Ausbildung und Arbeit lassen Rückfallquote drastisch sinken

14. Mai 2012 | Themenbereich: Brandenburg, Strafvollzug | Drucken

Mit einer Begrüßungsansprache eröffnet Justizminister Dr. Volkmar Schöneburg am Montag, 14. Mai, in Wustrau die 55. Bundesarbeitstagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Lehrerinnen und Lehrer im Justizvollzug e.V.

Schöneburg: „Der Zusammenhang zwischen Bildungsferne und Straffälligkeit ist offensichtlich. Die meisten Gefangenen haben weder einen Schulabschluss noch eine abgeschlossene Ausbildung. Nach der Haft ist es ähnlich: Wer entlassen wird und weder Ausbildung noch Arbeit hat, wird oft rückfällig. Umgekehrt gilt: Die Rückfallquote ist besonders niedrig bei denen, die aufgrund ihrer Ausbildung einen Arbeitsplatz finden. Bildung und Arbeit gehören zu den Stützen einer erfolgreichen Resozialisierung.“

Aus einer – in ihren Ergebnissen als übertragbare geltenden – Studie des kriminologischen Dienstes des Landes Nordrhein-Westfalen mit Gefangenen des Jugendvollzuges resultiert folgende Erkenntnis: Die Rückfallquote nach der Haftentlassung lag bei Teilnehmern ohne jeden Abschluss, die in Freiheit keine Arbeit fanden, am höchsten, und zwar bei 90 Prozent. Bei einer Erwerbstätigkeit sank die Rückfallquote bei diesem Personenkreis auf 64,4 Prozent.

Bei Teilnehmern mit einem Abschluss lag die Rückfallquote teilweise deutlich niedriger: Bei denen, die nach der Entlassung arbeitslos waren, lag sie bei 80 Prozent; bei denen, die Arbeit fanden, nur bei 40,4 Prozent.

Mit lediglich 32,8 Prozent am niedrigsten lag die Rückfallquote bei denen, die nach der Entlassung einer ausbildungsgemäßen Beschäftigung nachgehen konnten.

 Die Ausgangssituation stellt sich folgendermaßen dar:

Etwa 70 bis 80 Prozent aller Gefangenen verfügen weder über einen Schulabschluss noch über eine abgeschlossene Ausbildung. Im Jugendvollzug liegt die Zahl altersbedingt noch höher. Die Zahl der Analphabeten ist schlecht zu ermitteln, da sie sich in der Regel nicht offenbaren. Viele der schlecht ausgebildeten Gefangenen sind Semialphabeten, die zwar die Schule besucht haben, aber nur völlig unzureichend lesen, rechnen und schreiben können.

 Die Ausbildung im brandenburgischen Strafvollzug ist facettenreich:

Im Jugendvollzug können junge Gefangene ihre Schulpflicht erfüllen, an Berufsvorbereitungskursen teilnehmen sowie eine Berufsausbildung erwerben. Als schulpflichtige Gefangene können sie alle Schulabschlüsse bis zur Fachoberschulreife erlangen. Ältere junge Gefangene, die schon nicht mehr schulpflichtig sind, können im Zusammenhang mit der Berufsvorbereitung nachträglich einen einfachen Schulabschluss erwerben. Außerdem können sie über den zweiten Bildungsweg die Fachoberschulreife erlangen.

Erwachsene Gefangene erwerben ihren Schulabschluss ausschließlich über den zweiten Bildungsweg, der im Vollzug bis zur Fachoberschulreife führt.

Die Erfolgsquote der schulischen Ausbildung im Erwachsenenvollzug liegt bei 84 bis 90 Prozent. Im vergangenen Jahr erreichten 18 erwachsene Gefangene einen Hauptschul- und 19 einen Realschulabschluss. Außerdem erlangten 21 junge Gefangene einen Hauptschulabschluss und drei einen Förderschulabschluss. Der weitere schulische Ausbildungsweg setzt sich oft nach der Haftentlassung fort, so dass Angaben über Erfolgsquoten nicht möglich sind.

Daneben werden Berufsausbildungen angeboten, für junge Gefangene in den Gewerken Holz, Metaller, Maler/Lackierer, Bau, Elektro- sowie Garten- und Landschaftsbau. Erwachsene Gefangene können an Umschulungen in den Bereichen Bau, Schweißen, Gebäudereinigung, Koch und Gastgewerbe teilnehmen.

Für die Ausbildung im Vollzug in Brandenburg stehen elf Planstellen für Lehrer und zwei für Sportpädagogen zur Verfügung. Der Europäische Sozialfonds (ESF) stellt jährlich etwa 2,4 Millionen Euro für Bildungsmaßnahmen im Vollzug bereit. In der siebenjährigen Förderperiode 2007 bis 2013 flossen etwa 20 Millionen Euro in vollzugliche Bildungsmaßnahmen und Aktivitäten des Übergangsmanagements.

Mit zusätzlichen Mitteln aus EU-Bundesprogrammen war es möglich, neue Unterrichtsformen im Vollzug zu erproben. Junge und erwachsene Gefangene konnten mit dieser Hilfe frühzeitig an computergestütztes Lernen herangeführt werden. Für besondere Zielgruppen des Vollzuges wurden auf dieser Basis spezielle Lernmedien entwickelt, die auch bundesweit Verbreitung gefunden haben. Entwickelt wurden beispielsweise Lern-CDs zu den Themen „Kompetent im Alltag“ und „Rechtsextremismus“. An länderübergreifenden Bildungsprojekten aus ESF-Bundesprogrammen zur qualitativen Weiterentwicklung der Bildungsangebote und zur Erprobung innovativer Konzepte beteiligt sich der brandenburgische Justizvollzug seit 1998.

 

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