Gemeinsam für mehr Sicherheit im Fußballstadion

17. August 2012 | Themenbereich: Hessen | Drucken

Innenminister Boris Rhein führte heute gemeinsam mit Vertretern der hessischen Fußballvereine und des hessischen Fußballverbands vertrauensvolle Beratungen in einer partnerschaftlichen Atmosphäre.

Innenminister Boris Rhein: „Wir haben ein Ziel, gemeinsam mehr Sicherheit in und um unsere hessischen Fußballstadien zu schaffen. Wir sind uns darin einig, dass jegliche Form von Gewalt beim Fußball scharf zu verurteilen ist. Wir alle sind bereit Verantwortung zu übernehmen und entsprechend zu handeln, denn wir stehen weiter vor großen Herausforderungen.“

Die Einsatzbelastung für die hessischen Polizeibeamten ist enorm, allein in der vergangenen Saison leisteten 18.202 Polizisten insgesamt 122.765 Einsatzstunden rund um die Fußballspiele. Insbesondere die dritte Liga bildete dabei einen Schwerpunkt. Die Einsatzkosten der Polizei steigen seit der Saison 2009/2010 kontinuierlich. Inzwischen betragen die durchschnittlichen Kosten 62.186 Euro pro Spiel. Die Gesamtsumme beträgt mehr als 6,7 Millionen Euro.

In der aktuellen Saison 2012/2013 erwartet die Polizei allein in Hessen 30 Risiko- und 35 Brisanzspiele. Innenminister Boris Rhein machte deutlich, dass für ihn insbesondere die Fanprojekte einen besonderen Stellenwert haben, wenn es darum geht mehr Sicherheit zu schaffen. „In Vorbereitung auf die heutige Beratung, hatte ich schon vor Wochen intensive Gespräche, beispielsweise mit den Verantwortlichen des Frankfurter Fanprojekts oder mit den Experten der Koordinierungsstelle aller 51 Fanprojekte in Deutschland, die auch die hessischen Fanprojekte inhaltlich begleiten und betreuen. Als Ergebnis dieser Gespräche garantiert die Landesregierung die finanzielle Unterstützung für die hessischen Fanprojekte. Ich halte es in diesem Zusammenhang außerdem für zwingend erforderlich, dass insbesondere in Kassel und Wiesbaden erstmalig Fanprojekte entstehen“, erklärte Innenminister Rhein.

Eine große Herausforderung ist die heterogene Szene der einzelnen, bis zu 1.000 Personen starken Ultragruppierungen, die eine hohe Anziehungskraft für junge Menschen haben. Leider lehnen die Ultras einen Dialog derzeit komplett ab. Deshalb ist der Innenminister bereit in Hessen neue Wege zu gehen, um auch diesen Fangruppen ein Gesprächsangebot zu bieten. Beispielsweise mit der Einführung eines spieltagsorientierten Dialogs. Es gibt derzeit das Angebot an die Vereine, schon zum ersten Heimspiel der Eintracht Frankfurt in der Commerzbank-Arena ein Pilotprojekt zu starten.

Das Konzept sieht vor während des Spieltags in einer zentralen Anlaufstelle Ansprechpartner von Polizei, Verein, Fanprojekt und Fanbeauftragte für die Fragen der Fans zu bündeln. Die Polizei könnte diese Plattform nutzen, um ihre Einsatzmaßnahmen transparent darzustellen. Die Anlaufstelle sollte außerdem ein Forum bieten, um gemeinsam mit den Fans besondere Vorfälle aufzubereiten.

„Ich habe heute zudem die Empfehlung ausgesprochen, dass bei den Sicherheitsbeauftragten der Vereine künftig Choreographien und Spruchbänder klar abgestimmt werden sollten. Denn verunglimpfende, vereinsschädigende oder sogar strafrechtlich relevante Inhalte auf Spruchbändern, haben in hessischen Fußballstadien keinen Platz“, so Innenminister Boris Rhein.

In der vergangenen Saison sorgten Banner mit Aufschriften wie „Randalemeister 2011“ oder ein Hetzplakat mit der Aufschrift „Bomben auf Dynamo“, beim Spiel der Eintracht Frankfurt gegen Dynamo Dresden, für negative Aufmerksamkeit. Zudem begrüßte der Innenminister ausdrücklich das klare Bekenntnis aller Gesprächsteilnehmer zum Verbot der gefährlichen Pyrotechnik.

„In der Vergangenheit gab es von Fans nahezu aller hessischen Mannschaften – von der Bundesliga bis in die Regionalliga hinein – Verstöße gegen dieses Verbot. Ich würde mich freuen, wenn insbesondere die Spieler hier als Vorbild voran gehen und aktiv verkünden, dass sie keine Pyrotechnik in ihren Stadien wollen. Ich habe zudem angeregt, dass beispielsweise auf den Anzeigetafeln deutlich darauf hingewiesen wird, dass der Verein Störern mit Pyros die ROTE KARTE zeigt.“

Ein weiteres und bisher einzigartiges Angebot an die Vereine, sei die Einführung regelmäßiger Fallkonferenzen nach Heim- und Auswärtsspielen.

„An diesen Fallkonferenzen sollten nach meiner Vorstellung Verein, Fanprojekt, Fanbeauftragte, Sicherheitsdienst und Polizei teilnehmen. Unter Federführung des Vereins sollten die Teilnehmer einvernehmlich Sanktionen gegen bekannte Problemfans festlegen. Dies wäre ein bisher einmaliger und aus meiner Sicht vielversprechender Schritt, um mehr Sicherheit zu schaffen. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen dies als Chance begreifen und hier gemeinsam mit der Polizei an einem Strang ziehen“, so Innenminister Rhein.

Der Innenminister regte darüber hinaus an, einen bundeseinheitlichen und verbindlichen Sanktionskatalog für Stadionverbote zu entwickeln, damit den Fans künftig die Konsequenzen für ihr Handeln von vornherein klar sind.

Innenminister Boris Rhein: „Es fehlt derzeit eine bundesweit einheitliche Regelung. In dem einen Stadion gibt es für den Wurf mit einem Bierbecher drei Jahre Stadionverbot, während ein Gewalttäter in einem anderen Stadion für eine schwere Körperverletzung gerade mal ein Jahr lang auf die Spiele seiner Mannschaft verzichten muss. Das ist den Fans nur schwer zu vermitteln. Ich habe deshalb heute vorgeschlagen – gemeinsam mit dem DFB – einen Sanktionskatalog zu entwickeln, um die Verbote künftig bundeseinheitlich durchsetzen zu können.“

Zuletzt erneuerte der Innenminister seine Forderung nach zertifizierten Sicherheitsdiensten in den Stadien. „Hier geht Qualität vor Quantität. Bei Risikospielen müssen die Vereine beispielsweise erfahrene Ordner mit Personen- und Szenekenntnis an Brennpunkten einsetzen. Aushilfskräfte haben hier nichts verloren. Dies setzt eine regelmäßige Fortbildung und Qualifizierung voraus. Ich habe deshalb heute den Vereinen das Angebot gemacht, dass die zuständigen Polizeidienststellen künftig ihre zertifizierten Ordner – im Hinblick auf die Personen- und Szenekenntnis – fortbilden“, so Boris Rhein abschließend.

Künftig soll vor jedem Saisonbeginn ein solcher Dialog stattfinden. Zudem verständigten sich die Gesprächspartner darauf anlassbezogen den Gesprächskreis zu erweitern.

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