Bilanz der Verkehrssicherheit

15. Februar 2012 | Themenbereich: Brandenburg, Verkehr | Drucken

Die Zahl der Opfer von Verkehrsunfällen hat im vergangenen Jahr in Brandenburg mit erneut leichten Rückgängen den niedrigsten Stand seit 1991 erreicht. Gegenüber 2010 sank die Zahl der Verkehrstoten von 192 auf 187, die Zahl der Verletzten war mit 10.283 um 35 geringer als im Jahr zuvor. Die Polizei registrierte insgesamt 80.444 Verkehrsunfälle. Das bedeutet ein Minus von rund zehn Prozent beziehungsweise über 9.000 Unfälle weniger als 2010 und damit die niedrigste Unfallzahl seit 1992.

Innenminister Dietmar Woidke und Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger verwiesen auf ihrer heutigen gemeinsamen Bilanzpressekonferenz übereinstimmend auf die Fortsetzung des langjährigen Trends zu mehr Verkehrssicherheit. Das sei auch deshalb ein gutes Signal, weil sich für den Bundesdurchschnitt 2011 steigende Unfall-Zahlen abzeichnen. Gleichzeitig sehen beide Minister ebenso wie Brandenburgs Polizeipräsident Arne Feuring angesichts von weiterhin „viel zu viel Unfallleid auf Brandenburgs Straßen“ aktuellen Handlungsbedarf.

Besonders tragische Baumunfälle erfordern Handeln

Woidke nannte in diesem Zusammenhang an erster Stelle die nach wie vor besonders hohe Zahl tödlicher ‚Baumunfälle’, die sich zum großen Teil auf den Alleen des Landes ereigneten. „Es gibt praktisch keinen Bereich, wo ein Verkehrsunfall so oft mit tragischen Folgen endet. Hier dürfen wir keine Möglichkeit auslassen, gegenzusteuern“, unterstrich Woidke.

Der Minister ging dabei auch auf das gemeinsam mit Vogelsänger im Vorjahr angekündigte Tempolimit von 70 km/h auf besonders gefährdeten Alleenabschnitten ein. Die Unfallbilanz des Vorjahres spräche eindeutig für einen solchen Schritt. „Wir hatten im letzten Jahr knapp 2.000 Baumunfälle. Das waren lediglich 2,4 Prozent aller Verkehrsunfälle im Land. Aber bei der Zahl der Opfer muss man durchaus von einem ‚dramatischen’ Statistikanteil dieser Unfälle sprechen“, sagte Woidke. Dieser Anteil beträgt mit 68 Toten und 932 Verletzten über 36 bzw. gut neun Prozent an der jeweiligen Gesamtbilanz.

Hauptunfallursache ist einmal mehr zu schnelles Fahren. Laut Woidke findet sich hier auch eine der Erklärungen für die im Bundesvergleich bezogen auf die Bevölkerungszahl nach wie vor besonders hohe Zahl von Todesopfern im Straßenverkehr Brandenburgs. Es sei „kein Zufall“, dass sich in der Gruppe der Länder mit vergleichsweise vielen Verkehrstoten die Alleenländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und auch Sachsen-Anhalt befänden.

Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger betonte vor diesem Hintergrund: „Wir mussten etwas tun, um die Straßen mit dichtem Baumbestand und die Alleen sicherer zu machen. Ich appelliere erneut an die Landkreise, unsere Fördermittel für Schutzplanken in Anspruch zu nehmen. Davon wird bisher viel zu wenig Gebrauch gemacht. Schutzplanken sind eine Alternative zu Tempo 70 in Alleen. Auch an Bundes- und Landesstraßen werden wir weitere Strecken mit Schutzplanken versehen. Der Alleenerlass befindet sich derzeit in der Umsetzung, ein erster Bericht soll zur Jahresmitte erfolgen. Es ist aber nicht zu erwarten, dass bis dahin das komplette Straßennetz überprüft sein wird. “

 Gefährlicher Trend beim ‚Brummi-Verkehr’

Neben erfreulichen Rückgängen, so beispielsweise bei schweren Unfällen mit Kindern, Unfällen mit Senioren oder auch bei der Zahl der Vorfahrtsunfälle, offenbart die 2011er Bilanz auch mehrfach ein bedenkliches Plus an Unfallgefahren.

Woidke erinnerte dazu an die Unfälle im gewerblichen Güterverkehr, die regelmäßig ein Problem seien. Zwar gäbe es auch hier im Vergleich zum Vorjahr weniger Unfälle und Verletzte, aber die Zahl der Todesopfer bei Unfällen im Güterkraftverkehr sei entgegen dem allgemeinen Trend um sechs auf 50 gestiegen. Allein auf den insgesamt durchaus sicherer gewordenen Autobahnen stieg die Zahl der Todesopfer der ‚Brummi-Unfälle’ um 60 Prozent von 15 auf 24 an.

„Immer noch werden fast drei Viertel dieser Unfälle durch die LKW-Fahrer selbst verursacht. Das spricht für Nachlässigkeiten und mangelnde Verantwortung bei Fahrern, aber genauso auch bei Transportfirmen“, sagte Woidke. Es gäbe hier kein Patentrezept für schnelle Verbesserungen. Man werde aber mit Kontrollen und möglichst schmerzhaften Sanktionen, aber auch Präventionsangeboten in Abstimmung mit dem Infrastrukturministerium nicht locker lassen, Veränderungen zu erreichen. Das sei umso bedeutsamer, da Verkehrsexperten für die nächsten 15 Jahre eine drastische Zunahme des LKW-Verkehrs auf den Autobahnen prognostizieren. Insbesondere auf der wichtigen Ost-West-Transitstrecke geht man dabei von einem Anstieg des Verkehrsflusses bis auf das Dreifache aus.

 Polizei stellt sich Herausforderung wirksamer Verkehrskontrollen

Sorgen bereitet nach den Worten des Innenministers auch die Unfallentwicklung bei den sogenannten ‚Jungen Fahrern’. Die 18- bis 24-Jährigen waren 2011 an insgesamt rund 14.000 Unfällen beteiligt, von denen sie über 9.700 selbst verursachten. Das waren zwar weniger Unfälle als im Jahr zuvor. Auch die Zahl der Verletzten ging zurück. Die tragischen Folgen aber nahmen mit einem Anstieg der Todesopfer von 33 auf 46 zu. Besorgniserregend sei die Tatsache, dass 85 Prozent der tödlichen Folgen von den jungen Unfallbeteiligten selbst zu verantworten waren. Woidke wies in diesem Zusammenhang auf einen weiteren Problembereich hin: 2011 gab es allgemein mehr tragische Promille- und Drogenfahrten, die 13 bzw. drei Menschenleben forderten (2010: vier bzw. null).

Für Woidke bleibt die Verkehrssicherheit weiterhin ein polizeilicher Aufgabenschwerpunkt. „Nirgends werden so viele Menschen zu Opfern, wie bei Verkehrsunfällen. Die Polizei muss und wird sich in ihren neuen Strukturen den Herausforderungen wirksamer Verkehrkontrollen und präventiver Einflussnahme stellen und auch die hierfür erforderlichen Kapazitäten einsetzen“, bekräftigte er.

Mit schrecklichen Unfallzahlen nicht abfinden

Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger erklärte: „Wir haben es geschafft, die Zahl der Verkehrstoten weiter zu senken. Aber die Erfolgskurve wird flacher. Es wird immer schwerer, die Unfallzahlen weiter zu drücken. Daher müssen wir noch mehr tun, um weiterhin erfolgreich zu sein. Die Verkehrssicherheitsarbeit meines Hauses wird gemeinsam mit der Arbeit der Polizei auch weiterhin ein Schwerpunkt bleiben. Wir finden uns nicht mit den schrecklichen Zahlen ab, denn hinter jeder Ziffer steht großes menschliches Leid und familiäres Unglück.“

Polizeipräsident Arne Feuring ging auch auf die Organisationsänderungen der Polizei beim Einsatz für die Verkehrssicherheit ein und erläuterte:„Mit der Polizeireform gibt es jetzt in allen vier Polizeidirektionen eine neue Organisationseinheit ‚Verkehrspolizei’. Wir haben hier die verschiedenen Polizeibereiche der Verkehrssicherheitsarbeit zusammengefasst und so deren Einsatzkoordinierung verbessert. Das wird sich auszahlen. Die Polizei wird in diesem Jahr ihre Verkehrskontrollen verstärken. 2011 war das Jahr einer umfassenden Organisationsreform für die Polizei, die in dieser grundlegenden Umstellungsphase bei den Verkehrskontrollen einige Abstriche machen musste. Das wird sich nun wieder ändern.“

Junge Fahrer ein Schwerpunkt bei Kontrollen und Prävention

Schwerpunkte bleiben laut Feuring weiterhin die Risikogruppe „Junge Fahrer“, die Kontrollen des gewerblichen Personen- und Güterverkehrs sowie die Einhaltung von Tempo 70 auf den festzulegenden Abschnitten der Bundes- und Landstraßen mit Alleencharakter. Um auf die „Jungen Fahrer“ auch präventiv Einfluss nehmen zu können, wolle man außerdem auch in Zusammenarbeit mit externen Partnern in den Regionen weiterhin zahlreiche Präventionsveranstaltungen durchführen.

„Unsere Beamtinnen und Beamten wissen, dass die Sicherheit auf den Straßen weiter erhöht werden muss, und dass sie mit ihrem Einsatz dazu entscheidend beitragen. Dieser Verantwortung stellen wir uns“, betonte der Polizeipräsident.

 

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