Eine Frage der Ehre

31. Juli 2012 | Themenbereich: Deutsche Polizeigewerkschaft | Drucken

Die einer eiskalten Abservierung gleichenden Ablösung des Präsidenten der Bundespolizei und seiner zwei Stellvertreter hat gestern in ganz Deutschland Unverständnis und Empörung ausgelöst. Die Vertreter aller Oppositionsparteien werfen nach Meinung der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Innenminister Friedrich zu Recht totales Versagen und Ablenkung von eigenem Unvermögen vor.

Der Vorsitzende der DPolG Bundespolizeigewerkschaft Ernst G. Walter: „Die Belegschaft der Bundespolizei ist bis in die untersten Strukturen hinein erschüttert und fassungslos über diesen menschlich verächtlichen Umgang mit ihrem bis in die Basis hinein beliebten Präsidenten und fragt sich, wie künftig mit ihnen umgegangen wird, wenn man schon ihre obersten Führungskräfte so schäbig behandelt.

Wir fragen uns: Wie passt ein solch ehrenrühriger Umgang mit loyalen und pflichtbewussten Polizeiführungskräften zu den christlich-sozialen Grundwerten der CSU und von wem hat sich der bislang so besonnene und eher kraftlos wirkende Innenminister zu dieser chaotischen Enthauptungsaktion verleiten lassen, obwohl die Bundespolizei an den Pleiten, Pech und Pannen um die NSU-Affäre als einzige Sicherheitsbehörde des Bundes nicht beteiligt war.“

DPolG Bundesvorsitzender Rainer Wendt bittet die Bundeskanzlerin um Unterstützung, diesem unwürdigen Verhalten bestimmter politischer Kreise Einhalt zu gebieten. Internen Informationen zu Folge soll weder der Innenausschuss noch der eigene parlamentarische Staatssekretär der CDU in die Pläne der CSU-Leute im Innenministerium zur radikalen Entmachtung der Bundespolizei eingeweiht gewesen sein. Darunter pikanter Weise auch ein CSU-Mann, der zu Zeiten der NSU-Pannen und Verfassungsschutzversagen selbst in verantwortlicher und Aufsicht führender Stellung als Abteilungsleiter 6 im Bundeskanzleramt saß.

Rainer Wendt mahnt die CSU Vertreter im Innenministerium: „Die Bundespolizei ist eine der wichtigsten Sicherheitsbehörden des Bundes und nicht die ‚Privat-Polizei‘ der bayerischen CSU.“ Ernst G. Walter bringt die Stimmung der Bundespolizisten auf den Punkt: „SO NICHT, Herr Minister! So etwas lassen sich auch die loyalsten Polizisten nicht widerspruchslos gefallen! Das ist eine Frage der Ehre! Mit dieser Aktion schwächen Sie die gesamte Bundespolizei, wie dies bislang noch keinem anderen deutschen Innenminister gelungen ist.“

Insbesondere kritisiert Walter den völlig inakzeptablen Entlassungsvorgang: „Während ein wegen Begünstigung in Verdacht geratener Bundespräsident und ein beim Abschreiben erwischter Verteidigungsminister einen Abschied mit vollen Ehrenbezeugungen inklusive aufwendigem und teurem Zapfenstreich bekommen, wird unser pflichtbewusster und dazu auch noch beliebter Präsident, der sich nichts hat zu Schulden kommen lassen, wie ein Hund vor die Tür gejagt.“

Nach der völlig ungerechten und für keinen einzigen Bundespolizisten nachvollziehbaren Entlassung des bei den Beschäftigten geachteten und beliebten Präsidenten Seeger fordert er den Minister eindringlich auf: „Lösen Sie sich von Ihren schlechten Beratern und stellen Sie wenigstens die Ehre unseres Präsidenten Seeger wieder her, indem Sie ihm wenigstens einen angemessenen und würdevollen Abschied während einer offiziellen Amtsübergabe an seinen Nachfolger gewähren.“

Rainer Wendt ergänzt: „Das wäre nun wirklich das absolut Mindeste, was dieser honorige Mann verdient hat. Außerdem wäre es doch wirklich schade, wenn der bislang eher umsichtige Minister aufgrund dieses Fehltritts als ‚Minister Würdelos‘ in die Geschichte eingeht.“

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.