Das organisatorische Herzstück eines totalitären Geheimdienstes

6. Juli 2012 | Themenbereich: Innere Sicherheit, Sachsen | Drucken

Unter den NS-Organisationen dürfte der SD, der „Sicherheitsdienst Reichsführer SS“, den Zeitgenossen des „Dritten Reiches“ am wenigsten bekannt gewesen sein. Himmlers Geheimdienst umgab sich mit der Sphäre des Dunklen und Unsichtbaren. Später standen die Historiker vor dem Rätsel, wer für diese Einrichtung, die mit ihrem totalitären Kontrollanspruch versuchte, die deutsche Gesellschaft mit einem Netz von V-Leuten zu überziehen und zu infiltrieren, gearbeitet hat.

Im Hauptstaatsarchiv Dresden befindet sich seit kurzem eine singuläre Quelle: Die einzige erhaltene V-Leute-Kartei des SD überhaupt. Dieses entscheidende Dokument des SD-Leitabschnitts Dresden, nicht weniger als das organisatorische Herzstück eines Terrorapparates, diente zur Führung der 2.746 V-Leute des SD im Land Sachsen. Die SD-Kartei zeigt, wie bereitwillig sich gesellschaftliche Eliten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Verwaltung für die geheimdienstliche Arbeit anwerben ließen.

Dabei ist die Dresdner SD-Kartei selbst ein historisches Zeitdokument und Zeugnis der Verflechtung der Geheimdienste im 20. Jahrhundert. Nach dem Ende des Nationalsozialismus gelangte sie 1945 erst in die Hände des sowjetischen KGB und wurde dann vom MfS der DDR bis 1989 operativ weitergenutzt. Über den Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) und das Bundesarchiv gelangte sie 2011 ins Hauptstaatsarchiv Dresden.

Am Mittwoch, 18. Juli 2012, 17.30 Uhr präsentiert Dr. Carsten Schreiber, Historiker aus Halle/Saale, die Ergebnisse seiner Forschungen zur SD-Kartei. Der Vortrag ist öffentlich und kostenlos. Interessierte sind herzlich willkommen.

Veranstaltungsort: Vortragssaal des Hauptstaatsarchivs Dresden

Eingang: Archivstraße 14 (alter Lesesaal)

 

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