Wahrnehmungsdefizite im Bundesinnenministerium

27. Juni 2012 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Der „gut gerüstete öffentliche Dienst“

In einer am 23.06.12 veröffentlichten Presseerklärung zum Tag des öffentlichen Dienstes sieht der Minister den öffentlichen Dienst für die Zukunft gerüstet.

Möglicherweise gibt es Bereiche des öffentlichen Dienstes wo die Leistungen des öffentlichen Dienstes trotz jahrelanger Sparreformen auf hohem Niveau verlässlich geblieben sind. Damit wird aber doch nicht die Polizei gemeint sein?

Da zudem die gesamte deutsche Bevölkerung altert, mag es dem Ministerium verborgen geblieben sein, dass sich in der Republik zunehmend in Ehren ergraute Polizeiangehörige bewegen. Kripoleute wird er bei spektakulären Ermittlungs-/ Fahndungs-/ und Festnahmeaktionen weit überwiegend im Fernsehen bewundert haben. Die echten Kriminalbeamten der Republik hingegen sind durch die vielen vom Minister beschriebenen Kommunikationstechniken an den Computer gebunden, ersticken vielfach in Überstunden, werden von realitätsfernen Entscheidungsträgern gegängelt und sterben langsam aus.

Auf die Bundespolizei übertragen lassen sich die vom Minister beschriebenen …“guten Arbeitsbedingungen…“ auf folgende Arbeitsplatzbeschreibung zusammenfassen:

„Sie sollten ungebunden sein, da Sie ständigen Abordnungen und Umsetzungen im gesamten Bundesgebiet unterworfen sein werden. Sie sollten über ein hohes Maß an Improvisationstalent verfügen, weil Sie in jedem Fall schlechter ausgestattet sein werden als Ihr polizeiliches Gegenüber. Schlechte Beförderungsmöglichkeiten, ungerechte Beurteilungen, Kontrollwahn, eine aberwitzige Menge von zu beachtenden Vorschriften, Konzeptionen, Erlassen und zahllose schlecht arbeitende IT-Anwendungen dürfen Sie ebenso wenig schrecken, wie eine stark zunehmende Gewaltbereitschaft bei Ihren „Kunden“. Der feste Glaube an einen ausgefüllten Arbeitstag in dem der Computer die Hauptrolle spielt und eine Aversion gegen Bewegung an der frischen Luft machen sie zu einem idealen Bewerber. Die Bereitschaft, auch abends, nachts, am Wochenende und Feiertags bei starkem „’Fall- und Aktenaufkommen“ Dinge zu bearbeiten, die überwiegend dazu geeignet sind interne Erfolgsstatistiken zu generieren und/ oder aufgabenfremden Zwecken dienen, wird erwartet und geboten. Sie sollten in der Lage sein, die Arbeit langzeiterkrankter Kollegen/innen mit zu erledigen und sich darauf freuen, den Demografieprozess der Gesellschaft live und aktiv zu begleiten.“

Ein offenes Ohr für die Probleme der so genannten „Basis“, den überfälligen Mut der verschiedenen Hierarchieebenen, auch wenig erfreuliche Entwicklungen ungeschönt weiterzugeben – und schon könnte es wieder aufwärts gehen in der Bundespolizei.

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