Böcke zu Gärtnern

31. Juli 2012 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter | Drucken

„Bezeichnend und wenig Gutes verkündend“ nennt Andy Neumann, Vorsitzender des Bund Deutscher Kriminalbeamter im Bundeskriminalamt, die jüngsten Personalentscheidungen des Bundesinnenministers. Nachdem die Führungsspitze des Bundespolizeipräsidiums kurzfristig unter nebulösen Umständen entlassen wurde, kamen erneut Ministerialbeamte zum Zug, als es um die Neubesetzung der Posten ging. Diese Entscheidung reihe sich ein in die seit Jahren anhaltende Unart des BMI, freie Posten in nachgeordneten Behörden mit Ministerialbeamten zu besetzen.

Nach BND, BfV und jetzt auch der Bundespolizei sei bald das BKA an der Reihe, zumal BKA- Präsident Ziercke Ende 2012 nach einmaliger Verlängerung endgültig in den Ruhestand gehen werde. „Man muss wohl kein Prophet sein, um zu befürchten, dass sowohl Ziercke als auch Vizepräsident Maurer durch Ministeriale oder Politiker ersetzt werden“, so Neumann. „Dann beginnt die zweite ‚Ära Kersten’ im BKA, und wir können uns wieder von der Verbrechensbekämpfung verabschieden“. Neumann spielt damit auf die Amtszeit des damaligen BKA- Präsidenten Kersten an, der intern als „Totengräber der Ermittlungskompetenz“ und gehorsamer Befehlsempfänger des Innenministeriums zu traurigem Ruhm kam und im Zuge einer Umzugsdebatte 2004 seinen Hut nehmen musste.

„Wenn es nur nicht so schizophren wäre“, sagt Neumann. „Vor allem die Politik fordert doch die totale Perfektion von den Sicherheitsbehörden – aber leiten kann sie im Zweifel auch, wer keine Ahnung hat. Hauptsache, der Draht ins BMI stimmt.“

Das BKA sei eine Behörde, für die fachliches Arbeiten unabhängig von politischen Interessen ein Muss sei. Sein Leiter müsse in der Lage sein, fachliche Belange zu vertreten, auch wenn diese politisch unerwünscht seien, assistiert Neumanns Stellvertreter Stefan Packeiser.

Die Namen der potentiellen Nachfolgekandidaten des intern hoch angesehenen Ziercke stoßen jedenfalls im BKA auf wenig Gegenliebe. „Es fällt schwer, nicht zu fürchten, dass hier Böcke zu Gärtnern gemacht werden“, so Neumann.

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