„Das Ergebnis ist im Saldo insgesamt positiv!“

15. März 2012 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen, Schleswig-Holstein | Drucken

Mit dieser Aussage kommentierte der MdI des Landes, Herr Schlie, die Kriminalstatistik für das Jahr 2011 am gestrigen Tage. „Recht so, Herr Minister!“ ist der Kommentar zum Kommentar durch den Bund deutscher Kriminalbeamter! Allein, der Hintergrund ist ein etwas anderer, oder sollte mit der Äußerung des Ministers nicht die Leistung der Polizei des Landes gemeint sein?

„Das Ergebnis ist im Saldo insgesamt positiv!“

Die für das Jahr 2011 dargestellten Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik stellen nicht, wie der Öffentlichkeit gern präsentiert, die Entwicklungen der Anzahl der Straftaten in unserem Lande dar, sondern in vielen Bereichen eher die Anzahl der Strafverfahren, die durch die Polizei des Landes bearbeitet wurden.

Um die dargestellten Zahlen zu interpretieren muss auch Zählweise beleuchtet werden.

Dieser zu Folge werden zum Beispiel in vielen Verfahren, hier hauptsächlich die größeren Verfahren mit einer Vielzahl von Einzeltaten zum Nachteil von 1 Geschädigten, diese als 1 Tat erfasst. Durch diese Art der Erfassung wird die Straftatenstatistik zu einer Strafverfahrensstatistik.

Diverse Einbruchstaten in ein Objekt im Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren, auch in einem Zeitraum von mehreren Jahren, werden in dieser Statistik als 1 Tat erfasst.

Die Richtlinien geben bundeseinheitlich vor, dass Cybercrimetaten, die Bezüge zum Ausland haben, in der KPS nicht erfasst werden. In der heutigen Zeit des globalen Wirtschaftens ein schwer nachvollziehbarer Umstand, da so nur jene Taten erfasst werden, deren Serverstandort und somit Tatort nachweislich in Deutschland liegt. Um dieses wiederum beweiskräftig ermitteln zu können, wäre eine Vorratsdatenspeicherung unumgänglich, da nur eine retrograde Feststellung der Daten zielführend ist.

Durch das publizierte Sinken der Straftatenzahlen wird mutmaßlich das „Sicherheitsgefühl der Bevölkerung“ gestärkt! Doch die alltäglichen Erfahrungen und Wahrnehmungen lassen, auch fußend auf eine immer umfangreichere und schnellere Information durch die neuen Medien, bei eben dieser Bevölkerung dieser These gegenüber Skepsis aufkommen.

Natürlich liegt das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung dem BdK am Herzen!

Doch sieht der BdK auch, dass diese z. T. zwar richtlinienkonform erfassten, jedoch öffentlichkeitswirksam herunter gerechneten Werte dazu führen können, das mittelfristig die Stimmung ins Gegenteil umschlagen könnte, wenn nämlich nicht nur die tatsächliche Entwicklung offenbar würde, sondern hierdurch auch das Vertrauen in die Verantwortlichen des Landes zusätzlich und in Gänze verloren ginge.

Weiterhin sehen wir die Gefahr, dass im Rahmen der Personaldiskussion diese fragwürdigen Werte als Argument für eine Personalreduzierung auf Grund der Kosteneinsparungen im Landeshaushalt dienen können.

Festzustellen ist, dass der Aufgabenbereich für die Polizei des Landes stetig erweitert wurde um Schutz von Großveranstaltungen wie Sportmeetings und Volksfesten, Bekämpfung der Rockerkriminalität, Rechts-Links-Demos und vieles mehr, die eine gefährlich steigende gesellschaftliche Tendenz zur Gewalttätigkeit aufweisen.

Die Anforderungen an die Ermittlungsarbeit steigen in diversen etablierten Bereichen wie Wirtschaftskriminalität, Kinderpornografie, OK pp, als auch in neuen Erscheinungsformen der Kriminalität der Cybercrime pp.

Eine erhebliche personelle Unterdeckung des Polizeibereiches ist seitens der Politiker- und anerkannt, allein unter dem Deckmantel der „Nichtfinanzierbarkeit“ wird die „strategische Lücke“ nicht weiter beachtet.

Auch eine „AG Stellenverteilung“ ist lediglich geeignet, einen Mangel zu verteilen und den Beteiligten etwas Sand in die Augen zu streuen.

Der BdK steht selbstverständlich zu der Absicht, die Arbeit innerhalb der Polizei gerecht zu verteilen und somit auch der AG Stellenverteilung insgesamt positiv gegenüber.

Wir weisen jedoch deutlich darauf hin, dass diese Verteilung des Mangels nicht geeignet ist, von den eigentlichen Missständen im Personalbereich abzulenken.

Hier helfen weder die Mangelverteilung noch die Generalisierung der Aufgabenwahrnehmung.

Hier helfen ausschließlich eine quantitative Anpassung des Personalkörpers sowie eine Qualitätsoffensive wie z. B. durch die Einführung spezieller Laufbahnen in Cybercrime-, Wirtschaftskriminalitäts- und anderen Bereichen.

Thema Einbruchdiebstahl aus Wohnungen:

Kaum ein anderes Delikt dringt dermaßen oft mit einer so beängstigenden Nachhaltigkeit in die eigenen vier Wände, die eigentlich Schutz bieten sollen, ein wie dieser Einschnitt in die Intimsphäre von Einzelpersonen, Lebensgemeinschaften und Familien.

Bei diesen Straftaten kann es doch nicht der Weisheit letzter Schluss sein, als Reaktion auf eine Steigerung der Wohnungseinbruchdiebstähle von 8% auf insges. 7.318 Taten der Bevölkerung anzuraten, ihr Eigentum besser zu schützen! Ist der Bürger hier etwa „selbst Schuld“?

Kann es sein, dass der jahrelange stetige Anstieg der Zahlen vielleicht doch mit der Auflösung der Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen zusammen hängt? Hinweise auf Beratungsmöglichkeiten im Internet helfen den traumatisierten Opfern, deren Vertrauen in ihre Privatsphäre teilweise irreparabel geschädigt wurde, kaum weiter.

Wenn die Aufklärungsquote (12,6%) gering ist, können nur eine Optimierung der Ermittlungsarbeit sowie entsprechende Präventionsmaßnahmen und -konzepte Erfolg versprechend sein. Doch noch fehlt ein schlüssiges, direktionsübergreifendes Gesamtkonzept, mit der die Polizei und nicht nur der einzelne Bürger, diesem Kriminalitätsphänomen landesweit präventiv und repressiv begegnen kann.

Nur so kann verloren gegangenes Vertrauen wieder zurück gewonnen werden.

Quelle: BDK Schleswig-Holstein

 

 

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