Jugendstrafgefangene bleiben am Ball

14. Juni 2012 | Themenbereich: Sachsen, Strafvollzug | Drucken

In der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen startete heute die Resozialisierungsinitiative „Anstoß für ein neues Leben“. Gemeinsam mit dem Team der Haftanstalt in der Nähe von Leipzig engagieren sich künftig die Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes, die Bundesagentur für Arbeit, die Handwerkskammer zu Leipzig sowie der Sächsische Fußball-Verband für jugendliche Strafgefangene. Sachsen nimmt als fünftes Bundesland an der Initiative teil.

Ziel des Justizvollzuges ist es, jungen Gefangenen und Haftentlassenen systematische Unterstützung bei der sozialen und beruflichen Wiedereingliederung gemeinsam mit Akteuren aus Sport und Arbeitsmarkt zu geben. Den Projektteilnehmern stehen künftig in den Kategorien Fußball, Arbeit/Beruf und Soziales verschiedene Aus-, Fortbildung- und Weiterbildungsangebote zur Verfügung: So wird der Sächsische Fußball-Verband in der Jugendstrafvollzugsanstalt für die Gefangenen Trainer- und Schiedsrichterausbildungen anbieten, die lokale Arbeitsagentur sich gemeinsam mit der Handwerkskammer zu Leipzig mit Bewerbertrainings, Berufsberatungen und weiteren spezifischen Arbeitsmarkt-Maßnahmen engagieren. Das Projekt wurde im vergangenen Jahr erfolgreich in Nordrhein-Westfalen erprobt. Dort, in Niedersachsen, Berlin und Rheinland-Pfalz wird die Anstoß-Idee bereits erfolgreich umgesetzt.

Justizminister Dr. Jürgen Martens: „Mit diesem Projekt eröffnet sich den Jugendstrafgefangenen eine Perspektive, die sie durch ihre Begeisterung für den Fußball zu erfolgreicher Wiedereingliederung und einer Zukunft ohne Straftaten führen kann. Ich freue mich sehr über diese Kooperation, das Projekt ist ein großer Gewinn für unseren Jugendstrafvollzug. Allen, die daran mitwirken und sich für die gesellschaftliche Integration unserer Jugendstrafgefangenen einsetzen, danke ich.“

Bei der Vollzugsgestaltung kommt dem Sport neben der schulischen und beruflichen Bildung für die Resozialisierung der Jugendlichen eine wichtige Rolle zu. Besonders im Mannschaftssport wird soziale Kompetenz aufgebaut und trainiert. Für die JSA Regis-Breitingen ist dieses Projekt ein Höhepunkt, der sich in eine Reihe bereits erfolgreich durchgeführte Projekte einfügt, wie bspw. länderübergreifende sportliche Wettbewerb verschiedener Jugendanstalten und Präventionsprojekten gemeinsam mit der Polizei.

Als Partner mit dabei ist die Bundesagentur für Arbeit (BA). “Es ist schön, dass sich die BA aufbauend auf den bisherigen Kooperationen mit dem DFB mit uns für jugendliche Straftäter engagiert. Gemeinsam wollen wir den Jugendlichen Chancen und Möglichkeiten bieten, nach der Haft direkt in die Gesellschaft zurück zu finden. Alle Bemühungen können aber nur dann erfolgreich sein, wenn die jungen Gefangenen bereit sind, ihre Chance zu nutzen und sich aktiv in das Projekt einzubringen“, betont Tobias Wrzesinski, stellvertretender Geschäftsführer der ältesten deutschen Fußballstiftung. Der Stiftung besonders wichtig ist die Integration der Projektteilnehmer in die Organisationsstrukturen des deutschen Fußballs. Die rund 26.000 Fußballvereine bieten hier viele Möglichkeiten. „Der Sächsische Fußball-Verband wird sich nach Kräften in das Projekt einbringen. Wir wollen aktiv dazu beitragen, dass es gelingt, den Jugendlichen eine zweite Chance, einen ‚Anstoß für ein neues Leben‘ zu geben“, sagt Jörg Gernhardt, 1. Vizepräsident des Sächsischen Fußball-Verbandes.

Die Teilnehmer wurden durch die JVA nach bestimmten, einheitlichen Kriterien ausgewählt. Dabei spielten zum Beispiel eine gute Sozialprognose sowie die Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt eine bedeutende Rolle. „Der sächsische Arbeitsmarkt entwickelt sich positiv. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung steigt und die Arbeitslosigkeit liegt deutlich unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig melden die sächsischen Arbeitgeber viele freie Stellen. Das ist insgesamt eine positive und erfreuliche Entwicklung in Sachsen, die für diese jungen Leute eine gute Chance bietet. Durch das Projekt werden schon frühzeitig berufliche Perspektiven erarbeitet, um den erfolgreichen Übergang in den Arbeitsmarkt zu verbessern. Fakt ist: Motivation und Teamgeist – ähnlich wie im Fußball – sind zwei wesentliche Faktoren, die auch bei der späteren Tätigkeit eine entscheiden Rolle spielen“, sagt Konstantine Duscha, Vizechefin der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Auch die Handwerkskammer zu Leipzig unterstützt die Bemühungen: „Gerade durch den Sport und speziell durch den Fußball werden soziale Kompetenzen wie Teamgeist, Fair Play, Ausdauer und Zielstrebigkeit gefördert und gefestigt. Diese Kompetenzen werden auch bei der Resozialisierung benötigt, sei es im Rahmen einer Berufsausbildung oder in der beruflichen Tätigkeit. Hier sieht die Handwerkskammer auch ihre Rolle im Projekt. Wir wollen Gespräche zur weiteren beruflichen Entwicklung mit den Teilnehmern führen und ihnen bei der Vermittlung in Ausbildung oder Arbeit Unterstützung geben“, betont Hauptabteilungsleiter Dr. Hans-Peter Schmidt.

In der Haftanstalt werden die elf Jugendlichen von Teams aus Sportbeamten, Mitarbeitern des Sozialdienstes und der Projektpartner betreut. Begleitet werden sie durch prominente Paten aus dem Fußball. Die Patenschaft über das Team in Regis-Breitingen hat die SG Dynamo Dresden übernommen. Zudem engagiert sich der frühere DDR-Nationalspieler Ralf Minge für die jugendlichen Inhaftierten.

Mit dabei im Anstoß-Projekt ist Oliver Kahn, Ex-Nationaltorwart und Botschafter der Sepp-Herberger-Stiftung. Sein Motivationsprogramm „DU PACKST ES!“ ist wichtiger Bestandteil der Initiative.

 

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