Wo steht die Kripo Niedersachsen im Bundesvergleich?

10. Februar 2012 | Themenbereich: Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen, Niedersachsen | Drucken

Gibt das Dienstpostenkonzept Spezialisten eine Chance?

Diese beiden Fragen standen im Vordergrund der Jahreshauptversammlung des Bund Deutscher Kriminalbeamter in der Direktion Osnabrück. Der Bundesvorsitzende André Schulz skizzierte im Beisein von Polizeipräsidentin Heike Fischer und dem Chef der Polizeiinspektion Osnabrück, Michael Maßmann, dass die Kriminalisten im Bund und den meisten Ländern besser da stehen, als die Kolleginnen und Kollegen in Niedersachsen.

Ein großer Fehler sei es gewesen, den direkten Zugang zur Kripo für Nachwuchskräfte zu verschließen und Nachersatz nur noch über die generalistische Ausbildung zu rekrutieren.

Innerhalb der Polizei gebe es eben zahlreiche Spezialaufgaben. So seien Großeinsätze sicher in den Händen der Schutzpolizei besser aufgehoben als bei der Kripo. Deren Kompetenz liege nun einmal in den vielen Handlungsfeldern der Kriminalitätsbekämpfung. Frau Fischer bedankte sich ausdrücklich für die konstruktiv-kritische Zusammenarbeit im letzten Jahr sowie für die extrem gute Ermittlungsarbeit.

Die Teilnahme von Kolleginnen und Kollegen aus allen Regionen wertete sie als Verbundenheit der verschiedenen Polizeiinspektionen. Der Vorsitzende des Landesverbandes Niedersachsen, Ulf Küch, Leiter der Kriminalpolizei Braunschweig, zeigte exemplarisch und eindrucksvoll eine Studie zur Kriminalität zum Nachteil älterer Mitmenschen auf.

Ein Phänomen, das sich rasend schnell in Deutschland, Europa bis in die USA verbreitet. Die aus dem osteuropäischen Raum agierenden skrupellosen Täter lebten schon jetzt in Saus und Braus und ließen unzählige ältere Menschen in die Armut abgleiten. Die heutige Ausrichtung der Bearbeitung dieser Fälle sei nicht geeignet, diesem Phänomen zu begegnen. Wie in vielen anderen Bereichen auch sei es zwingend erforderlich, durch gesetzliche Möglichkeiten und der gezielten Ausbildung junger Kriminalbeamtinnen und -beamten „den Fuß in die Tür“ zu bekommen. Gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel mit immer mehr Älteren in unserer Gesellschaft sei es sträflich, wenn man nicht jetzt gegen diese und andere mafiösen Strukturen und Täter vorgehe. Hier sei die Politik im Bund und in den Ländern, auch und gerade in Niedersachsen, gefordert. Geeignetes Personal bekomme man aber nur, wenn die Rahmenbedingungen verbessert werden. Wie bereits mehrfach in den Medien berichtet, sage eine gute „Aufklärungsquote“ nur wenig dazu aus, ob und wie sicher man in einer bestimmten Region oder in einem bestimmten Bundesland leben kann. Küch dazu: „Der BDK wird bei der nächsten Vorstellung der Fall- und Aufklärungszahlen Antworten parat haben“.

Der Vorsitzende des Direktionsverbandes Osnabrück, Stephan Schriever, berichtete über die vielfältigen Aktivitäten des Verbandes in einem Jahresrückblick, stellte die Kandidatinnen und Kandidaten für die bevorstehenden Personalratswahlen vor und erläuterte die Beförderungsmöglichkeiten aus dem umstrittenen Dienstpostenkonzept der Polizei Niedersachsen.

Der BDK erkenne die Bemühungen der Landesregierung an, durch ein „Hebungsprogramm“ mit 819 Beförderungsmöglichkeiten landesweit im laufenden Jahr den Einstieg in eine Strukturverbesserung zu beginnen. Dieses Programm müsse aber zügig weiter bedient werden. Nur so sei von den Kriminalisten und allen anderen Spezialisten in der Organisation eine bessere Akzeptanz und eine langsame Annäherung an die Situation zum Bund und zum benachbarten Bundesland Nordrhein-Westfalen zu erreichen. Wenn eine vom Innenministerium eingesetzte Kommission selbst festgestellt habe, dass 722 Dienstposten eine höhere Bewertung verdient hätten, so müsse die Politik dafür auch die Mittel zur Verfügung stellen. Der BDK erwarte dazu Unterstützung und verbindliche Absichtserklärungen von allen Parteien.

In seinem Schlusswort machte der Moderator der Veranstaltung, Werner Schwarz, deutlich, dass nur ein Zusammenwirken von Politik und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Polizei zum Erfolg führen kann. Und erfolgreiche Arbeit bedeutet höchstmögliche Sicherheit für unsere Gesellschaft.

 

Stephan Schriever

Vorsitzender BDK Direktionsverband Osnabrück

1 Kommentar
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  1. Dann warten wir mal ab, was sich für die „Spezialisten“ ergibt… wie lange sollen wir warten ?? Ich sehe schon die Gebetsmühlen laufen und laufen…

    Kein Geld für die Polizei und schon gucken viele aufgrund des DP-Konzeptes in die Röhre. Wer glaubt, dass sich bei einem Machtwechsel in Hannover was ändert, der wird bitter bestraft. Es ei denn, es läuft wie in NRW.. Neuverschuldung und los gehts…

    Die Zukunft vieler Polizisten in Nds. – egal ob Schutz- o. Kriminalpolizei – sieht sehr düster aus; viele wechseln nach NRW – zu Recht -.

    Wenn ich dann noch die demografische Entwicklung in unserer Polizei sehe und wir geben keinen spezialisierten Nachwuchs in den KED/ZKD , dann geht demnächst jahrelange Erfahrung, Know-how und Lebenserfahrung in Pension ohne adäquaten Ersatz.

    Es gibt also viel zu tun…

    Munter bleiben…

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