Bericht zur Kriminalität in Berlin 2011

24. April 2012 | Themenbereich: Berlin, Kriminalität | Drucken

Berlins Innensenator Frank Henkel hat heute die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2011 vorgestellt. Die Kriminalität ist in der deutschen Hauptstadt um 4,1 Prozent oder 19.346 Delikte gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Aufklärungsquote sank um 2,3 Prozentpunkte auf 46,1 Prozent.

Die Entwicklung der angezeigten Straftaten ist vor allem durch den starken Anstieg der Diebstahlsdelikte bedingt. Mit insgesamt 213.008 Fällen oder 22.571 mehr als im Vorjahr machen die unterschiedlichen Formen des Diebstahls im Jahr 2011 43,1 Prozent der gesamten erfassten Kriminalität und damit 11,9 Prozent mehr als im Vorjahr aus. Zu nennen sind hier vorrangig die Anstiege beim

  • Taschendiebstahl +14,7 Prozent
  • Fahrraddiebstahl +30 Prozent
  • Einbruchdiebstahl in/aus Wohnräumen +26,3 Prozent
  • Einbruch in Villen/Einfamilienhäuser +31,5 Prozent
  • Diebstahl von/aus Automaten +98,6 Prozent.
  • Ladendiebstahl +7,4 Prozent

 

Die Entwicklung der Gesamtfallzahl wird auch durch die deutliche Zunahme des Kontrolldelikts Beförderungserschleichung beeinflusst (15.167 Fälle, +3.212 Fälle, +26,9 Prozent). Eine deutliche Zunahme ist zudem bei der vorsätzlichen Brandstiftung und Herbeiführen einer Brandgefahr (+28,5 Prozent) zu verzeichnen. Hier haben nach dem Rückgang im Vorjahr insbesondere die Brandanschläge auf Fahrzeuge deutlich zugenommen. Die politisch motivierten Taten erhöhten sich von 44 Fällen mit 54 angegriffenen Fahrzeugen im Vorjahr auf nunmehr 92 Fälle mit 117 angegriffenen Fahrzeugen. Die Zahl der Brandanschläge auf Fahrzeuge ohne politisches Motiv erhöhte sich von 177 mit 196 angegriffenen Fahrzeugen im Vorjahr auf 311 Fälle mit 420 angegriffenen Fahrzeugen.

Eine Zunahme gibt es auch bei den Tötungsdelikten (einschließlich fahrlässiger Tötungen) (207 Fälle, +18 Fälle, +9,5 Prozent). Auch bei Mord und Totschlag (zusammen 127 Fälle, +5 Fälle, +4,1 Prozent) gab es einen leichten Anstieg. Der Versuchsanteil ist von 69,7 auf 72,4 Prozent gestiegen. Insgesamt kamen in Berlin im Jahr 2011 51 Menschen durch Mord oder Totschlag ums Leben.

Die Erfassung der Kriminalität im gesamten Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) beruht auf abgestimmten Fallzahlen der Berliner Polizei mit der für die Regionalbahn und die S-Bahn zuständigen Bundespolizeidirektion (BPOLD). Seitens der Berliner Polizei wurden im Jahr 2011 im Bereich des ÖPNV 25.182 oder 2.140 Straftaten mehr erfasst als 2010 (+9,3 Prozent), während der Fallzahlenanstieg bei der BPOLD mit +3,4 Prozent geringer ausfiel.

Die Spitzenposition unter den Straftaten im ÖPNV nahm wie im Vorjahr der Taschendiebstahl (+13,3 Prozent) ein, gefolgt vom Anstieg bei den Körperverletzungen (+9,0 Prozent). Die Sachbeschädigungen im ÖPNV waren hingegen wie bei den Sachbeschädigungen insgesamt rückläufig, was vor allem auf die Abnahme der Graffiti?Taten zurückzuführen ist, die üblicherweise im Bereich des ÖPNV stets einen verhältnismäßig hohen Anteil ausmachen. Ursächlich für diese Entwicklung waren gezielte Maßnahmen gegen intensiv sprayende Crews sowie veränderte Bewachungsleistungen und Abstellordnungen bei der S?Bahn.

Positiv ist der Rückgang bei den Rohheitsdelikten (Raub, Körperverletzung, Straftaten gegen die persönliche Freiheit) auf 62.736 Fälle, was die niedrigste Zahl der letzten zehn Jahre darstellt. So sind alle Deliktsformen der Körperverletzung (41.771 Fälle, ?1.472 Fälle, ?3,4 Prozent), auch die der gefährlichen und schweren Körperverletzungen auf Straßen, Wegen oder Plätzen (3.899 Fälle, ?630 Fälle, ?13,9 Prozent) rückläufig. Auch bei den Fällen des Widerstandes gegen Polizeivollzugsbeamte (-15,8 Prozent) und der Körperverletzung im Amt (-9,4 Prozent) hat es Rückgänge gegeben.

Im Rahmen des „Kriminalpolizeilichen Meldedienstes in Fällen Politisch motivierter Kriminalität“ (KPMD-PMK) wurden 3.267 Fälle gemeldet. Das ist ein Anstieg des Fallaufkommens im Vergleich zum Jahr 2010 um 826 (34 Prozent). In 582 Fällen handelt es sich um Gewaltdelikte. Von den 3.267 Fällen der Politisch motivierten Kriminalität im Jahr 2011 konnten 1086 Fälle (33 Prozent) aufgeklärt werden. Im Jahr 2010 waren es bei 2.441 registrierten Fällen 856 Fälle (35 Prozent). Bei den 582 politisch motivierten Gewaltdelikten des Jahres 2011 betrug die Aufklärungsquote 39 Prozent (226 Fälle). Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es 41 Prozent (126 Fälle) von 308 Gewaltdelikten insgesamt.

Innensenator Frank Henkel: „Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Berliner Polizei, die auch im vergangenen Jahr unter herausfordernden Bedingungen sehr engagiert gearbeitet haben. Auch wenn Berlin im europäischen Vergleich eine sichere Stadt bleibt, muss uns die Entwicklung in einigen Deliktsbereichen sehr besorgen. Diese Entwicklung ist ein Arbeitsauftrag für den neuen Senat. In einigen Bereichen haben wir bereits gegengesteuert. So beabsichtige ich, die Einbruchsprävention wieder kostenlos anzubieten. Gleichzeitig werden wir nicht nachlassen, die Arbeitsbedingungen der Berliner Polizei zu verbessern. Dazu zählt auch die Schaffung von 250 zusätzlichen Stellen für den Polizeivollzugsdienst.“

 

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