Hessen startet „Sichere Landstraße 2012″

14. Februar 2012 | Themenbereich: Hessen, Verkehr | Drucken

Staatssekretär Werner Koch stellte gestern das hessenweite Verkehrssicherheitsprogramm „Sichere Landstraße 2012“ vor. Hessen setzt in diesem Jahr im Rahmen der Verkehrssicherheitsarbeit mit verstärkten Kontrollen den Fokus auf die Bekämpfung der Hauptunfallursachen auf Landstraßen. Insgesamt 30633 Verkehrsunfälle ereigneten sich im vergangenen Jahr auf Hessens Landstraßen. Bei 136 dieser Verkehrsunfälle wurden 154 Menschen getötet, während 1639 Unfälle 2186 schwer verletzte und 4315 Unfälle 6983 leicht verletzte Personen forderten.

„Das Risiko bei einem Verkehrsunfall tödlich zu verunglücken, ist auf Landstraßen fast fünfmal so hoch wie auf anderen Straßen. Die meisten Verkehrsteilnehmer unterschätzen diese Gefahr“, so Koch bei der Vorstellung der Konzeption. Und weiter: „Um die Anzahl der Verkehrsopfer nachhaltig zu senken, ist es notwendig, die polizeilichen Maßnahmen zu bündeln und auf Bereiche zu lenken, bei denen die größten Potentiale anzunehmen sind.“

Häufig verursachen unvorhergesehene Situationen, wie Gegenverkehr hinter einer Kuppe, Wildwechsel in der Dämmerung oder Dunkelheit, einbiegende Fahrzeuge, schlechte oder rutschige Fahrbahnen die Unfälle. Besonders risikoreich sind unübersichtliche Einmündungen, scharfe Kurven und wechselnde Lichtverhältnisse insbesondere auf Alleen und in Waldstücken. Hinzu kommen die vielen unterschiedlichen Nutzer der Landstraßen mit ihren jeweils stark differierenden Geschwindigkeiten, wie Fußgänger, land- oder forstwirtschaftliche Fahrzeuge, Lkw bis hin zu sportlich fahrenden oder risikobereit überholenden Autofahrern.

„Im Rahmen der heutigen Auftaktveranstaltung beim Polizeipräsidium Mittelhessen steht deshalb die überhöhte Geschwindigkeit als Hauptunfallursache im Mittelpunkt unserer Bemühungen“, erklärt Staatssekretär Koch.

So war bei 46 Verkehrsunfällen mit tödlichem Ausgang auf Landstraßen nicht angepasste Geschwindigkeit die Unfallursache, darunter sogar neun Mal mit gleichzeitiger Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. So ist nicht angepasstes Tempo mit 33 Prozent die Hauptursache der tödlich ausgehenden Unfälle.

Mit der heute beginnenden Verkehrssicherheitsaktion beabsichtigt die Polizei Hessen, den Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern die Hauptunfallursache Geschwindigkeit verstärkt ins Bewusstsein zu rufen, um Unfälle mit schweren Folgen zu reduzieren. Dazu gibt sie im Lauf des Tages via Rundfunk insgesamt 14 Messstellen bekannt, die aktuell die Geschwindigkeit überwachen. In Kooperation mit den Medien wird dabei erklärt, weshalb diese Kontrollen dort jeweils stattfinden.

So wählte die Polizei für die Auftaktveranstaltung einen Parkplatz auf der B 49, zwischen den Anschlussstellen Niederbiel und Leun, weil sich auf dieser Strecke in den letzten vier Jahren 83 Verkehrsunfälle ereigneten. Zwei Menschen ließen dabei ihr Leben, 13 Opfer erlitten schwere und 23 Opfer leichte Verletzungen.

Bei den Anhaltekontrollen informieren die Ordnungshüter die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer über die Risiken von zu hoher Geschwindigkeit in dem jeweiligen Streckenabschnitt.

Neben dem Tempo bilden Wildunfälle sowie Alkohol und Drogen weitere Schwerpunkte der Offensive „Sichere Landstraße 2012“. Dabei richtet die Polizei ihre Aufmerksamkeit auf die Risikogruppen Kradfahrer und junge Fahrer. Zudem nehmen die Ordnungshüter die Generation 65Plus sowie den gewerbliche Güter- und Personenverkehr besonders unter die Lupe.

„Ich bin mir sicher, dass wir mit der Aktion „Sichere Landstraße 2012“ zu einer Verringerung der Verkehrsunfälle mit schweren Folgen beitragen können“, so Staatssekretär Werner Koch abschließend.

Plakate und Themenfaltblätter informieren über die Aktion „Sichere Landstraße 2012“. Darüber hinaus besteht eine enge Zusammenarbeit der Hessischen Polizei mit weiteren Trägern der Verkehrssicherheitsarbeit. Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter www.polizei.hessen.de .

Weitere Hintergrundinformationen

Wildunfälle

Die Zahl der Wildunfälle steigt in den letzten Jahren stetig. Die Polizei registrierte 2011 12.388Wildunfälle mit zwei Toten, 31 Schwer- und 125 Leichtverletzten.

Alkohol und Drogen im Straßenverkehr

In Hessen liegt die Zahl der durch Alkohol verursachten Verkehrsunfälle mit Personenschaden bei 779. Dabei wurden fünf Menschen getötet sowie 142 schwer und 231 leicht verletzt. Bei 50 schweren Verkehrsunfällen stellte die Polizei Drogen und andere berauschende Mittel fest. Bei diesen Unfällen wurde ein Mensch getötet, drei schwer und elf leicht verletzt.

Kradfahrer

Der Anteil der durch Motorradunfälle getöteten Menschen auf Landstraßen beträgt 25 Prozent, das sind 35 Fälle. Bei 28 dieser Fälle verursachten die Biker selbst die Tragödie. Auch die 405 Unfälle mit schwerverletzten Personen sind, bezogen auf die insgesamt 1639 4 polizeilich aufgenommenen Unfälle mit Schwerverletzten auf Landstraßen, mit 25 Prozent deutlich überproportional vertreten. Bei 255 dieser Unfälle waren auch hier die Motorradfahrer jeweils Unfallverursacher.

Junge Fahrer

Das Risiko junger Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren, bei einem Unfall verletzt oder getötet zu werden, liegt – sowohl auf den Anteil an der Bevölkerung, als auch auf die Fahrleistung bezogen – mehr als doppelt so hoch, wie bei der Gruppe der 25- bis 54-jährigen. Bei 7924 Verkehrsunfällen auf Hessens Landstraßen waren junge Fahrer beteiligt, wobei 45 Unfälle einen tödlichen Verlauf nahmen, 585 Unfälle hatten einen schweren Personenschaden und 1689 Unfälle einen leichten Personenschaden zur Folge.

Generation 65Plus

Die Anzahl der Verkehrsteilnehmer, der Generation 65Plus, wird in Deutschland und in den meisten Ländern Europas in den nächsten Jahrzehnten deutlich steigen. Folgt man aktuellen Prognosen, so wird z. B. in Hessen bis 2050 etwa jeder dritte Einwohner älter als 65 Jahre sein (vgl. Hessisches Statistisches Landesamt, Wiesbaden, 2011).

Auf Hessens Landstraßen waren im Jahr 2011 bei 2814 Verkehrsunfällen Personen der Generation 65Plus beteiligt. 31 Verkehrsunfälle hatten einen tödlichen Ausgang, bei 294 Unfällen gab es einen schweren und bei 649 Unfällen einen leichten Personenschaden. Auf sieben Unfälle mit Beteiligung der Generation 65Plus kommen demnach zwei mit schweren Folgen.

Gewerblicher Güter- und Personenverkehr

Hessens Polizei kontrollierte 2011 ca. 50.000 Fahrzeuge im Güter- und Personenverkehr und stellte dabei ca. 17.500 Verstöße gegen das Fahrpersonal- und Gefahrgutrecht, technische Mängel sowie mangelhafte Beladung bzw. Ladungssicherung fest. Im Vergleich dazu verursachten Lastkraftwagen auf hessischen Straßen 10627 Verkehrsunfälle mit einem Gesamtschaden von 31 Millionen Euro, bei denen 18 Personen getötet und 181 schwer und 1068 leicht verletzt wurden. Weiterhin kam es zu 218 Unfällen, an denen Busse beteiligt waren. Dabei wurde ein Mensch getötet, 23 schwer und 74 Verkehrsteilnehmer leicht verletzt.

 

 

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