Zahl der Unfalltoten auf historischem Tiefstand

12. März 2012 | Themenbereich: Rheinland-Pfalz, Verkehr | Drucken

„2011 war für Rheinland-Pfalz ein gutes Jahr in der Verkehrssicherheit. Einem ver-gleichsweise leichten Anstieg der Gesamtzahl der Verkehrsunfälle steht die niedrigste Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmer seit Einführung der Verkehrsunfallstatistik gegenüber“, sagte Innenminister Roger Lewentz. Die polizeiliche Verbundstrategie in Verbindung mit der Arbeit der übrigen Verkehrssicherheitsinstitutionen mit konsequenter Ausrichtung an den Hauptunfallursachen und zielgruppenorientierter Prävention sowie Maßnahmen an den Straßen selbst habe sich ausgezahlt. „Obwohl bundesweit die Zahl der Unfalltoten um zehn Prozent gestiegen ist, sank deren Zahl in Rheinland-Pfalz um 13 auf 192 und liegt damit zum ersten Mal seit der statistischen Erfassung im Jahr 1947 unter 200. Das ist ein historischer Tiefstand“, so der Minister. Jeder Tote und jeder Verletzte im Straßenverkehr sei einer zu viel. „Daher werden wir auch weiterhin unsere Maßnahmen – seien es die Präventionsarbeit, Kontrolltage aber auch infrastrukturelle Sicherheitsvorkehrungen – fortführen“, kündigte Lewentz an.

Die Gesamtzahl der Unfälle stieg gegenüber dem Vorjahr um 0,57 Prozent auf 132.583. Im Jahr 2011 nahmen rheinland-pfälzische Polizistinnen und Polizisten durchschnittlich alle vier Minuten einen Verkehrsunfall auf. Bei dem Großteil dieser Unfälle (116.669) wurde erfreulicherweise keine Person verletzt. Insgesamt ereigneten sich in Rheinland-Pfalz 15.914 Unfälle mit Personenschaden (+7,46 Prozent gegenüber 2010). Die Zahl liegt damit leicht unter dem Fünfjahresmittel 2006 bis 2010 (15.951, -0,23 Prozent). Bei diesen Unfällen wurden 20.710 Personen verletzt, davon 3.864 schwer und 16.846 leicht. Unfälle mit Verletzten ereigneten sich im vergange-nen Jahr in 925 Fällen auf Autobahnen, in 9.292 Fällen innerorts und in 5.697 Fällen auf Straßen außerorts (ohne Bundesautobahnen).

Die Polizei in Rheinland-Pfalz orientiert ihre Verkehrssicherheitsarbeit an den Haupt-unfallursachen sowie den Risikogruppen. Letztere waren auch in den zurückliegenden Jahren überproportional am Unfallgeschehen beteiligt. Bei der Betrachtung der Hauptunfallursachen sind kaum Veränderungen zu verzeichnen. So ereigneten sich im vergangenen Jahr 4.117 Verkehrsunfälle mit Personenschaden infolge nicht angepasster Geschwindigkeit. Die Zahl entspricht zwar einer Reduzierung um 3,31 Prozent gegenüber 2010 (4.258), dennoch war Geschwindigkeit bei fast jedem vierten Unfall mit Verletzten unfallursächlich. Die Unfallursache „Nicht ausreichender Sicherheitsabstand“ wird mit 2.881 Fällen beziffert. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Zu-nahme um 10,26 Prozent. Im Bereich der Drogenerkennung nimmt die Polizei Rheinland-Pfalz einen Spitzenplatz ein. Durch gezielte Aus- und Fortbildungsmaßnahmen sind die Polizeibeamtinnen und -beamten flächendeckend in die Lage versetzt, frühzeitig Drogenbeeinflussung bei Fahrzeugführern zu erkennen. Mit dieser Philosophie konnte in Rheinland-Pfalz die Häufigkeitsziffer bezogen auf Verkehrsunfälle mit Verletzten unter Einfluss von Drogen je 100.000 Einwohner innerhalb von sechs Jahren um fast die Hälfte auf 2,30 reduziert werden (2005: 4,36).

„Die Risikogruppen im Straßenverkehr bleiben Kinder, junge Erwachsene und Senioren. Hier sind wir alle gefragt, unterwegs aufmerksamer zu sein und auf Gefahren hinzuweisen“, betonte der Innenminister. 2011 wurden sechs Kinder bei Verkehrsunfällen getötet, das sind doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Die Zahl der schwerverletzten Kinder stieg von 235 auf 257 und die der leichtverletzten von 1.140 auf 1.229. Bei den jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Während die Gesamtzahl der Unfallbeteiligten gegenüber dem Vorjahr um 2,99 Prozent auf 28.773 zurück ging, liegt der Anteil der bei dieser Altersklasse Getöteten (ca. 8 Prozent Be-völkerungsanteil) unverändert bei über 25 Prozent (49 Tote). Analog zur demographi-schen Entwicklung ist bei den Senioren (älter als 65 Jahre) ein deutlicher Anstieg der Unfallbeteiligung festzustellen. Die Zahl stieg um 6,89 Prozent auf 19.168 insgesamt. In der Einzelbetrachtung ist ein Rückgang bei den tödlich Verletzten um zwei auf 43, bei den Schwerverletzen ein Anstieg um 38 auf 565 und bei den Leichtverletzten ein Anstieg um 127 auf 1.534 zu verzeichnen.

Die Zahl der Unfälle mit motorisierten Zweirädern stieg auf 4.414 insgesamt (+ 8,11 Prozent). Die Zahl der tödlich Verletzten sank von 63 im Vorjahr auf 48 in 2011 (-23,81 Prozent). Die Verkehrsunfälle mit Fahrradbeteiligung haben um 15,9 Prozent auf 3.513 zugenommen. Dabei ist die Altersgruppe bis 17 und über 65 Jahre als Unfallversursacher überproportional beteiligt. Bei den Getöteten gab es einen leichten Rückgang von 17 auf 16. Die Zahl der Personenschadens-Unfälle mit LKW-Beteiligung nahm von 1344 um 36 auf 1380 zu. Bemerkenswert ist der deutliche Rückgang der Getöteten um 17 Prozent auf 41. Die Zahl der Schwerverletzten stieg von 337 auf 368 und die der Leichtverletzten von 1.453 auf 1.490.

Leider zum dritten Mal in Folge haben im vergangenen Jahr die Verkehrsunfallfluchten zugenommen. Entfernten sich 2010 noch 27.137 Fahrzeugführer unerlaubt vom Unfallort, waren es 2011 sogar 27.892 (+ 755). „Besonders nachdenklich stimmen diese Zahlen, wenn man sich hierbei vor Augen hält, dass bei den Unfällen fünf Menschen getötet, 180 schwerverletzt und 1.419 leicht verletzt wurden“, sagte der Minister. Hier seien aufmerksame Zeugen gefragt. „Es freut mich, dass es gelungen ist in diesem Jahr 12.285 Fälle (44,04 Prozent, +229 Fälle gegenüber 2010) und damit fast jede zweite Unfallflucht aufzuklären“, so Lewentz.

Insgesamt habe die Landesregierung zahlreiche und nachhaltige Möglichkeiten zur Erhöhung der Verkehrssicherheit ausgeschöpft. Hierzu gehörten nicht nur die Sicherheitsaktionen für Schulanfänger, der Erwerb des Führerscheins im Rahmen des begleiteten Fahrens ab 17 oder die vom Land finanziell unterstützten Sicherheitstrai-nings für junge Auto- und Motorradfahrer. „Darüber hinaus werden im rheinland-pfälzischen „Forum Verkehrssicherheit“ die Verkehrssicherheitsmaßnahmen unterschiedlicher Behörden, aber auch sonstiger Institutionen gebündelt und zielgerichtet vorangetrieben. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Frage, wie die Risiken und die Auswirkungen im Verkehrsverhalten der Menschen minimiert werden können“, sagte Roger Lewentz. Ein weiterer wichtiger Ansatz sei zudem die Verbesserung der Infra-struktur. Hierzu zählten die Überprüfung der sicherheitsrelevanten Aspekte schon in der Planung mit dem so genannten Sicherheitsaudit, über die Definition von Schwerpunkten wie beispielsweise Motorradunfällen in einer landesweiten Unfallkonferenz und die Stärkung der Unfallkommissionsarbeit zur Beseitigung von Unfallschwerpunk-ten bis hin zur Sicherheit an Bahnübergangen und in Tunnels oder modernen Verkehrsbeeinflussungsanlagen (Telematik). Mit der zentralen Unfallauswertestelle (ZfU) beim Landesbetrieb Mobilität in Koblenz stehe seit vielen Jahren ein Instrument zur Verfügung, das die Grundlage für gezielte und effektive Verkehrssicherheitsmaßnahmen schaffe.

„Bei allem Engagement der Verkehrssicherheitsträger ist zu bedenken, dass Ver-kehrsunfälle zu etwa 90 bis 95 Prozent auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen sind. Sicher gebaute Straßen und Fahrzeuge, nachvollziehbare Verkehrszeichen, wahrnehmbare, polizeiliche Kontrollpräsenz und Präventionstätigkeit fördern die Verkehrssicherheit und tragen zu verkehrsgerechtem Verhalten bei. Im Mittelpunkt bleibt aber der Verkehrsteilnehmer als Mensch eigenverantwortlich“, bilanzierte Minister Lewentz.

Hinweis an die Redaktionen:

Regionale Zahlen sind bei den jeweiligen Polizeipräsidien verfügbar

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