10 Punkte zur Verbesserung der Sicherheit in Fußballstadien

15. Juni 2012 | Themenbereich: Security | Drucken

In den Fußballstadien von Köln, Karlsruhe oder Düsseldorf kam es in den zurückliegenden Wochen zu unerfreulichen Auseinandersetzungen und Ereignissen. Die Medien schieben häufig den eingesetzten privaten Sicherheitsdiensten einseitig die Schuld für die chaotischen und gewaltsamen Begegnungen zu. Diese Sicht, so Wolfgang Waschulewski, Präsident des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft (BDSW), sei zu kurz. Vereine und Politik seien gefordert, schon lange erkannte Missstände „beherzt und mutig“ zu verändern. Vereine sind als Veranstalter gefordert, ihre bisherigen Sicherheitskonzepte zu verbessern. Die Innenminister haben schon 2011 Handlungsbedarf erkannt. Sie sind nun gefordert, ihre Vorschläge zur Verbesserung der Qualität der eingesetzten Sicherheitsdienste schnellstmöglich umzusetzen.

Wichtige Elemente zur Verbesserung der Situation sind die Qualität des Sicherheitskonzeptes und des Sicherheitsdienstes aber auch frühzeitige sowie umfassende Kommunikation aller Sicherheitsakteure. „Für Fußballveranstaltungen gilt das ganz besonders. Die intensive Diskussion der Innenminister auf ihrer Konferenz im Dezember 2011 und die umfassenden Beschlüsse zur Verbesserung der Sicherheit in den Fußballstadien zeigen die Wichtigkeit. Es gibt im Fußball ein erhebliches Verbesserungspotenzial beim Veranstaltungsschutz. Wir haben bereits im Sommer 2010 – unmittelbar im Anschluss an die Loveparade-Katastrophe – ein Eckpunktepapier herausgegeben. Dieses ist wegweisend für die Qualität von Sicherheits-dienstleistungen bei Veranstaltungen und gilt vor allem auch für den Fußball“, so Waschulewski.

Der BDSW-Präsident betonte weiter, dass die Gewährleistung von Sicherheit und Ordnung bei Fußballspielen ohne den Einsatz privater Sicherheitsdienste nicht mehr möglich sei. „Wir schätzen, dass allein in den drei Bundesligen bis zu 10.000 private Sicherheits- und Ordnungskräften an jedem Wochenende im Einsatz sind“, so Waschulewski.

Der DFB habe zwar in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, die Qualität der eingesetzten Sicherheitskräfte zu verbessern. Dennoch sieht die IMK Handlungsbedarf. „Sie hat beschlossen, die Zugangskontrollen durch Ordnungskräfte zu verbessern. Auch hier wird ein geregeltes Zertifizierungsverfahren von privaten Sicherheitsdiensten als Voraussetzung für den Einsatz in Fußballstadien gefordert. Wir begrüßen alle Vorschläge, die zu einer weiteren Verbesserung der Sicherheitsdienstleistung in Stadien führen“, so Wachulewski weiter.

Es müssen jedoch praxisgerechte Lösungen gefunden werden, die den äußerst differenzierten Sicherheits- und Ordnungsaufgaben gerecht werden. Wichtig sei eine ganzheitliche Betrachtung aller vorgeschriebenen Maßnahmen. „Ein frühzeitiger Austausch aller Sicherheitsakteure ist zwingend erforderlich. Für Großveranstaltungen mit mehreren zehntausend Teilnehmern müssen geeignete und transparente Qualitätskriterien von den Genehmigungsbehörden festgelegt und kontrolliert werden“, fordert Wolfgang Waschulewski.

Er verwies auch auf die 10 Punkte des BDSW-Eckpunktepapiers zur nachhaltigen Verbesserung des Schutzes von Veranstaltungen insbesondere in Fußballstadien, die der Verband nach der Katastrophe auf der Loveparade in Duisburg vor zwei Jahren vorgelegt habe. Die Aktualität, so Waschulewski abschließend, sei nach wie vor gegeben.

1. Leistungsfähigkeit des Sicherheitsunternehmens Führungskräfte mit nachweislicher Erfahrung im Veranstaltungsschutz

  •   Haftung: ausreichender Versicherungsschutz
  • Angemessene Unternehmensgröße in Abhängigkeit von der jeweiligen Veranstaltung bzw. den geforderten Ordnern und Sicherheitskräften
  •  Kommunikations- und Führungsfähigkeit durch den Einsatz geeigneter sowie mindestens mit dem Führungskreis des Veranstalters abgestimmter Funk- und Fernmeldetechnik
  •  Eigene Unternehmenskontrollen durch Supervisor
  •  Vorhandensein eines (allgemeinen) Sicherheitskonzepts für Großveranstaltungen
  •  Einhaltung der Vorgaben des Veranstalters bzw. Ordnungsbehörden
  •  Frühzeitige Einbindung in die Sicherheitsplanung

2. Einhaltung der gewerberechtlichen Voraussetzungen für das eingesetzte Personal

  •   Unterrichtungsverfahren bzw.
  •  Sachkundeprüfung
  •  Zuverlässigkeitsüberprüfung
  •  qualifizierter Auszug aus dem Bundeszentralregister

3. Aufgabenspezifische Qualifizierung

4. Frühzeitige und umfassende veranstaltungsspezifische Einweisung vor einer Großveranstaltung

5. Einhaltung der tariflichen Mindestlöhne und Qualitätsstandards

6. Einsatz von Subunternehmen nur unter strikter Einhaltung der oben genannten Voraussetzungen

7. Lückenlose Dokumentation

8. Klassifikation von Großveranstaltungen

  •  Gewaltpotenzial
  •  Crowdcontrol, etc.

9. Kontrollen durch Ordnungsbehörden, Polizei, etc.

10. Staatliches Rahmenkonzept für Großveranstaltungen

  •  Vorgaben für Anzahl der Ordner/Sicherheitskräfte analog zur FIFA Fußballweltmeisterschaft 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

1 Kommentar
Hinterlasse einen Kommentar »

  1. stellt sich die frage wer als vollzeitkraft nach einer harten woche noch kraft und nerven hat, sich am wochende mit irgendwelchen fussballfans rumzuärgern.

Ihre Meinung ist uns wichtig,
kommentieren Sie diesen Artikel!

Jedoch, auf Cop2Cop gilt die Netiquette als Leitfaden für die Kommunikation. Alle Beiträge werden von Administratoren geprüft und freigeschaltet. Beiträge, die persönliche Beleidigungen, Diffamierungen, rechtswidrige Texte oder Werbung beinhalten, werden ebenso unkommentiert entfernt, wie Off-Topic-Beiträge und SPAM. Zeilen und Absätze brechen automatisch um. Die E-Mail Adresse dient internen Zwecken und wird nie angezeigt.