Japanische Delegation zu Besuch im BBK

6. März 2012 | Themenbereich: Bevölkerungsschutz | Drucken

Kurz vor dem ersten Jahrestag der Dreifachkatastrophe in Japan im März 2011 besuchte am 2. März 2012 eine japanische Delegation das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW), um sich vor Ort einen Einblick in das deutsche Krisenmanagementsystem zu verschaffen.

Die beiden Beamten aus dem Assistant Chief Cabinet Secretary Office for National Security and Crisis Management, Assistant Counsellor Kenichiro Kobayashi und Deputy Counselor Keiichi Ikeda, die von zwei externen Regierungsberatern, Professor Takeshi Takeshita und Yoshiaki Kato, begleitet wurden, befinden sich derzeit auf einer Rundreise durch verschiedene europäische Länder. Ziel dieser Reise ist es, sich in vergleichender Weise über den Aufbau und die Vorbereitung der Behörden in den jeweiligen Ländern auf großflächige Schadensereignisse zu informieren. Die so gewonnenen Informationen sollen anschließend ausgewertet werden und zur Verbesserung des japanischen Krisenmanagementsystems beitragen.

Die japanischen Gäste waren jedoch nicht nur Informationsnehmer, sondern brachten selber auch ihre eigenen Erfahrungen in den Dialog ein. Schwerpunkt war dabei der Umgang mit der Dreifachkatastrophe in Japan, bei der das Land in kaskadierender Abfolge von einem schweren Erdbeben, einem anschließenden Tsunami und schließlich dem größten Kernkraftwerksunfall seit Tschernobyl im beschädigten Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi heimgesucht wurde. Die Katastrophe, die am 11. März 2011 ihren Anfang nahm, beschäftigt nach Angaben der Besucher auch ein Jahr später noch Bevölkerung und Behörden in Japan. Eindrücklich schilderten die Delegationsteilnehmer, dass eine Katastrophe dieses Ausmaßes den japanischen Katastrophenschutz vor ungekannte Herausforderungen gestellt hat und es noch immer tut.

In Deutschland hat die japanische Dreifachkatastrophe mit Tausenden von Toten, Vermissten und Hunderttausenden Obdachlosen nicht nur weite menschliche Anteilnahme hervorgerufen, sondern auch politische Konsequenzen mit sich gebracht. Die Entscheidung zur mittelfristigen Abschaltung aller deutschen Kernkraftwerke ist dabei nur ein Aspekt. Insbesondere aufgrund der Vergleichbarkeit Deutschlands und Japans mit Blick auf hoch industrialisierte Standards hat sich auch der deutsche Bevölkerungsschutz vor die Frage gestellt gesehen, was für Lehren sich aus der Bewältigung der Katastrophe in Japan ziehen lassen.

Neben den in den Ländern für den Katastrophenschutz zuständigen Behörden befassen sich auf Bundesebene das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und das Bundesministerium des Innern (BMI) sowie deren nachgeordneten Behörden, u.a. das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), mit der Auswertung der Ereignisse in Japan sowie den möglichen Auswirkungen auf das Land und die japanische Bevölkerung. Ziel ist es, daraus Schlussfolgerungen zu ziehen und Erkenntnisse für Deutschland zu gewinnen. Im Wesentlichen sollen Lehren aus der Verkettung mehrerer Katastrophen, dem Reaktorunfall und dem dortigen Krisenmanagement gezogen werden, soweit dies ohne direkte Beteiligung bzw. aus der Entfernung beurteilt werden kann. Diese sollten dann auf Deutschland übertragen werden, um – falls notwendig – Verbesserungen im Notfallschutz, im Bevölkerungsschutz und in der Katastrophenhilfe zu erzielen.

Quelle: BBK

 

 

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