„Cybercops“- und Wirtschaftskriminalisten nehmen Arbeit im Bayerischen Landeskriminalamt auf

29. Juni 2012 | Themenbereich: Bayern, Kriminalität | Drucken

Je mehr sich der Alltag vieler Bürger ins Web verlagert, desto attraktiver wird es auch für Kriminelle. Bundesweit steigende Fallzahlen im Bereich der Computerdelikte und die fachliche Komplexität der Ermittlungsverfahren in Wirtschafts- und Korruptionsdelikten machen es den Ermittlern zunehmend schwerer, den Tätern Paroli zu bieten. Zur effektiven Bekämpfung derartig organisierter Delikte im Bereich der Computer- und Wirtschaftskriminalität sind entsprechend ausgebildete Ermittlungskräfte notwendig.

Diesem Erfordernis ist die Bayerische Polizei durch die Einstellung von externen Spezialisten zur Bekämpfung der Internet- und Computer- sowie Wirtschaftskriminalität im Jahre 2011 nachgekommen. In zwei Sonderlaufbahnen „Technischer Computer- und Internetkriminaldienst“ und „Wirtschaftskriminaldienst“ werden in Bayern studierte Informatiker und Betriebswirte in den Polizeidienst übernommen, um mit deren Fachwissen den Straftätern auf Augenhöhe begegnen zu können, im Kampf gegen Wirtschafts-, Computer- und Internetkriminalität. Wirtschaftspezialisten werden bei der bayerischen Polizei zwar schon länger beschäftigt, jetzt aber werden alle Quereinsteiger nach der neuen Laufbahnverordnung verbeamtet und können somit eigenständige Ermittlungsmaßnahmen durchführen und strafprozessuale Beschlüsse durchsetzen.

Die Zahlen aus der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) lassen aufhorchen. Waren es 2010 in Bayern noch 8510 Straftaten aus dem Deliktsfeld Computerkriminalität, so stiegen diese im Jahr 2011 bereits auf 10146, eine Steigerung von knapp 20%.

Erschreckend sind die Zahlen im Bereich der Schadenssummen: Der Schaden der im Jahr 2011 durch Cybercrime entstanden ist, hat sich in Bayern gegenüber dem Vorjahr von 11 Millionen Euro auf 29 Millionen Euro fast verdreifacht.

Sorge bereitet neben der steigenden Internetkriminalität auch die Steigerung der Wirtschaftskriminalität im Bereich der Anlagedelikte wie Beteiligungs- und Kapitalanlagebetrug, Anlagebetrug und Untreue bei Kapitaldelikten, hier sind beispielsweise Steigerungen von über 150% zu verzeichnen.

Die Wirtschaftskriminalität in Bayern insgesamt lag 2011 bei 10.655 Fällen. Der verursachte Schaden belief sich dabei auf über 540 Millionen Euro.

„Alle zwei Sekunden wird irgendwo auf der Welt eine Schadsoftware ins Netz gestellt, so der Präsident des Bayerischen Landeskriminalamtes, Peter Dathe. „Bei der Bedrohung unserer Gesellschaft stehen Straftaten im Internet inzwischen an dritter Stelle hinter Terrorismus und Organisierter Kriminalität.“

Ein Ermittlungsverfahren des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA), welches derzeit vor dem Augsburger Landgericht verhandelt wird, zeigt mit einem geschätzten Schadensvolumen von 40 Millionen Euro und einem Gewinn von 12 Millionen Euro die Dimension der Nutzung des Internets für betrügerische Aktivitäten. Die Täter eröffneten laufend neue Online-Shops, die auf Anonymisierungs-Servern betrieben und von Suchmaschinen-Optimierern interessant gemacht wurden. Zur Verschleierung der Kommunikation wurden ungeschützte WLAN-Verbindungen gesucht sowie Internet-Cafes oder mit Schadsoftware infizierte Privatrechner genutzt.

Fünf Internet- und Computerspezialisten, in der Presse auch als „Cybercops“ angekündigt, sowie vier Wirtschaftskriminalisten nehmen nach bestandener polizeilicher Ausbildung am 01.07.2012 ihre Ermittlungsarbeit im Bayerischen Landeskriminalamt auf.

 

 

 

Zwei Wirtschafts- sowie zwei Computerspezialisten verstärken zukünftig das Sachgebiet 625 – Wirtschaftskriminalität / Korruption / Umweltdelikte, zwei weitere Wirtschaftskriminalistinnen werden im Sachgebiet 626 zur Bekämpfung der Geldwäsche sowie zur Vermögensabschöpfung eingesetzt. Komplexen Verfahren im Bereich Wirtschaftskriminalität sowie den damit einhergehenden gestiegenen Anforderungen an die polizeiliche Sachbearbeitung und der besondere Bedeutung intensiver Finanzermittlungen wird durch die Einstellung der neuen Mitarbeiter Rechnung getragen.

Netzwerkfahndung nennt sich das Sachgebiet 524 im LKA, welches sich mit der anlassunabhängigen Fahndung nach Straftatbeständen im Internet beschäftigt. Drei neue Internetermittler unterstützen ab 1. Juli in diesem Sachgebiet die Online-Fahnder. Das Internet ist mittlerweile bei nahezu jedem schwerwiegenden Kriminalitätsphänomen tangiert. Die Online-Fahnder gehen im Web Hinweisen aller Art nach, um Straftaten beispielsweise im Bereich der Kinderpornografie und der politisch motivierten Kriminalität, aufzudecken oder auch zur Gefahrenabwehr wie bei Suizidankündigungen oder Amokandrohungen, und unterstützen die Ermittlungsdienststellen in diesen Deliktsfeldern.

Mit der Einstellung der neuen Spezialisten reagieren wir auf die ständig steigenden Anforderungen, die inzwischen an die Polizeiarbeit gestellt werden. Im Ermittlungsbereich setzen wir schon länger auf die Unterstützung durch Mitarbeiter mit abgeschlossenem Wirtschaftsstudium und jetzt eben neu auch auf Informatiker zur Bekämpfung der Cyberkriminalität, so LKA-Präsident Peter Dathe.

 

 

 

 

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.