Schleswig-Holstein, ein Freiraum für Wirtschaftskriminelle?

21. März 2012 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen, Schleswig-Holstein | Drucken

Die kürzlich veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2011 hat wieder einmal eine ernüchternde Bilanz der Wirtschaftskriminalität (WiKri) in SH offenbart: Mehr als 214 Mio. Euro Schadenssumme, d.h. über 62 % des insgesamt durch Straftaten verursachten Schadens ist im letzten Jahr durch Wirtschaftskriminalität verursacht worden.

Zwar sank die Zahl der WiKri-Delikte um 8,1 % auf 2.484 Fälle, doch hat sich die Schadenssumme seit 2008 mehr als verdreifacht. Nur ein winziger Bruchteil der Schadenssumme (ca. 1 Mio. Euro) konnte durch Vermögensabschöpfung tatsächlich sichergestellt werden.

Insolvenzdelikte, gewerbs- und bandenmäßiger Betrug sowie Korruptionsdelikte verursachen immer größere Schäden am Volksvermögen.

Die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität ist zeit- und personalintensiv. Aber Personal ist Mangelware bei der Kriminalpolizei. Wirtschafts-Strafverfahren sind in der Regel komplex und erfordern entsprechend hochqualifiziertes Fachpersonal. Und dies steht nur im begrenzten Umfang zur Verfügung. Denn die Ausbildung zum Wirtschaftskriminalisten erfordert mindestens zwei Jahre zusätzliche Ausbildung, auch bei einschlägiger Vorausbildung. Und auch erst nach einigen Jahren des „Laufenlernens“ ist man voll in diesem speziellen Bereich einsetzbar.

Nun, wie kann das Problem des durch Wirtschaftskriminalität verursachten steigenden volkswirtschaftlichen Schadens gelöst werden? Die Forderungen nach Aufstockung des Personalkörpers bei der Kriminalpolizei verhallen seit Jahren, es wird immer wieder improvisiert, neu organisiert und Mangelverwaltung betrieben. Und es wird immer wieder begründet, dass mehr Personal nicht zwangsläufig zu besseren Aufklärungsquoten bzw. einem Rückgang von Fallzahlen führen muss.

Hier muss endlich ein Umdenken erfolgen. Wir brauchen mehr Spezialisten für spezielle Deliktsbereiche wie Cybercrime, OK-, WiKri- und Kapitaldelikte. Und für diese Spezialisten brauchen wir Spezialisten-Laufbahnen bei der Polizei, auch um das „Stellenhopping“ (Wegbewerben für Beförderungen) einzuschränken.

Die freie Wirtschaft hat diese Problematik bereits seit längerem erkannt. Dort werden auch den Spezialisten ähnliche Karriere- und Beförderungsmöglichkeiten wie Führungskräften geboten. Solche Spezialisten-Laufbahnen würden entsprechend lange Stehzeiten für die professionelle Kriminalitätsbekämpfung ermöglichen. Hochqualifizierte Fachkräfte stehen in der freien Wirtschaft u.a. als Hochschulabsolventen oder bereits bestens ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung. Eben solche Spezialisten muss die Polizei für sich gewinnen. Das kann sie nur, wenn den beworbenen Experten etwas geboten wird. Praktiziert werden solche Verfahren z.B. in Bayern und Baden-Württemberg für IT- oder Wirtschaftskriminalisten.

Mehr kluge Investitionen in die kostbare Ressource Mitarbeiter erfordern ein kreatives Umdenken in der Personalbewirtschaftung der Landespolizei. Durch Schaffung von Spezialisten-Laufbahnen bei der Kripo kann die Wirtschaftskriminalität langfristig wesentlich wirkungsvoller bekämpft und vor allem in der Schadenssumme erheblich eingedämmt werden.

Die nüchternen Zahlen zeigen ein reales Bild der Wirtschaftskriminalität. Wenn die Strafverfolgungsorgane auf die negative Tendenz nicht mit entsprechenden Strategien und Methoden nachhaltig reagieren, werden sich die Trends in Schleswig-Holstein nicht ändern.

 

Quelle: BDK

 

 

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