In den Jahren 2006 – 2010 haben 35 Täter das Training begonnen. 74,3 Prozent davon haben es erfolgreich abgeschlossen, 20 Prozent haben es abgebrochen und 5,7 Prozent befanden sich noch im laufenden Kurs.

Die Zugänge zum Training sind unterschiedlich. 59,2 Prozent der Teilnehmer sind von der Justiz zugewiesen worden, 20,4 Prozent vom Jugendamt, 14,3 Prozent waren Selbstmelder, 2,0 Prozent kamen auf Empfehlung der Polizei und 4,1 Prozent auf Vermittlung von Rechtsanwälten. Somit wird die JUKO auf dem Arbeitsfeld Täterberatung weit überwiegend auf Vermittlung der Justiz tätig. Die dahinter stehende Verpflichtung zur erfolgreichen Durchführung von Auflagen bedingt auch gleichzeitig ein besseres Durchhaltevermögen der Täter zur Absolvierung des gesamten Programms.

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