Verkehrsunfallstatistik 2011: Gemischte Bilanz

10. April 2012 | Themenbereich: Mecklenburg-Vorp., Verkehr | Drucken

Die Bilanz für die Verkehrsunfallentwicklung im zurückliegenden Jahr ist im Ergebnis leider nicht gut. Erfreulich ist zwar, dass mit 55.770 Verkehrsunfällen im Jahr 2011 in Mecklenburg-Vorpommern die niedrigste Verkehrsunfallzahl seit 20 Jahren zu verzeichnen ist. Damit konnte ein langjähriger Trend fortgesetzt werden. Der Rückgang der Unfallzahlen ist in unserem Bundesland sogar mehr als doppelt so groß wie im Bundesdurchschnitt.

Völlig anders sieht es aber bei schweren Verkehrsunfällen aus, bei denen Menschen schwer verletzt oder sogar getötet wurden. Im Jahr 2011 sind mit 143 Getöteten mehr Menschen im Straßenverkehr gestorben (2010: 108 Getötete) als 2010. Auch die Zahl der schwerverletzten Personen stieg um über 200 auf 1.368 an.

„Diese Entwicklung bei den schweren Verkehrsunfällen gegenüber dem Vorjahr ist auch in der Bundesstatistik festzustellen, wo der prozentuale Anstieg der Unfälle mit Personenschaden noch deutlich größer ist als in Mecklenburg-Vorpommern. Aber das ist für uns natürlich kein Trost“, sagte Innenminister Lorenz Caffier. „Dennoch kommt man bei der Bewertung der Verkehrsunfalllage im vergangenen Jahr nicht gänzlich um einen Vergleich mit den bundesweiten Zahlen herum.“

Bei dem auffälligen Anstieg insbesondere der Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmer im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr muss berücksichtigt werden, dass es 2010 insgesamt den absolut niedrigsten Wert bei den Unfällen mit Personenschaden gab. Begünstigte im Jahr 2010 der strenge und lange Winter mit seinen schwierigen Straßenverhältnissen die Unfalllage, so haben sich die besseren Witterungsbedingungen 2011 mit relativ milden Wintermonaten, mit einem sehr warmen und trockenen Frühling sowie dem relativ schönen Herbst auf das Verkehrsunfallgeschehen leider negativ ausgewirkt, es verunglückten mehr Menschen. Es wurde mehr sowie häufig schneller gefahren und es waren mehr ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger oder Zweiradfahrer unterwegs, was zu schwereren bzw. tödlichen Verletzungen führte. Dieser Anstieg schwerer Unfälle ist ähnlich auch auf Bundesebene feststellbar.

Zu der Situation in Mecklenburg-Vorpommern in 2011 haben natürlich auch die beiden schweren Verkehrsunfälle vom 08.04.2011 auf den beiden Richtungsfahrbahnen der BAB A 19 mit insgesamt acht Getöteten, 22 Schwer- und 52 Leichtverletzten beigetragen.

Betrachtet man die Entwicklung der Verkehrsunfälle über mehrere Jahre hinweg, ist tatsächlich eine nennenswerte Reduzierung der Zahl der Unfallopfer zu verzeichnen. Im Vergleich zum Jahr 2009 hatten wir in 2011 in Mecklenburg-Vorpommern 12 % weniger Verunglückte insgesamt, 15 % weniger Verkehrstote und 20 % weniger schwerverletzte Verkehrsteilnehmer. Allein im Jahr 1991 verunglückten fast ebenso viele Verkehrsteilnehmer tödlich wie in den letzten vier Jahren zusammen. Der gleiche Trend gilt für die Anzahl der Verletzten.

Durch den Anstieg der Zahl der Verkehrsunfalltoten im letzten Jahr hat Mecklenburg-Vorpommern wieder die höchste „Zahl der Getöteten je eine Million Einwohner“ bundesweit. Diese Zahl lag im Vorjahr noch bei 65, jetzt jedoch bei 87, das liegt weit über dem Bundesdurchschnitt von 49. „Mit dieser Bilanz kann niemand zufrieden sein, ich bin es erst recht nicht“, so Minister Caffier. Wenngleich ein Vergleich der Getöteten je 1.000 Straßenkilometer der Autobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen zeigt, dass Mecklenburg-Vorpommern (hat den viertniedrigsten Wert im Ländervergleich) bei Weitem nicht die unsichersten Straßen im Bundesgebiet aufweist. Bei den Verletzten je 1.000 überörtliche Straßenkilometer wird das noch deutlicher, hier hat Mecklenburg-Vorpommern die geringste Zahl.

Wie sind die unterschiedlichen Altersgruppen im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung an Verkehrsunfällen in unserem Land beteiligt? Bei der Gegenüberstellung zeigen sich klare Unterschiede bei den Altersgruppen. So stellt die Altersgruppe der 15-24-Jährigen knapp 10 Prozent der Bevölkerung dar, sie ist jedoch mit über 18 Prozent der Verunglückten und über 18 Prozent der Getöteten überproportional repräsentiert. Auch die Altersgruppe der 25-34-Jährigen ist 2011 bei den getöteten Verkehrsteilnehmer deutlich auffällig, bei den Verunglückten insgesamt nur unwesentlich.

Die Altersgruppe der „über 65-Jährigen“ macht über 22 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Bei den im Straßenverkehr verunglückten Menschen war diese Altersgruppe im Jahr 2011 mit 18,8 % beteiligt. Bei den im Straßenverkehr getöteten Menschen allerdings war diese Altersgruppe im Jahr 2011 mit fast 26 Prozent erstmals überproportional zu ihrem Bevölkerungsanteil vertreten. Diese Entwicklungen wird die Landespolizei in den kommenden Jahren auch wegen der zu erwartenden demografischen Veränderungen sorgfältig beobachten.

Eine Altersgruppe, die in den letzten Jahren immer im Mittelpunkt der Präventionsarbeit stand, sind die jungen Fahrer (18-Jährige bis unter 25-Jährige). Die Zahl der getöteten jungen Fahrer ist zum Vergleichszeitraum 2010 um vier gesunken, damit sank der Anteil dieser Altersgruppe an den Getöteten erstmals unter die 20-Prozent-Grenze. Die Zahl der Schwerverletzten blieb genau gleich, jedoch sank ihr prozentualer Anteil an den Schwerverletzten insgesamt. Trotzdem bleibt diese Altersgruppe immer noch überproportional zu ihrem Bevölkerungsanteil von ca. acht Prozent an schweren Unfällen beteiligt. Bei den sogenannten Disco-Unfällen starben im vergangenen Jahr 11 Verkehrsteilnehmer. Das waren vier mehr als 2010. Die Zahl der Schwerverletzten bei Discounfällen dagegen sank um neun.

Innenminister Lorenz Caffier: „Nach wie vor sind junge Fahrer zu häufig an Verkehrsunfällen beteiligt. Im Zusammenhang mit dieser Zielgruppe gilt es daher weiter an den bestehenden Präventionsmaßnahmen und Initiativen in der vorbeugenden Verkehrssicherheitsarbeit festzuhalten.“ Der Minister verwies darauf, dass seit Jahren viele staatliche und nichtstaatliche Akteure hier eine gute und wichtige Arbeit leisten. Beispielhafte nannte er die Projekte wie das Fifty-Fifty-Taxi-Ticket oder „Ich bin dein Schutzengel“, die bei den jungen Menschen gut ankommen. „Wir müssen dennoch im Rahmen der Verkehrssicherheitskommission des Landes über weitere, auch neue Möglichkeiten beraten, um vor allem diese Zielgruppe noch besser zu erreichen“, appellierte der Minister.

Die Verkehrssicherheitsarbeit insgesamt ist ganz wesentlich von einem guten Verkehrslagebild abhängig. Um Unfallhäufungen zu erkennen und auszuwerten, erstellt die Polizei Unfalltypenkarten. Seit 2011 führt jede Polizeiinspektion diese Unfallkarten für ihr Zuständigkeitsbereich elektronisch. Die ersten Beratungen zu konkreten Maßnahmen bei erkannten Unfallhäufungsstellen finden derzeit unter Beteiligung der Polizei in den örtlichen Unfallkommissionen der Landkreise statt. Grundlage dieser elektronischen Auswertungen sind die „Merkblätter zur Örtlichen Unfalluntersuchung in Unfallkommissionen“ der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen. Die in diesem Jahr neugefassten Merkblätter wurden in Mecklenburg-Vorpommern als erstem Bundesland verbindlich durch eine gemeinsame Verwaltungsvorschrift des Ministeriums für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung und dem Ministerium für Inneres und Sport eingeführt.

Welche Verkehrsteilnehmer sind in unserem Bundesland am häufigsten an Unfällen beteiligt? Auch im Jahr 2011 bilden die Pkw-Insassen mit über 57 Prozent der Verunglückten den Hauptanteil, gefolgt von den Radfahrern mit immerhin schon fast 22 Prozent. Steigen die Zahlen der Verunglückten bei den Pkw-Insassen und den motorisierten Zweiradfahrern nur leicht, ist der Anstieg bei den verunglückten Radfahrer um über 18 Prozent auf 1.533 sehr augenfällig. Dieser deutliche Anstieg ist im Vergleich zum Jahr 2010 festzustellen, im Vergleich zum Jahr 2009 und den davor liegenden Jahren hat sich der Anteil verunglückter Radfahrer deutlich verringert. „Obwohl wir über einen längeren Zeitraum betrachtet diese rückläufige Tendenz haben, unterstütze ich als Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern Forderungen nach einer allgemeinen Helmpflicht für Fahrradfahrer“, so Innenminister Lorenz Caffier.

Gleichbleibend ist die Entwicklung bei den so genannten „Baumunfällen“. Bei den tödlichen Unfällen mit Baumberührung ist gegenüber dem Jahr 2010 keine Veränderung eingetreten, auch 2011 verloren 44 Menschen bei einem solchen Unfall ihr Leben. Hier gilt es insbesondere bei der Arbeit der Unfallkommissionen die auffälligen Bereiche mit Schutzplanken zu versehen.

Im Vergleich zum Jahr 2010 wurden im letzten Jahr deutlich mehr Personen bei Alkoholunfällen getötet bzw. schwer verletzt. In diesem Zusammenhang setzte sich Innenminister Lorenz Caffier erneut für die Einführung der Null-Promille-Regelung für alle Kraftfahrer ein.

Da sich im letzten Jahr mehr schwere Unfälle ereigneten als im Vorjahr war auch mit einer Steigerung bei den einzelnen Unfallursachen zu rechnen. Die Unfallursache Nr. 1 war im letzten Jahr „Vorrang/Vorfahrt“ gefolgt von „Alkohol“. Erst dann kamen „Geschwindigkeit“, „Abstand“ und „Überholen“. Der besonders starke Rückgang im Bereich der Geschwindigkeitsunfälle um mehr als ein Drittel, scheint zu belegen, dass die Überwachungsmaßnahmen von Polizei und Kommunen endlich zu einem Umdenken bei den Verkehrsteilnehmern geführt hat. Auch wenn die Ursache „Geschwindigkeit“ im letzten Jahr stark rückläufig war, bleiben die Überwachung

  •  der zulässigen Geschwindigkeiten,
  • des alkohol- und drogenbeeinflussten Fahrens, und
  • der korrekten Gurtnutzung

unverändert die Hauptfelder polizeilicher Überwachungsmaßnahmen. Insgesamt ist die Zahl der Ordnungswidrigkeiten gesunken, ebenso die Zahl der Ordnungswidrigkeiten „Geschwindigkeit“. Die Gesamtzahl der Geschwindigkeitsfeststellungen durch die Landespolizei wird auch in den kommenden Jahren weiter sinken, da sich nach dem Verkehrssicherheitskonzept der Landesregierung die Polizei mehr auf Anhaltekontrollen konzentriert.

Bei polizeilichen Anhaltekontrollen musste in über 55.000 Fällen die Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit angezeigt werden. Insgesamt wurden über 139.000 Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Geschwindigkeitsverstößen eingeleitet.

Die Landespolizei setzte auch im Jahr 2011 bei Überprüfung der korrekten Nutzung von Gurten einen Schwerpunkt ihrer Kontrolltätigkeit. Fast 12 Prozent der Ordnungswidrigkeiten wurden in diesem Bereich festgestellt.

Im letzten Jahr mussten 52.230 Fahrzeugführer zu Atemalkoholvortests gebeten werden. Anschließend zeigt die Polizei 1.164 Delikte als Verkehrs-Ordnungswidrigkeiten und 2.202 Fälle als Straftaten an. Das sind insgesamt fast 10 Prozent weniger Anzeigen als im Jahr zuvor. Hier gilt es insbesondere verstärkt tätig zu werden, da die Unfälle mit der Ursache „Alkohol“ im letzten Jahr nicht gesunken, sondern gestiegen sind.

Gestiegen ist auch die Anzahl der festgestellten Verstöße des Fahrens unter anderen berauschenden Mitteln.

Im letzten Jahr wurden 749 Ordnungswidrigkeiten- und 169 Straftatenanzeigen aufgenommen, damit stieg diese Zahl um über 15 Prozent.

Zusammenfassend ist festzustellen:

  • Der Vergleich der Jahre 2010 und 2011 zeigt zwar einen Anstieg der Zahlen bei den Getöteten- und Schwerverletzten, jedoch ist im Langzeitvergleich tendenziell ein kontinuierlicher Rückgang der Unfälle mit Personenschaden auch für 2011 festzustellen.
  •  Die Schwerpunkte der polizeilichen Überwachungstätigkeiten konzentrieren sich weiterhin auf die Hauptunfallursachen und die signifikanten Bevölkerungsgruppen. Aus dem Verkehrssicherheitskonzept ergibt sich die Verantwortung der Kommunen für die Verkehrsüberwachung.
  •  Die Polizei setzt nach wie vor auf die Anhaltekontrollen, um direkt nach dem festgestellten Verstoß auch das verkehrserzieherische Gespräch führen zu können. Dabei wird auch dem integrativen Ansatz polizeilicher Maßnahmen, hier im Hinblick auf die Kriminalitätskontrolle, Rechnung getragen.
  •  Auch die Präventionsbemühungen zur Erreichung besonders gefährdeter Zielgruppen müssen fortgeführt werden.

 

„Die Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2011 hat einmal mehr gezeigt, wie komplex das Thema ist. Als Innenminister kann ich anhand der Statistik die wesentlichen Trends aufzeigen und auf die Probleme und Herausforderungen aufmerksam machen. Prävention im Verkehrsbereich ist aber ebenso wie in der Kriminalitätsbekämpfung eine gesamtgesellschaftliche langfristige Aufgabe und kann nicht allein durch die Polizei geleistet werden“, so Minister Caffier. Viele engagieren sich in der Verkehrssicherheitsarbeit wie zum Beispiel die Landesverkehrswacht. Ich bin mir mit dem zuständigen Fachminister einig, dass wir zur Bündelung und Koordination der unterschiedlichen gesellschaftliche Akteure verstärkt die Verkehrssicherheitskommission nutzen wollen.“

 

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