Drohen bald Zwangsversetzungen?

19. Juni 2012 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen, Rheinland-Pfalz | Drucken

Entgegen dem Slogan: „Wir sind eine Polizei“ wurde die Kriminalpolizei in RLP seit 1993 tatsächlich immer mehr in die Rolle eines „Stiefkindes“ innerhalb der Polizeifamilie gedrängt. Trotz zunehmender Komplexität der Strafverfahren und gestiegener Anforderungen an die Beweisführung stieg und steigt das Durchschnittsalter unserer Kolleginnen und Kollegen bei stetig zunehmender Arbeitszeitbelastung immer weiter an. Immerhin gab es noch Perspektiven. Doch was jetzt folgt, das geht mehr als an die Substanz! …

Aktuell finden im Rahmen der Organisationsoptimierung auf örtlicher Ebene mit den K-Leitern und ihren Stellvertretern die ersten Sondierungsgespräche wegen notwendig werdender Versetzungen/Umsetzungen statt. Die Rückmeldungen dazu sind erschreckend, offenbaren sie doch das ganze Dilemma, in der die Kriminalpolizei unseres Landes steckt.

Abgeschaffte Auswahlverfahren, unzureichende Aus- und Fortbildungsangebote sowie reduzierte Beförderungsmöglichkeiten für Funktionsinhaber führten, begleitet von familienunfreundlichen Arbeitszeiten, zum rasanten Attraktivitätsverlust und damit zum sinkenden Interesse an einem Wechsel zur Kriminalpolizei.

In diesen Tagen haben viele Kollegen den Eindruck, dass der Stellenwert der Kriminalpolizei auf einem historischem Tiefpunkt angelangt ist!

Die Bewerberlage zur Kriminalpolizei ist nicht mehr mit der der 80’er Jahre vergleichbar. In einigen Präsidien wird man sogar die Zwangsverpflichtung einführen müssen.

Zwang wird vermutlich auch bei den Neubesetzungen im Rahmen der so genannten Organisationsoptimierung notwendig werden. Waren K-Leiter und ihre Vertreter früher eine stabile, mit entsprechenden Kompetenzen ausgestattete Größe innerhalb der Gesamtorganisation, so sind sie heute mit weniger Geld eher mit einem Dienstgruppenleiter vergleichbar. Nicht selten haben sie die gleiche Gehaltsgruppe wie ihre Mitarbeiter. Mehr fachliche und personelle Verantwortung + mehr Belastung … im Ergebnis führt dies trotzdem nicht zu einem Mehrwert an Anerkennung und Wertschätzung! So realistisch muss die Situation der Kriminalpolizei in Rheinland-Pfalz heute beschrieben werden.

Tagtäglich geht es bei den Gesprächen um die Neubesetzung der Leitungsfunktionen bei der Kriminalpolizei scheinbar zu wie auf einem türkischem Basar. Langjährige Stellvertreter in A 11 bekommen ziemlich unverblümt mitgeteilt, dass sie in der neuen Organisation nur noch als Sachbearbeiter gebraucht werden. Obwohl sie ihre bisherige eigentlich in A 12 bewertete Arbeit zu aller Zufriedenheit ausgefüllt haben, werden sie nun ohne zeitnahe Beförderungsperspektiven „abgesägt“.

Auch im Bereich A 13 und A 12 wird es Verschiebungen geben, die im Einzelfall und letztendlicher Konsequenz mit zwangsweisen Umsetzungen einhergehen werden!

Geschuldet ist dies einzig und allein dem politischen Diktat, das in einem Schreiben des ISIM zur Umsetzung der Organisationsoptimierung wie folgt zum Ausdruck kommt: „… damit wird endlich die Organisation der Kriminalpolizei den aktuellen und zukünftigen Beförderungsmöglichkeiten angepasst“.

Um das politische Ziel zu erreichen, werden nun die langjährig erworbenen Verdienste vieler Kolleginnen und Kollegen geopfert! Herausgehobene Sachbearbeiter in A 12 werden für eine sehr lange Zeit der Vergangenheit angehören!

Wie gehen Behördenleiter und Führungskräfte des höheren Dienstes insgesamt mit diesem Thema um?

Einige haben einen regelrechten Tunnelblick in Richtung Ministerium, wollen nicht unangenehm auffallen und sprechen deshalb Probleme erst gar nicht an. Es gibt aber auch die „Anderen“, die, trotz immerwährenden Drohung mit dem „LBA 3 Karussell“, auch in Behördenleiterrunden sehr deutlich und drastisch auf die absehbaren Folgen dieser sehr fragwürdigen Personal- und Organisationspolitik hinweisen.

Über allem steht jedoch der Machtzuwachs des Ministeriums und damit einhergehenden Verantwortungsverlust der Behördenleiter. Polizeipräsidenten und Leiter der Einrichtungen werden immer öfters mehr zum Rapport als um ihre Meinungsvielfalt gebeten. Aber vielleicht war gerade dieser (Neben-)Effekt das Ziel vielfältiger Reformen.

Wir empfehlen deshalb allen Kollegen:

Sagt deutlich Eure Meinung, bindet Eure Personalvertretungen bei allen Personalentscheidungen frühzeitig ein und klagt notfalls gegen eure Um- und Herabsetzung.

Probt den Widerstand – vielleicht auch für noch härtere Zeiten!

 

 

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