Der Mordfall Lena in Emden – ein Fanal für unsere Gesellschaft

2. April 2012 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen, Niedersachsen | Drucken

Eine kritische Betrachtung. – Mit Entsetzen musste man in den vergangenen Tagen die Medien- und Internethype um den Mordfall der getöteten Lena in Emden verfolgen. Zunächst geschah das, was einen Rechtsstaat eigentlich ausmacht und was zeigt, dass hier kriminalistisch sauber und ordentlich gearbeitet worden ist. Ein zunächst als tatverdächtig eingestufter junger Mann kam nach umfassenden Ermittlungen wieder frei. Seine Unschuld steht damit fest.

Aber was geschah nebenher?

Auf einen zunächst nur Tatverdächtigen wurde die „Netz- und Medienjagd“ eröffnet. Ganz wie zu Zeiten des „Wilden Westens“ rottete sich der Mob vor der Polizei Emden zusammen und skandierte die „Übergabe des Mörders“ zwecks sich dann anschließend gemeinsam durchzuführenden „ Lynchmordes“.

Das Internet und die Webseiten der Presse- und Fernsehorgane kollabierten. Man übertraf sich gegenseitig mit „Gewaltscenarien“, die an dem „Mörderschwein“ angewendet werden sollten. Einige Presseorgane übertrafen sich bereits mit verlogenen und unwahren Geschichten über den „Mörder“ und erklärten schon am Tag nach der „Festnahme“, warum nur er und niemand anders so eine „grauenvolle Tat“ habe durchführen können.

Ein erbärmliches Trauerspiel im Jahr 2012 mit einer ebenso traurigen wie alarmierenden Botschaft. In seinem Roman „Herr der Fliegen“ beschreibt William Golding den schnellen Zerfall jedweder humanistischer Grundregeln durch den Wegfall eines Regulativs. Und hier sind augenscheinlich „Anstand“ und „Rechtsstaatlichkeit“ von einigen Zeitgenossen und Medienvertretern über Bord gekippt worden. Hier haben alle diejenigen versagt, die sich an dieser „Hetzjagd“ vorschnell und ohne nachzudenken beteiligt haben.

Jetzt die ermittelnde Kriminalpolizei als Täter auszumachen ist grotesk. Einige Juristen, einzelne Politiker und ein ausgewachsener Kriminologe suchten nun nach diesem gesellschaftlichen Desaster einen Schuldigen und fanden schnell heraus, „dass die zuständige Staatsanwaltschaft und die Kripo Emden hier “ungeheuerliches“ getan hätten. Die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei haben den Tatverdächtigen wider besseren Wissens der Öffentlichkeit vorgeführt, ihn somit zur Schau gestellt und damit der „Meute zum Fraß“ vorgeworfen.

Nein meine Herrschaften. Ungeheuerlich ist alleine Ihre verlogene Kritik an einer mit der Aufklärung einer schweren Straftat beschäftigten 40-köpfigen Mordkommission und der zuständigen Staatsanwaltschaft. Hier haben ganz andere versagt!!!!! Aber es geht ja leider so weiter. Während das zuständige Gericht heute mitteilt, ein Tatverdächtiger habe die Tat eingeräumt und sei verhaftet worden, geht der Spuk von vorne los. Namen und Bilder des mutmaßlichen Täters werden schon wieder in aller Öffentlichkeit verbreitet.

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