Neue Flugdienstzeitregeln gefährden Passagiersicherheit

2. Oktober 2012 | Themenbereich: Innere Sicherheit | Drucken

Der am heutigen Tage von der europäischen Flugsicherheitsagentur EASA vorgestellte endgültige Entwurf zur Neuregelung der Flugdienstzeiten stellt aus Sicht der Vereinigung Cockpit eine vorsätzliche Gefährdung der Passagiere dar.

Die Chance, die bisher nicht auf wissenschaftlicher Forschung beruhenden Regularien entsprechend gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse zu modernisieren, wurde nicht nur verpasst, sondern bewusst wirtschaftlichen Überlegungen untergeordnet. Nicht nur wurden wesentliche Erkenntnisse der eigens von der EASA in Auftrag gegebenen Studie (Moebus-Report, 2010) ignoriert, sondern auch gegen die Empfehlung der EU (EWG 3922/91), die Sicherheit im Luftverkehr auf das höchste in einem EU-Mitgliedsland vorherrschende Niveau anzuheben, bewusst verstoßen.

Während sich alle befragten Wissenschaftler mehrfach für nicht mehr als zehn Stunden Dienstzeit in der Nacht und dies als Kompromiss zwischen Sicherheit und Wirtschaftlichkeit ausgesprochen haben, weigert sich die EASA, ihrem Auftrag, die Sicherheit im Luftverkehr zu gewährleisten, nachzukommen. Sie gesteht elf Stunden und mit Verlängerungsoption sogar bis zu 12 Stunden zu.

In Verbindung mit Bereitschaftsdiensten sollen Piloten ein Flugzeug landen können, nachdem sie bereits 22 Stunden und mehr wach sind. Dies ist, so sind sich die Wissenschaftler einig, nicht sicher. Die Reaktionsfähigkeit, Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Denkfähigkeit ist bereits nach einer durchwachten Nacht mit einem Alkoholkonsum von 0,8 Promille Blutalkohol vergleichbar.

Unbeeindruckt von wissenschaftlich belegten Fakten missbraucht die EASA ihr Mandat und folgt den Wünschen der Fluggesellschaften nach maximaler Nutzbarkeit des Personals.

„Es ist ein Skandal, was in Europa geschieht. Statt der Sicherheit der Menschen oberste Priorität einzuräumen, setzt man sie bewusst vermeidbaren Risiken aus.“, so Jörg Handwerg, Pressesprecher der Vereinigung Cockpit. „Es kann doch nicht sein, dass man den Luftverkehr auf der einen Seite mit immer weiteren Abgaben belastet, andererseits den Fluggesellschaften mit dem Argument, man könne sie nicht belasten, Einsparungen bei der Flugsicherheit zugesteht. Ein Bruchteil der Luftverkehrssteuer würde ausreichen, um in allen deutschen Flugbetrieben sichere Flugdienstzeiten zu ermöglichen und somit gefährliche Übermüdung zu verhindern. Nun ist die Bundesregierung gefordert zu zeigen, wie viel ihr die Sicherheit der Bürger wert ist.“

 

Quelle: Verinigung Cockpit

 

„Sollte der Vorschlag der EASA unkorrigiert umgesetzt werden, können wir Piloten für die Sicherheit nicht mehr garantieren. Wir werden nicht akzeptieren, dass man die Sicherheit der Passagiere und Besatzungen verkauft.“, so Ilja Schulz, Präsident der Vereinigung Cockpit.

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