Engere Kooperation im Bereich der Polizei

20. März 2012 | Themenbereich: Polizei | Drucken

Der Hessische Innenminister Boris Rhein unterzeichnete heute im Schloss Biebrich gemeinsam mit den Innenministern der Länder Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz, Baden-Württemberg, Reinhold Gall, und dem Saarland, Stephan Toscani, einer Vereinbarung zur länderübergreifenden Zusammenarbeit der Polizeien. Dies ist die erste derartige umfassende länderübergreifende Zusammenarbeit. Mit dieser Kooperationsvereinbarung stellen alle vier Bundesländer eine höhere Verfügbarkeit ihrer Polizistinnen und Polizisten sicher, legen einheitliche Standards fest und steigern zugleich die Qualität sowie die Kompetenz auf dem Gebiet der Kriminalitätsbekämpfung.

„Diese bisher einmalige Kooperationsvereinbarung ist eine große Chance für alle beteiligten Bundesländer, wir alle können davon nur profitieren. Zudem spart Hessen mit dieser Maßnahme Steuergelder in erheblichem Umfang, ohne an Sicherheit einzubüßen. Hessen kann beispielsweise die Präsenz der Beamtinnen und Beamten durch die Kooperation mit Rheinland-Pfalz im Bereich der Wasserschutzpolizei sogar erhöhen, weil wir die bisherige Personalstärke bei der Wasserschutzpolizei in Hessen beibehalten“, so Innenmister Boris Rhein.

Auch der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz versteht die Kooperationsvereinbarung als ein Plus für die Sicherheit seines Bundeslandes: „Die zurückliegenden Exekutivmaßnahmen gegen die rechtsextremistische Szene in Rheinland Pfalz und in den benachbarten Bundesländern, aber auch die Havarie des Tankmotorschiffes Waldhof an der Loreley haben gezeigt, wie bedeutsam eine intensive und abgestimmte Zusammenarbeit für den Erfolg polizeilicher Einsatzmaßnahmen ist. Heute wird durch die Unterzeichnung des länderübergreifenden Kooperationsvertrages der Startschuss für eine weitere Intensivierung unserer Zusammenarbeit gegeben, wobei für mich die gemeinsame Betreuung des Rheins ein zentrales Vorhaben darstellt.“

 

Innenminister Reinhold Gall aus Baden-Württemberg legt seinen Fokus neben der gemeinsamen „Rheinpolizei“ auch auf die gemeinsame Aus- und Fortbildung in den Bundesländern. „Neue Kriminalitätsphänomene und technische Entwicklungen sowie die wirtschaftliche Gesamtsituation der Polizei stellen die Sicherheitskräfte vor immer neue Herausforderungen – auch was die erforderliche Qualifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angeht. Die Kriminalitätsphänomene, für deren Bewältigung wir unsere Beamtinnen und Beamten qualifizieren müssen, sind in unseren Bundesländern weitestgehend gleich. Damit unsere Kolleginnen und Kollegen auch in Zukunft fachlich fundiert und kompetent arbeiten können, wollen wir die vorhandenen Ressourcen bündeln und beispielsweise gemeinsam E-Learning Produkte entwickeln und nutzen. Auch hier kann sich Baden Württemberg mit einem großen Erfahrungsschatz einbringen.“

Innenminister Stephan Toscani aus dem Saarland betont: „Gemeinsam wollen wir die Zusammenarbeit zwischen den Länderpolizeien verbessern. Wo es sinnvoll ist, z.B. bei der Wasserschutzpolizei, dem Digitalfunk oder der Aus- und Fortbildung von Spezialisten, wollen wir noch stärker zusammenarbeiten. Die Qualität der Arbeit gemeinsam zu verbessern ist das Eine. Auf der anderen Seite können wir so Leistungen gemeinsam günstiger erbringen. Deshalb freut es mich, diese Vereinbarung zwischen vier Bundesländern für das Saarland heute zu unterschreiben.“

Bei der Vereinbarung handelt es sich um eine Absichtserklärung mit Prüfaufträgen. So soll beispielsweise geprüft werden, in welcher Form das Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg in folgenden Bereichen noch enger kooperieren können:

 Wasserschutzpolizei

Die Zusammenarbeit der Wasserschutzpolizeien soll aufgrund der überwiegend parallelen Zuständigkeit auf dem Rhein deutlich intensiviert werden (BW, HE, RP).

Folgende Maßnahmen sind angestrebt:

  •  Gemeinsame Aufgabenwahrnehmung bei der wasserschutzpolizeilichen Betreuung des Rheins durch Zusammenlegung benachbarter Dienststellen,
  • gemeinsame Aus- und Fortbildung,
  • gemeinsames Werkstattkonzept.

Darüber hinaus prüfen Rheinland-Pfalz und das Saarland weitere Kooperationsmöglichkeiten im Bereich ihrer Wasserschutzpolizeien auf Saar und Mosel.

Polizeiflugdienste

Ein weiteres Kernelement der Länderkooperation bezieht sich auf die Polizeiflugdienste. Durch weitreichende Kooperation der Polizeiflugdienste soll die Einsatzverfügbarkeit der Polizeiluftfahrzeuge erhöht werden und ein bedarfsgerechter und wirtschaftlicher Einsatz der Luftfahrzeuge erfolgen.

Hierzu sind folgende Maßnahmen beabsichtigt:

  •  Vereinheitlichung der Technik,
  • Einrichtung einer gemeinsamen Flugeinsatzzentrale (RP und HE),
  • gemeinsame Aus- und Fortbildung,
  • gemeinsame Nutzung von Technik und Zubehör,
  • gemeinsame Nutzung der Liegenschaften (RP und HE),
  • gemeinsame Nutzung des von Hessen beschafften Flächenflugzeugs (RP und HE).

 Aus- und Fortbildung

Um neue Kriminalitätsphänomene, technische Entwicklungen sowie die wirtschaftliche Gesamtsituation kompetent bewältigen zu können, bedarf es einer intensivierten Kooperation der polizeilichen Bildungseinrichtungen. Damit kann dem Aus- und Fortbildungsbedarf mit vorhandenen Ressourcen ökonomisch begegnet werden.

Aufbauend auf den Kooperationsstrukturen und -erfahrungen (z.B. der Kriminalpolizeilichen Spezialfortbildung) soll das Aus- und Fortbildungsangebot schrittweise abgestimmt und ausgebaut werden.

Hierzu sind folgende Maßnahmen beabsichtigt:

  •  Bedarfsdeckendes Angebot spezifischer Fortbildungsthemen durch ein Bundesland,
  • bedarfsgerechtes und wirtschaftliches Angebot von Fortbildungsplätzen in weiteren Themenfeldern,
  • gemeinsame Entwicklung bzw. Nutzung von E-Learning Produkten,
  • Schaffung von Plattformen für den gemeinsamen fachlichen Austausch und deren Ausbau zur Unterstützung eines gemeinsamen Aus- und Fortbildungsmanagements.

Beschaffungen

Die Länder informieren sich frühzeitig über anstehende technische Projekte bzw. Beschaffungsmaßnahmen. Durch enge Abstimmung und Vernetzung (Einkaufskooperationen) wird eine Senkung der Investitionskosten angestrebt. Zusätzlich kann der Notwendigkeit der ständigen Aktualisierung der Technik und Ausrüstung der Polizei auch bei veränderten Haushaltsbedingungen besser Rechnung getragen werden.

Informationstechnik

Fortsetzung der Kooperation zwischen den Ländern Hessen und Baden-Württemberg zur Entwicklung und Pflege von polizeifachlichen IuK-Systemen (HE und BW).

Neben dieser bestehenden Kooperation prüfen die Kooperationspartner weitere Themenfelder im IT-Bereich auf verstärkte Zusammenarbeitsmöglichkeiten.

Digitalfunk

Redundanzen sollen durch Prüfung von Möglichkeiten gemeinsamer Aufgabenerledigung und gemeinsamer Beschaffung vermieden werden.

Hierzu werden folgende Maßnahmen angestrebt:

  •  Gemeinsame Nutzung/Unterstützung von Messfahrzeugen und Peilfahrzeugen sowie mobiler Basisstationen,
  • gemeinsames Facility- und Störungsmanagement (RP, HE, SL),
  • Detailprüfung für weitere Kooperationsfelder.

 Landespolizeiorchester

Die Verfügbarkeit der Polizeiorchester soll unter den Gesichtspunkten der Effizienz neu geregelt werden. Die Polizeiorchester unterstützen sich gegenseitig.

Vor diesem Hintergrund werden folgende Maßnahmen angestrebt:

  • Einrichtung eines gemeinsamen Veranstaltungsmanagements (RP und HE),
  • gemeinsame Nutzung der Probenräume in Rheinland-Pfalz (RP und HE).

 

Quelle: Innenministerien der Länder Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland

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