BDK: Früherer Hafturlaub für Schwerverbrecher kann Resozialisierung fördern

11. April 2012 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Die aktuelle Diskussion über frühere Hafturlaube entwickelt sich zu einer weiteren Stilblüte der Föderalismusreform. „Gerade der Strafvollzug hätte niemals in die Hoheit der Länder übergehen dürfen. Jedes Bundesland kann jetzt munter vor sich hin wurschteln und so erhalten wir nach dem Bildungs- nun einen Strafvollzugsflickenteppich“, kritisiert der BDK-Bundesvorsitzende André Schulz die unterschiedlichen Handhabungen in den Bundesländern.

Die durchschnittliche Haftzeit bei der lebenslangen Freiheitsstrafe liegt in Deutschland im Durchschnitt bei rund 20 Jahren. Hohe Haftstrafen dienen zum einen als Bestrafung und zur Abschreckung, zum anderen zum Schutz der Bevölkerung vor neuen Taten. Nur: Beim Großteil der Morde liegt eine Beziehungstat vor. Die Rückfallquote bei Tötungsdelikten beträgt nach Beendigung einer Haftstrafe ca. drei Prozent.

„Gefängnisaufenthalte führen in der Regel nicht dazu, dass Inhaftierte dort zu besseren und für die Gesellschaft wertvolleren Menschen werden. Zudem haben Studien bewiesen, dass Langzeitinhaftierte oftmals dauerhafte psychische Schäden davontragen“, beschreibt der BDK-Bundesvorsitzende André Schulz die aktuelle Situation in den Haftanstalten.

Ein in geprüften Ausnahmefällen bereits nach 5 Jahren genehmigter Hafturlaub dürfte nicht der Regelfall werden. Der früher genehmigte Hafturlaub erhöht die Fluchtgefahr des Häftlings, dies wiederum erfordert zusätzliche Bewachungsmaßnahmen.

„Sinnvoller als vorzeitiger Hafturlaub erscheint eine Haft, die nicht nur Wegschließen bedeutet, sondern intensiver auf Resozialisierung ausgerichtet ist. Hier wäre Geld gut angelegt, denn es dient zudem dem Opferschutz“, favorisiert der BDK-Chef André Schulz mehr therapeutische und sozialisierende Maßnahmen in der Haft.

Bei allen Mühen um den Täter darf man niemals die Opfer und deren Angehörige aus den Augen verlieren. Was mag ein Opfer empfinden, wenn er die Person, die ihn versucht hat umzubringen, bereits nach so einer relativ kurzen Zeit wieder beim Einkaufen in der Stadt trifft?

Hier müsste in jedem Einzelfall die Folgen für das Opfer bzw. seiner Angehörigen mit in die Einzelfallprüfung einbezogen werden.

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