Bernburger Justiz im Nationalsozialismus im Fokus

13. September 2012 | Themenbereich: Aktuelle Veranstaltungen, Sachsen-Anhalt | Drucken

Fälle aus der Region stehen im Mittelpunkt der Ausstellung „Justiz im Nationalsozialismus. Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes“, die am Montag, 17. September, im Amtsgericht Bernburg eröffnet wird und bis zum 26. Oktober zu sehen ist. Neue, speziell für den Standort Bernburg erarbeitete Tafeln ergänzen eine Ausstellung, die bisher an sieben Orten zu sehen war. Am morgigen Donnerstag werden Schülerinnen und Schüler aus Bernburger Schulen ausgebildet, Schulklassen und Gruppen durch die Ausstellung zu führen. „Ich freue mich, dass sich die Jugendlichen dieser Aufgabe stellen“, sagte Justizministerin Prof. Angela Kolb. „Wir haben mit dem Programm sehr gute Erfahrungen gemacht.“

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden auch in Bernburg vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, ausländische Zwangs- und Fremdarbeiter, sowie Personen, die nach Meinung der Nationalsozialisten „außerhalb der Volksgemeinschaft“ standen, Opfer der NS-Justiz. Eine der Tafeln ist Maximilian Schmidt aus Köthen gewidmet. Während der Rechtsstaat Menschen mit psychischen Erkrankungen von Bestrafung ausnimmt, wird Schmidt, angeklagt wegen mehrerer kleiner Betrügereien, zwar vom Sondergericht Halle zunächst als „erheblich vermindert zurechnungsfähig“ freigesprochen. Doch es sollte ein Freispruch in den Tod sein. Das Sondergericht ordnete seine Unterbringung in einer Heilanstalt an, weil es in seiner „Neigung zu Hochstapeleien“ – wie dem Tragen eines NSDAP-Abzeichens bei einigen seiner Taten – „eine ständige Gefahr für die öffentliche Sicherheit“ sah. Die Verwaltungszentrale der „Euthanasie“-Morde ließ Schmidt am 4. Juni 1941 aus der Landesheilanstalt Altscherbitz, in der er sich seit 1940 befunden hatte, „in eine andere Anstalt“ verlegen. Wenige Stunden nach Eintreffen des Transports starb Schmidt in der Gaskammer in Bernburg.

Zum Begleitprogramm der Ausstellung gehören Lesungen, Vorträge und ein Filmabend, die im Amtsgericht, Liebknechtstraße 2, und in der Gedenkstätte Bernburg stattfinden werden. So steht am Mittwoch, 26. September, 19.30 Uhr, im Amtsgericht der Fall Anna Piehler im Zentrum: „Unkraut vergeht nicht“ ist die Szenische Lesung von Peter Donath vom Theater der Altmark überschrieben. Er stellt den Fall einer Frau aus Schönebeck vor, die für einen Diebstahl, der ihr nicht nachgewiesen werden konnte, zum Tode verurteilt und von amerikanischen Soldaten 1945 aus der Todeszelle im Roten Ochsen in Halle befreit wurde. Über Maximilian Schmidt spricht der Historiker Michael Viebig am Mittwoch, 24. Oktober, 19.30 Uhr in der Gedenkstätte Bernburg, Olga-Benario-Straße 16/18.

Das Ausstellungs- und Bildungsprojekt wird getragen vom Ministerium für Justiz und Gleichstellung, der Stiftung Gedenkstätten und der Landeszentrale für politische Bildung, der Heinrich-Böll- und der Friedrich-Ebert-Stiftung. Daneben beteiligen sich regionale Partner.

Führungen durch die Ausstellung können beim Amtsgericht Bernburg unter den Rufnummern 03471/37 75 01 vereinbart werden.

 

 

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