Senat muss Kriminalitätswirklichkeit ernst nehmen

25. September 2012 | Themenbereich: Berlin, Deutsche Polizeigewerkschaft, Interessenvertretungen | Drucken

Nach einer 2012 vorgelegten repräsentativen Dunkelfeldstudie der Hochschule der Sächsischen Polizei sind die Kriminalitätsraten viel höher als bislang angenommen. Die DPolG Berlin hat die erforschten Werte in Anlehnung an die Studie für Berlin auf der Grundlage der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) 2011 berechnet und ist zu erschreckenden Ergebnissen gekommen.

Allein für 11 von uns ausgewählte Straftaten beträgt die Kriminalitätsbelastung der Hauptstadt mehr als 2,6 Millionen Straftaten im Jahr, also über 7200 Taten am Tag, mehr als 300 je Stunde.

Berlin scheint traurige Hauptstadt des Betruges zu sein, dort ergaben die Berechnungen 748.854 Fälle. Auch die schon gestiegenen Werte beim Fahrraddiebstahl (PKS 2011: 25.988) offenbaren nur die Spitze des Eisberges, denn nach Aufhellung des Dunkelfeldes ergeben sich 43.313 Taten (weitere Zahlen sind der beigefügten Tabelle zu entnehmen).

Bodo Pfalzgraf, Landesvorsitzender der DPolG Berlin: „Der Senat muss die Kriminalitätswirklichkeit sehr ernst nehmen! Wenn die Wahrnehmungsunterschiede zwischen den Berlinern und den Politikern in Sachen Sicherheit so auseinanderklaffen, dann drohen besonders an sozialen Brennpunkten extrem schwierige Verhältnisse, weil kaum ein Mensch mehr an das staatliche Gewaltmonopol und den Rechtsstaat glaubt. So produziert man Faustrecht!“

Als Schlussfolgerung aus den Berechnungen ergeben sich für die DPolG Berlin drei zentrale Forderungen:

1. Neben der PKS muss es jährliche repräsentative Befragungen der Berlinerinnen und Berliner zu ihrem subjektiven Sicherheitsgefühl geben.

2. Es muss breit angelegte kontinuierlich durchgeführte Dunkelfeldstudien für Berlin geben.

3. Der Personalbestand der Berliner Polizei muss dringend aufgestockt werden!

Pfalzgraf: „Die personelle Magersucht der Polizei wird von den Ganoven gut ausgenutzt. Dies ist ein Notruf für Berlin. Wir brauchen Personal!“

Der Wissenschaftsstandort Berlin kann solche Studien jederzeit leisten. Mit der HWR gibt es auch eine Hochschule, an der angehende Polizisten an solchen Studien mitwirken könnten.

Unsere Übersicht gibt eine Vorstellung, wie die Kriminalitätsbelastung aussehen würde, wenn alle Straftaten zur Anzeige kämen. In der repräsentativen Studie von Prof. Dr. Karlhans Liebl wurden 27 ausgewählte Delikte in ganz Sachsen untersucht, die über 50 % aller in der Kriminalstatistik erfassten Straftaten repräsentieren und auf wissenschaftlicher Basis mit einer Opferbefragung erforscht werden können.

Wir haben davon nur 11 Delikte ausgewählt, um deutlich zu machen, dass schon daraus ein dringender politischer Handlungsbedarf entsteht.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik offenbart immer nur einen Teil der Kriminalität und ist daher allein genommen nur bedingt aussagekräftig.

In Deutschland fehlen bislang flächendeckende und phänomenübergreifende Dunkelfeldstudien, weil Innenpolitiker natürlich wenig Interesse an hohen Kriminalitätszahlen haben. In anderen Ländern, beispielsweise in Großbritannien und den USA, gehören solche Studien mit einheitlichen Methodenstandards zur selbstverständlichen Gesamtbetrachtung und dort wird an ihnen auch der Personalansatz der Polizei festgemacht. Allerdings können bestimmte Delikte, so genannte opferlose Delikte (Rauschgiftkriminalität, Leistungsbetrug oder Verkehrsstraftaten) nur über Täterbefragungen erforscht werden und erfordern damit andere Befragungsmethoden.

Die Studie beleuchtet nur das relative Dunkelfeld ausgewählter Delikte. Zahlreiche Delikte werden nicht bemerkt, vergessen oder gar nicht als Straftat erkannt. Dieses absolute Dunkelfeld entzieht sich jedoch allen Forschungsansätzen.

 

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