Unglück in den Schweizer Bergen – Koordinierungsstelle NOAH im Einsatz

6. Juli 2012 | Themenbereich: Feuerwehr - Katastrophenschutz | Drucken

Schon wenige Stunden nach Bekannt werden des Unglücks im Wallis in der Schweiz wurde die Koordinierungsstelle Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe (NOAH) des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) tätig. Um den Angehörigen der verunglückten Bergsteiger gesicherte Informationen geben zu können, setzte sie sich ein, eine fortlaufende Informationsvernetzung zwischen diversen beteiligten Behörden und Organisationen zu erreichen. Auch die kontinuierliche telefonische Betreuung von Angehörigen gehörte zu den Kernaufgaben von NOAH während des Einsatzes.

Am Dienstag, 3. Juli gegen 13.00 Uhr ereignete sich am Lagginhorn in der Schweiz 4.010 m ü.M. ein tödlicher Bergunfall. Fünf Bergsteiger aus Deutschland kamen dabei ums Leben. Sechs Alpinisten brachen am frühen Morgen auf, um das Lagginhorn zu besteigen. Etwa 100 Meter unterhalb des Gipfels entschied sich einer der Bergsteiger wegen Unwohlseins nicht weiter zu gehen. Die anderen fünf Personen stiegen auf den Gipfel. Kurz nach dem sie den Gipfel verließen, stürzten sie aus noch ungeklärter Ursache in die Tiefe. Der zurückgebliebene Bergsteiger alarmierte unverzüglich den Walliser Rettungsdienst. Es konnte jedoch nur noch der Tod der abgestürzten Alpinisten festgestellt werden.

Nach Bekannt werden des Unglücks am Dienstag Spätnachmittag nahm die Koordinierungsstelle NOAH Kontakt zu den Lagezentren des Auswärtigen Amtes (AA) und des Bundesministeriums des Innern (BMI) auf, um alle zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Informationen auszutauschen. Sodann wurden die Lagezentren in den Bundesländern, aus denen die Verunglückten stammten, informiert und auch mit ihnen alle Informationen abgeglichen. Die Notfallseelsorge in den Regionen, in denen die Angehörigen wohnen, wurde noch am Dienstagabend von NOAH um Unterstützung der betroffenen Familien gebeten. Diese wurde sofort zugesagt.

Am nächsten Morgen setzte NOAH den Informationsaustausch zwischen AA, BMI, Lagezentren der Länder, psychosozialen Akuthelfern am Wohnort der Betroffenen, Deutscher Botschaft in Bern und Kantonspolizei Wallis kontinuierlich fort. Zu klären ist in einer solchen Situation vordringlich, wo sich die Toten befinden und welche Schritte vor Ort erfolgen, um das Unglück aufzuklären. Angehörige haben in dieser Situation ein hohes Informationsbedürfnis. Eine wesentliche Komponente qualifizierter Betreuung ist es, sorgfältig zu recherchieren und den Angehörigen seriöse Informationen und verlässliche Antworten auf ihre Fragen zu geben.

Die betroffenen Familien entschieden sich rasch, in die Schweiz zu fahren. Dieser Impuls ist sehr verständlich. Um eine Todesnachricht, die plötzlich und unerwartet in den Alltag einbricht, zu begreifen, ist es für die meisten Betroffenen sehr wichtig, den Unglücksort aufzusuchen, den Verstorbenen mit eigenen Augen zu sehen und von ihm Abschied zu nehmen. Hierbei ist eine fachkundige Begleitung zu empfehlen. Diese war für die Familien aus Deutschland durch Schweizer psychosoziale Akuthilfeteams gewährleistet.

Die Koordinierungsstelle NOAH wurde 2002 in Zusammenhang mit den Anti-Terrormaßnahmen der Bundesregierung geschaffen. Sie ist zentrale Ansprechstelle für Bundesbürger, die im Ausland durch Terroranschläge, schwere Unglücksfälle, Katastrophen oder Entführungen betroffen sind. NOAH setzt die durch das AA im Ausland eingeleitende Maßnahmen im Inland nahtlos fort und steht gleichzeitig Angehörigen der Betroffenen im Inland zur Verfügung. Über ihre 24-Stunden-Hotline unterstützt die Koordinierungsstelle die Menschen durch Informationen über wohnortnahe psychosoziale Hilfsangebote und Kontaktvermittlung oder durch Traumaberatung und Vermittlung regionaler Psychotherapeuten. Die Koordinierungsstelle hilft ebenso bei administrativen Fragen und Problemen oder organisiert Betroffenen- und Angehörigentreffen oder Gedenkveranstaltungen.

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