Expertenausbildung für weltweiten Einsatz

22. März 2012 | Themenbereich: Bevölkerungsschutz | Drucken

Bei weltweit mehreren hundert Naturkatastrophen allein im Jahr 2011 sind zirka 27.000 Menschen ums Leben gekommen und hohe gesamtwirtschaftliche Schäden entstanden. Bei den besonders gravierenden Unglücken sind insbesondere die Erdbeben in Neuseeland und in Japan zu nennen, aber auch das Hochwasser in Thailand und eine Vielzahl an Tornados in Nordamerika. Bei der Hilfe zur Bewältigung großer Naturkatastrophen spielt die Entsendung von Experten, die eine Lageeinschätzung vornehmen und Empfehlungen aussprechen, eine wichtige Rolle. In die Ausbildung dieser Experten ist das BBK mit seiner Akademie in Ahrweiler eingebunden.

Die Ausbildung von Experten, die für Zivil- und Katastrophenschutzeinsätze der Europäischen Union (EU) inner- und außerhalb der EU-Mitgliedsstaaten vorgesehen sind, gestaltet sich als ein 3-stufiges Trainingsprogramm. Im Rahmen des Europäischen Gemeinschaftsverfahrens findet vom 18. bis 23. März 2012 unter Federführung der zum BBK gehörenden Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) der so genannte „High Level Coordination Course (HLC)“ statt. Dieses Seminar ist die höchste Ausbildungsstufe in dem EU-Trainingsprogramm.

Für die Durchführung des Seminars ist das BBK eine internationale Ausbildungskooperation eingegangen. Die bereits langjährige Zusammenarbeit mit der „Polnischen Nationalen Akademie der Feuerwehr“ (SGSP) aus Warschau wird seit dem letzten Ausbildungszyklus (Juli 2011) durch die zum Innenministerium Österreichs gehörende Sicherheitsakademie als neuem Partner verstärkt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden im Rahmen des Seminars gezielt auf die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene mit den wichtigsten Akteuren, z.B. der Regierung des durch die Katastrophe betroffenen Landes, den Vereinten Nationen, dem Roten Kreuz und anderen humanitären Hilfsorganisationen, Militär und Polizei, usw. vorbereitet.

Da sich der HLC-Kurs an Team-Leiter in internationalen Katastrophenschutzeinsätzen richtet, liegt der Unterrichtsschwerpunkt auf politischen und strategischen Themen. Die Schwerpunkte der Ausbildung liegen insbesondere im Bereich der Medienarbeit, der Verhandlungs- und Einsatzführung, Möglichkeiten internationaler Zusammenarbeit sowie dem Verhalten auf diplomatischem Gebiet.

An den theoretischen Teil schließt sich eine intensive praktische Übung über zwei Tage an. Die Teilnehmer werden in Gruppen, so genannte Coordination-Teams eingeteilt. Diese Teams werden dann fiktiv im Auftrag der Europäischen Kommission in das durch Hochwasser betroffene Übungsland entsandt. Während der Übung werden die Teilnehmer durch viele realitätsnahe Einlagen und Rollenspiele intensiv gefordert und zu ergebnisorientiertem, der Lage angemessenem Handeln, angeleitet. Darüber hinaus werden in zahlreichen Rollenspielen die Koordination und Verhandlungsführung auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlichen Akteuren nachgestellt und geübt.

Trainer und Rollenspieler kommen aus verschiedenen Mitgliedstaaten der EU. Sie verfügen alle über umfangreiche Erfahrung aus verschiedenen Katastropheneinsätzen, an welchen sie vor Ort als Führungskräfte im Auftrag der Europäischen Union, der Vereinten Nationen, des International Committee of the Red Cross oder der International Federation of the Red Cross eingesetzt waren (z.B. Tsunami in Indonesien, Erdbeben in Haiti, Flut in Pakistan, Erdbeben in Japan etc.). Somit ist sichergestellt, dass das Übungsszenario basierend auf persönlichen Erfahrungen der Trainer und Rollenspieler so realitätsnah wie möglich dargestellt wird.

Insgesamt werden 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und ca. 30 Trainer bzw. Rollenspieler aus mehr als 22 verschiedenen europäischen Staaten beteiligt sein. Der Vertreter der Europäischen Kommission, Eric van der Horst, wird die gesamte Zeit als Beobachter am Seminar teilnehmen.

Angesichts einer neuen Gefahrenlage durch sich qualitativ und quantitativ verändernde naturbedingte und technologische Katastrophen haben sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union 2002 für ein neues, koordiniertes Vorgehen im Katastrophenschutz entschieden. Es heißt „European Union Civil Protection (EUCP)“ und ist ein Verfahren zur Förderung einer verstärkten Zusammenarbeit bei Katastrophenschutzeinsätzen innerhalb und außerhalb Europas. Der bisher im Wesentlichen bilateral geregelte grenzüberschreitende Zivil- und Katastrophenschutz wird damit durch einen europäischen Mechanismus ergänzt, der Ressourcen zentral abfragt und dem betroffenen Mitgliedsstaat zur Verfügung stellt. Ziel ist es, den betroffenen Staaten schnell und unbürokratisch umfangreiche Hilfe im Falle einer Naturkatastrophe oder eines schweren Unglücks zukommen zu lassen.

Mit der Etablierung des EUCP verfügt die EU über ein Instrument, die Zusammenarbeit und Koordination von Kräften und Ressourcen bei weltweiten Einsätzen im Zivil- und Katastrophenschutz zu erleichtern und zu verbessern. Das dazu gehörende Trainingsprogramm ist wichtiger Bestandteil der europäischen Anstrengungen, den Schutz von Menschen und Umwelt sowohl vor technischen als auch vor Naturkatastrophen zu verbessern.

Das BBK führt bereits seit 2005 im Auftrag der Europäischen Kommission ununterbrochen die High Level Coordination Course (HLC) durch. Mit Beginn des 10. Ausbildungszyklus (ab Sommer 2012) hat das BBK zusätzlich den Auftrag erhalten, neben den HLC Seminaren auch die neu entwickelten Head of Team (HOT) Kurse durchzuführen, die dann die höchste Ausbildungsstufe des EU-Trainingszyklus im Rahmen des Europäischen Gemeinschaftsverfahrens sein wird.

Zu dem aktuell an der AKNZ stattfindenden Seminar sind Teilnehmer aus 15 europäischen Mitgliedstaaten eingeladen. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren bereits oder werden demnächst in der Funktion an Einsätzen im Rahmen des EUCP als Coordinator, Assessmentexperte oder als Leiter oder stellvertretender Leiter eines EUCP-Teams in einem Einsatz eingeplant.

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