Gewaltursachen in Jobcentern dringend analysieren und bekämpfen

11. Oktober 2012 | Themenbereich: Interessenvertretungen, komba | Drucken

Nach dem tödlichen Übergriff auf eine Mitarbeiterin am 26. September im Jobcenter Neuss hat der Arbeitskreis Jobcenter der komba gewerkschaft in einer Sondersitzung gefordert, die Schutzmaßnahmen flächendeckend zu verbessern, Ausmaß und Zahlen der Übergriffe zu dokumentieren und die Ursachen der Gewaltausbrüche zu analysieren. Klar ist aber auch: Jobcenter können und dürfen keine Festungen werden.

„Leider sind Beleidigungen und tätliche Angriffe auf Kolleginnen und Kollegen keine Seltenheit. Genaue Zahlen sind bisher noch nicht erhoben worden, müssen aber nunmehr ermittelt werden, um die Dimension der Übergriffe und das Ausmaß der Folgen darzustellen. Uns allen ist klar, dass es keine absolute Sicherheit gibt. Aber so wie bisher, kann es nicht weitergehen“, so der Bundesvorsitzender der komba gewerkschaft Ulrich Silberbach.

Eckhard Schwill, Bundesjustiziar der komba gewerkschaft, erläutert die Forderungen des Arbeitskreises Jobcenter, die bundesweit unverzüglich vor Ort ergriffen werden müssen:

  •  Einbau geeigneter Alarmsysteme für Notfälle,
  • Einführung eines Notfallmanagements für die Jobcenter und Optionskommunen,
  • flächendeckende Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen unter besonderer Berücksichtigung der psychischen Belastungen der Beschäftigten,
  • Angebot von flächendeckenden Schulungen zu den Themen Deeskalation und Selbstverteidigung mit Bereitstellung der dafür notwendigen finanziellen Mitteln,
  • Betreuung von angegriffenen Mitarbeitern durch psychologische Ersthelfer oder Psychotherapeuten, um nach traumatischen Ereignissen die Dienstfähigkeit wieder herzustellen und dauerhaft zu erhalten,
  • Konsequente Verfolgung von Beleidigungen und tätlichen Angriffen von Mitarbeitern durch Kunden, in dem jeder Angriff zur Anzeige bei der Polizei gebracht wird.

  Ursachen beseitigen

Die Praktiker der komba gewerkschaft, größte Fachgewerkschaft für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst im dbb beamtenbund und tarifunion, sehen unter anderem in den langen Wartezeiten oder durch eine zeitlich beschränkte Beratung Auslöser für Aggressionen. Die zum Teil sehr hohen Fallzahlen müssten gesenkt, damit die Kundenzufriedenheit erhöht und das Konfliktpotential verringert werden kann. Ein Ansatz dafür ist, die Personalausstattung in den Jobcentern und den Optionskommunen zu verbessern, um die hohen Arbeitsbelastungen der Kolleginnen und Kollegen zu senken. Auch die perspektivische und vertragliche Lage der Beschäftigten müsse sich verändern. „Beratungen ohne Zeitdruck wäre ein sinnvoller Schlüssel für die Reduzierung von Konflikten“, so Schwill. Silberbach: „Zwar können nicht alle Probleme mit den von uns vorgestellten Maßnahmen gelöst werden, jedoch würden sie maßgeblich die Sicherheit der Kolleginnen und Kollegen vor Ort erhöhen – was oberste Priorität haben muss.“

Quelle: komba Gewerkschaft

 

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