Verkehrssicherheitsbericht 2012 für Berlin vorgelegt

21. August 2012 | Themenbereich: Berlin, Verkehr | Drucken

Das Berliner Forum für Verkehrssicherheit hat den Verkehrssicherheitsbericht 2012 vorgelegt. Auf Grundlage der polizeilichen Verkehrsunfalldaten aus den Jahren 2002 bis 2011 bietet der Bericht eine differenzierte Darstellung zur Entwicklung der Verkehrssicherheit auf Berliner Straßen seit dem Start des ersten umfassenden Verkehrssicherheitsprogramms für Berlin im Frühjahr 2005.

Stadtentwicklungssenator Michael Müller: „Verkehrssicherheit muss Priorität haben. Mit dem Verkehrssicherheitsprogramm wird dies praktisch untersetzt und neben die Ziele eines umweltfreundlichen und flüssigen Straßenverkehrs gestellt. Wir wollen mit aller Kraft die gemeinsamen Anstrengungen für mehr Verkehrssicherheit in Berlin fortsetzen und mit einem überarbeiteten Verkehrssicherheitsprogramm nochmals deutlich intensivieren. Ich bin froh, dass die in der Berliner Charta für die Verkehrssicherheit seit vielen Jahren engagierten Institutionen mit uns an einem Strang ziehen. Ohne die Mitarbeit der freien Träger wären die notwendigen Aufgaben überhaupt nicht umsetzbar. Und mit mehr Rüchsicht und Voraussicht können alle Verkehrsteilehmerinnen und Verkehsteilnehmer ihren Beitrag für einen sicheren Straßenverkehr leisten.“

Seit 2005 sind die Zahlen deutlich zurückgegangen. Entsprechen dem bundesweiten Trend hat sich die Entwicklung 2011 leider nicht fortgesetzt. Nach den 2009 und 2010 erzielten historischen Tiefständen bei den bei Verkehrsunfällen im Berliner Stadtgebiet schwerverletzten und getöteten Personen lagen die Werte 2011 wieder in vergleichbarer Größenordnung wie zehn Jahre zuvor: Rund 17.000 Menschen wurden bei Verkehrsunfällen verletzt, nahezu 2.000 davon schwer. Lediglich die Anzahl Getöteter blieb mit 54 Menschen deutlich unter den damaligen Werten. Die Ursachen dieser neuen Entwicklung müssen im Detail untersucht werden und Gegenmaßnahmen für die Zukunft erarbeitet werden.

 

Ergebnisse im Einzelnen:

Eine wichtige Aufgabe der differenzierten Unfallanalyse ist die Identifizierung der Bevölkerungsgruppen mit den größten Unfallrisiken. An diesen sollen die Maßnahmen der Verkehrssicherheitsarbeit vorrangig ausgerichtet werden.

Ein besonders hohes Risiko besteht weiterhin bei Kindern im Schulalter (6 bis 14 Jahre), die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Jugendliche weisen mittlerweile als Fußgänger ein vergleichbar hohes Risiko auf, sind jedoch auch mit dem Fahrrad und als Mitfahrer im Auto erheblich gefährdet.

Junge Erwachsene tragen als Kraftfahrer wie als Mitfahrer das höchste Risiko, bei einem Straßenverkehrsunfall zu Schaden zu kommen und dies sowohl im Auto als auch auf motorisierten Zweirädern.

Motorisierte Zweiradfahrer sind generell in besonderem Maße gefährdet und zwar weit überproportional zu ihrem Anteil am täglichen Verkehrsgeschehen.

Ältere Senioren von 75 Jahren aufwärts werden bezogen auf ihren Bevölkerungsanteil als Fußgänger besonders häufig schwer verletzt.

Unterschiede zeigen sich weiterhin beim Geschlecht. Männliche Unfallopfer dominieren in allen Altersgruppen und vor allem bei den schweren Verletzungen. Grund ist offenbar die deutlich höhere Risikobereitschaft von männlichen Jugendlichen und erwachsenen Männern. Der Anteil der Mädchen und Frauen an den Verunglückten liegt demgegenüber nur bei etwas mehr als einem Drittel, obwohl Frauen mehr als die Hälfte der Berliner Bevölkerung stellen.

 

Bei den verschiedenen Verkehrsarten dominierten 2011 – wie schon seit Jahren – charakteristische Unfallursachen. Fußgänger machen die meisten Fehler beim Überqueren von Straßen, vor allem wenn sie hinter Sichthindernissen wie beispielsweise parkenden Fahrzeugen hervortreten. Fahrradfahrer benutzen häufig falsche Fahrbahnteile, z. B. Gehwege oder auch Radwege in falscher Richtung und sind unachtsam beim Einfahren in den fließenden Verkehr an Kreuzungen, Einmündungen und Grundstückszufahrten. Auto- und Motorradfahrer halten meist zu geringen Abstand und machen Fehler an Kreuzungen, Einmündungen und Grundstückszufahrten beim Abbiegen, Einbiegen und Kreuzen. Nicht angepasste Geschwindigkeit spielt im Unfallgeschehen von Autofahrern und motorisierten Zweiradfahrern immer noch eine maßgebliche Rolle.

 

Der Verkehrssicherheitsbericht wurde auch in diesem Jahr wieder dem im Juni tagenden Verkehrssicherheitsforum vorgelegt. Mittlerweile über 30 Institutionen, überwiegend gleichzeitig Mitglieder der Berliner Charta für die Verkehrssicherheit, arbeiten in diesem Forum mit und tragen mit vielfältigen Maßnahmen und Aktivitäten zur Erhöhung der Verkehrssicherheit im Stadtgebiet bei.

Der Bericht ist ein wichtiger Baustein der Erfolgskontrolle und Nachsteuerung des Berliner Verkehrssicherheitsprogramms, das z.B. überarbeitet wird und Ende des Jahren vorliegen soll.

Wichtige Maßnahmenschwerpunkte der Verkehrssicherheit sind und bleiben auch in den nächsten Jahren:

 Verkehrsunfallkommission: Unfallhäufungsstellen werden von der Verkehrsunfallkommission regelmäßig identifiziert. Etwa 15-30 Häufungsstellen werden pro Jahr bearbeitet. Für die Maßnahmenumsetzung stehen jährlich rund 1 Mio. € an Sofortmitteln zur Verfügung.

Sicherheitsaudits: bei Straßenbaupläne wird in Berlin weiterhin regelmäßig überprüft, ob die Verkehrssicherheit bei der Planung angemessen berücksichtigt wurde.

Radverkehrsstreifenprogramm und Zebrastreifenprogramm: Die Wege und Schutzeinrichtungen für Radfahrer und Fußgänger, die schwächsten Verkehrsteilnehmer wenn es um das Verletzungsrisiko geht, werden mit erheblichem Mitteleinsatz konsequent weiter ausgebaut und systematisch vervollständigt. Der Etat zur Sicherheit von Überquerungsstellen im Fußgängerverkehr wurde im Doppelhaushalt 2012/13 gegenüber den Vorjahren nochmals um rund ein Drittel auf 1,3 Mio. € pro Jahr erhöht.

Verkehrsüberwachung: Neben der stationären Geschwindigkeitsüberwachung kommen verstärkt mobile und in Kraftfahrzeugen installierte Geräte zum Einsatz. Darüber hinaus ist Berlin die erste deutsche Stadt, die mittlerweile über 110 Dialog-Displays im gesamten Stadtgebiet einsetzt.

Kinderstadtpläne: Kinder werden in der Grundschule systematisch an das Thema Verkehrssicherheit herangeführt, betrachten ihre Wege in der Freizeit und zur Schule und dokumentieren die Ergebnisse. Bis Ende 2011 wurden in 20 Grundschulen Kinderstadtpläne erstellt, weitere Schulen haben mit den Projektarbeiten begonnen. Arbeitshilfen stehen allen Grundschulen zur Verfügung.

Aktion „Toter Winkel“: Seit 2007 ist dieses Projekt fester Bestandteil der schulischen Mobilitätserziehung, wird von verschiedenen Veranstaltern angeboten und findet mittlerweile eine erfreulich große Verbreitung.

Fahrsicherheitstraining: Jedes Jahr werden rund 1.000 junge Fahrer zwischen 18 und 25 Jahren bei Fahrsicherheitstrainings geschult. Die meisten Teilnehmenden sind junge Erwachsene aus Berufsbegleitenden Oberstufenzentren.

Verkehrssicherheitskampagne: Mit der im Mai 2012 gestarteten „Rücksicht“-Kampagne soll in den kommenden Jahren die Radverkehrssicherheit und Konfliktvermeidung im Stadtverkehr noch stärker in den Fokus gerückt werden. Ziel ist ein insgesamt deutlich entspannteres „Verkehrsklima“ auf den Berliner Straßen.

Kommunikationsplattform: Zur Verbesserung der Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung aller an der Verkehrssicherheitsarbeit in Berlin Beteiligten und Interessierten ist seit November 2010 eine überarbeitete und besser handhabbare Version der Internetplattform www.berlin-sicher-mobil.de online.

 

 

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