Gefährdete Kinder bekommen ihr Leben in den Griff

16. Mai 2012 | Themenbereich: Innenminister, Nordrhein Westfalen | Drucken

Nordrhein-Westfalen bekämpft die Kinder- und Jugendkriminalität erfolgreich mit der Initiative „Kurve kriegen“. Mit ihr sollen gefährdete Kinder und Jugendliche ihr Leben ohne Kriminalität in den Griff bekommen. In acht Modellregionen nehmen bislang 153 Kinder im Alter zwischen acht und 14 Jahren an diesem bundesweit einmaligen Programm der Polizei teil, 31 davon in Duisburg.

„Wir wollen verhindern, dass sie zu jugendlichen Intensivtätern werden und sich ihre Zukunft verbauen“, sagte Innenminister Ralf Jäger heute (16.5.) in Duisburg. „Wir bieten ihnen und ihren Familien pädagogische Unterstützung an, bevor die Liste ihrer Straftaten länger und länger wird. Damit verhindern wir auch, dass weitere Menschen zu Opfern von Gewalt und Kriminalität werden.“

Wie „Kurve kriegen“ Kindern und Jugendlichen die Chance für eine gewaltfreie Jugend ermöglicht, machte Jäger am Beispiel des 13-jährigen Dennis aus Duisburg deutlich: Erst fiel der Junge der Polizei innerhalb weniger Monate mehrfach wegen Diebstahls auf. Dann verprügelte er mit Freunden zusammen einen anderen Jungen. Kurz darauf wurde er ohne Führerschein auf einem gestohlenen Mofa erwischt.

Innerhalb weniger Monate häuften sich die Strafanzeigen. „So konnte es nicht weiter gehen. Die Polizei hat gehandelt, bevor Dennis zu einem Intensivtäter wird“, erläuterte Jäger.

„Wir wollen Kindern wie Dennis frühzeitig Hilfe geben, statt sie später bestrafen zu müssen. Das ist der Leitgedanke von ‚Kurve kriegen‘.“

In den Projektteams der Polizei kümmern sich pädagogische Fachkräfte wie Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, Erziehungswissenschaftler oder Psychologen um die gefährdeten Kinder. In Duisburg ist es ein erfahrener Sozialarbeiter der Diakonie. Die Polizisten vor Ort erfahren als erste, wenn Kinder straffällig werden. Sie kennen die Umstände der Tat. Wichtig sind aber auch die Lebensverhältnisse der Kinder. Denn es gibt eine Fülle von Problemen, die ursächlich für das Abgleiten in die Kriminalität sein können.

Die Polizei spricht deswegen gezielt die Eltern an und bietet Hilfe durch „Kurve kriegen“. Die Teilnahme an dem Programm ist freiwillig. Die Betreuung soll mindestens zwei Jahre dauern. In dieser Zeit ist die pädagogische Fachkraft der Ansprechpartner für die Familien, vor allem aber für die Kinder.

„Die Palette der Hilfe reicht vom Anti-Aggressionstraining über Lernhilfen und Sportangebote bis hin zu Elterntrainings“, sagte der Minister.

Auch Dennis und seine Mutter haben die Hilfe der Duisburger Polizei angenommen, weil sie die „Kurve kriegen“ wollen.

Dennis‘ Mutter wusste nicht mehr weiter: Sie ist alleinerziehend und arbeitet den ganzen Tag. Dennis ist viel alleine und schwänzt die Schule. Der suchtkranke Vater kümmert sich seit Jahren nicht mehr um die Familie. „Der Sozialarbeiter hat der Familie ein maßgeschneidertes Hilfsprogramm zusammengestellt“, erklärte Jäger.

Er vermittelte Dennis in ein Anti-Aggressionstraining und in einen Sportverein. Dort lernt er das faire Verhalten in der Gruppe und den Umgang mit Frust. Die Mutter lernt in einem Elterntraining, ihrem Sohn angemessene Grenzen zu setzen.

„Es wird uns nicht in jedem Fall gelingen, Kinder vor einem dauerhaften Abgleiten in die Kriminalität zu bewahren. Da bin ich realistisch“, erklärte der Minister. „Doch jedes Kind, das mit unserer Hilfe die Kurve kriegt, ist ein Gewinn. Ein Gewinn für seinen persönlichen Lebensweg und ein Gewinn für die Sicherheit der Menschen.“

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