Erfolgreicher Aktionstag gegen Glücksspielsucht

26. September 2012 | Themenbereich: Berlin, Innere Sicherheit | Drucken

Der Berliner Aktionstag gegen Glücksspielsucht ist auf breite Resonanz gestoßen. Die Fachstelle für Suchtprävention, pad e.V., hatte auf den Neuköllner Hermannplatz eingeladen, um an einem Berliner Brennpunkt auf die Gefahren von Glücksspielsucht aufmerksam zu machen und über Präventions- und Beratungsmöglichkeiten zu informieren. Viele interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen, darunter auch von Glücksspielsucht Betroffene. So sagte ein Hilfesuchender 35-Jähriger: „Zwischen 20 und 200 Euro verspiele ich täglich.“ Jeden Tag gehe er nach der Arbeit in eine Spielhalle, „um Langeweile und private Probleme zu vertreiben“. Ein einziger Abend mit einer Glückssträhne habe gereicht, um ihn immer wieder in die Spielhalle zu locken. Die Sogwirkung spüre man erst später. Vor wenigen Tagen habe er seine Bankkarte zerstört, denn er sei entschlossen, den Weg aus der Sucht zu finden.

Berlins Senator für Gesundheit, Mario Czaja, unterstützte den bundesweiten Aktionstag. „Die Sucht nach Glücksspiel ist ebenso gefährlich wie die nach Alkohol, Zigaretten und chemisch hergestellten oder so genannten harten Drogen. Berlin hat eine Vorreiterrolle im Kampf gegen das Glücksspiel übernommen, doch gesetzliche Maßnahmen reichen allein nicht aus. Wir alle müssen aufmerksam sein. Es gilt vor allem, Kinder und Jugendliche zu schützen und Menschen, die unsere Hilfe brauchen, nicht im Stich zu lassen“, begründet Czaja sein Engagement.

Hochgerechnet sind etwa 37.000 Berliner abhängig vom Glücksspiel: Sie zocken an Automaten in Spielhallen, gehen ins Casino oder spielen zu Hause am Computer. Neun von zehn Spielern sind männlich, besonders häufig sind es junge Männer mit Migrationshintergrund, die die Kontrolle über ihre Spielleidenschaft verlieren. Die Folgen sind zerstörte Beziehungen, Arbeitslosigkeit, Schulden. Seit Juni 2011 ist das Berliner Spielhallengesetz in Kraft. Berlin hat sich damit als eines der ersten Bundesländer für ein eigenes Gesetz entschieden, um das Angebot an Spielhallen zu begrenzen.

Darüber hinaus hat das Land Berlin unter der Federführung der Fachstelle für Suchtprävention weitere Maßnahmen zur Prävention ergriffen. Neben der kontinuierlichen Forderung zur Einhaltung des Jugendschutzes (u.a. durch Alterskontrollen) und der frühzeitigen Sensibilisierung für Risiken des Glücksspiels zum Beispiel durch die Bearbeitung des Themas im Schulunterricht, werden Risikogruppen gezielt angesprochen und auch deren Eltern einbezogen.

„Es ist Zeit, über die Glücksspielsucht zu sprechen“, sagte die Leiterin der Fachstelle, Kerstin Jüngling, auf dem Aktionstag. Noch verneinten viele Menschen ihre Sucht. Ein 14-Jähriger habe sie gerade angesprochen, der jeden Morgen beim Bäcker am Automaten Geld verspiele. Er habe durch den Aktionstag begriffen, wie gefährlich dies sei. Auch die Landesdrogenbeauftragte Christine Köhler-Azara betonte, dass es wichtig sei, an Orte wie den Hermannplatz zu gehen, um mögliche Betroffene anzusprechen. „Wir sind mit dem Ergebnis heute zufrieden, denn wir konnten an der richtigen Stelle aufklären und informieren“, sagte sie. Köhler-Azara wies auch auf den nachhaltigen Effekt der Kampagnen-T-Shirts hin. Weiß auf schwarz steht auf ihnen „Ich lasse mich nicht abzocken. faules-spiel.de“. Tatsächlich fanden die T-Shirts schnellen Absatz, genauso wie die Stoffbeutel mit einem Anti-Stress-Ball, einem Müsli-Riegel, Traubenzucker und der Roten Karte gegen Glücksspielsucht mit Informationen, einem Selbsttest und dem Kontakt zur Fachstelle.

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