Fördern politische Entscheidungen die Kriminalität in Bremen?

6. Februar 2012 | Themenbereich: Bremen, Bund Deutscher Kriminalbeamter, Interessenvertretungen | Drucken

Dramatisch hohe Einbruchszahlen in Bremen sind die Quittung für die permanenten Sparmaßnahmen der Politik bei der Bremer Polizei.

Wer das Personal trotz neuer Kriminalitätsphänomene immer weiter reduziert, muss sich über steigende Kriminalität und sinkende Aufklärungsquoten nicht wundern.

Die Verantwortlichen sollten endlich zur Kenntnis nehmen, dass eine sachgerechte Verfolgung ganzer Deliktsbereiche schon lange nicht mehr gewährleistet ist. Viele Bereiche, so auch der Einbruchdiebstahl, können in Bremen weitestgehend nur noch verwaltet werden. Obwohl es sich hierbei um ein Delikt handelt, das die Betroffenen in hohem Maße in ihrem Sicherheitsempfinden beeinträchtigt. Gleiches gilt im Übrigen auch für die Vielzahl der Raubtaten in der Hansestadt.

Es ist unter anderem ein Unding, dass das infolge von Einbrüchen und anderer Straftaten gesicherte Spurenmaterial aus Personal- und Kostengründen monatelang unbearbeitet liegen bleibt, wo doch der Sachbeweis in der Regel das einzige Beweismittel ist, den Täter zu ermitteln. Indessen werden Verfahren eingestellt und noch ausstehende Auswertungen der Beweismittel immer häufiger als verzichtbar erachtet. Dieser Zustand lädt die Täter ja förmlich zur Begehung von Straftaten ein.

Eigentümer und Vermieter von Immobilien künftig per Gesetz zu verpflichten, den Einbruchsschutz zu verbessern oder der Einsatz von künstlicher DNA sind wenig zielführend, zumal viele Bürgerinnen und Bürger die Kosten hierfür gar nicht aufbringen können. Studien belegen indes, dass der wirksamste Einbruchschutz nach wie vor durch eine aufmerksame Nachbarschaft sowie durch starke und kontinuierliche Polizeipräsenz auf der Straße erreicht wird.

Die Verantwortlichen müssen sich die Frage gefallen lassen, in wie weit die aufgrund der Sparmaßnahmen durchgeführte Polizeireform 2005 diese Entwicklung begünstigt hat.

„Es ist mehr als kontraproduktiv, das Delikt dezentral bearbeiten zu lassen. Die dezentrale Sachbearbeitung von Vorgängen und Verwaltung ohne scheinbare Ermittlungsansätze wie sie im Zuge der Reform eingeführt wurde, führt zu einem erheblichen Informations- und damit `Kontrollverlust´ in der Sachbearbeitung. Den typischen Einbruchssachbearbeiter gibt es nicht mehr.

Jeder Sachbearbeiter, der heute Fälle von Wohnungseinbruch bearbeitet, muss sich auch mit etlichen anderen Delikten befassen. Damit geht zwangsläufig wichtiges Fach- und Täterwissen verloren. Man muss sich fragen, ob dieser Deliktsbereich von „Generalisten“ oder doch von „Spezialisten“ bearbeitet werden soll.

„Wie es anders geht, wie man effektiv und effizient diesen Deliktsbereich bearbeiten kann, zeigen uns andere Bundesländer, die zielgerichtet den Wohnungseinbruch in eigens dafür vorgehaltenen Kommissariaten oder Ermittlungseinheiten bekämpfen und zurecht in der Statistik zum Teil weit vor uns stehen. Ich meine: Beachtenswert,“ so Paul Lapsien Landesvorsitzender BDK.

„Die Polizei steht in der gesetzlichen Verpflichtung, Straftaten zu verfolgen und alle notwendigen Maßnahmen zur Aufklärung zu treffen. Die verantwortlichen Politiker müssen endlich erkennen, dass sie die Polizei auch handlungsfähig erhält, mit den dringend erforderlichen Ressourcen ausstattet und nicht ständig in blinden Aktionismus verfällt“, fordert Paul Lapsien vom Bund Deutscher Kriminalbeamter.

Hilfreich wäre darüber hinaus, dass Staatsanwaltschaft und Gerichte die Verfahren gegen ermittelte Täter zeitnah zur Anklage bringen können. Hierzu muss allerdings auch Justiz mit den erforderlichen Ressourcen ausgestattet werden.

 

 

 

 

 

Paul Lapsien

Landesvorsitzender

 

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