Über eine Million Geschwindigkeitsverstöße im Land

30. Januar 2012 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Verkehr | Drucken

„Überhöhte und nicht angepasste Geschwindigkeit ist nach wie vor die Ursache der meisten Verkehrsunfälle, jeder zweite tödliche Unfall geht auf das Konto der Raser.“ Das sagte Innenminister Reinhold Gall bei der Vorstellung der Ergebnisse der Verkehrsüberwachungsbilanz 2011 in Stuttgart. Die Polizei dürfe für bessere Verkehrssicherheit auf keinen Fall bei Geschwindigkeitskontrollen nachlassen. Dies werde leider durch 1.008.057 festgestellte Verstöße im vergangenen Jahr belegt.

Drastische Beispiele für die Gefährlichkeit der Raserei seien zwei schwere Unfälle in diesem Monat. Am 8. Januar seien auf der B 14 bei Backnang zwei Beifahrerinnen eines Kleinwagens ums Leben gekommen. Die Fahrerin sei bei erlaubten 50 Kilometern pro Stunde in einer Baustelle laut Gutachter mehr als 100 Kilometer pro Stunde gefahren und habe die Kontrolle über das Fahrzeug verloren.

Am 23. Januar hätten sich auf der B 3 bei Denzlingen die Fahrer zweier Fahrzeuge mit jeweils mehr als 500 PS ein Rennen geliefert. Dabei habe ein Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und sei nach dem Aufprall auf ein entgegenkommendes Fahrzeug ums Leben gekommen. Die Fahrerin des in den Unfall verwickelten Fahrzeuges habe er mit in den Tod gerissen. „Allein diese tragischen Bespiele beweisen mir, dass Geschwindigkeitsverstöße von der Polizei nicht geduldet werden dürfen“, betonte der Innenminister.

7.123 Verkehrsunfälle mit Verletzten und 199 Verkehrsunfälle mit tödlich Verletzten seien im vergangenen Jahr auf überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen. Die Polizei habe allerdings mit gezielten Kontrollen die Verkehrssicherheit verbessert. So seien die Verkehrsunfälle mit Verletzten – verursacht durch zu hohe Geschwindigkeit – um 388 oder 5,2 Prozent rückläufig. Mit Blick auf die vergangenen sechs Jahre habe sich die intensive Geschwindigkeitsüberwachung mit einem Rückgang um 29,4 Prozent von 10.082 (2006) auf 7.123 (2011) und auf den Autobahnen um 29,3 Prozent von 1.439 (2006) auf 1.018 (2011) ausgewirkt. Auffällig seien Fahrer im Alter von 18 – 24 Jahren und Motorradfahrer. Bei ihnen sei überhöhte Geschwindigkeit als Ursache bei tödlichen Verkehrsunfällen mit einem Anteil bei den jungen Fahrern von 60 Prozent und bei den Motorradfahrern mit 62 Prozent besonders hoch.

„Wenn man berücksichtigt, dass es neben den festgestellten Verstößen eine riesige Dunkelziffer gibt, ist für mich die Verkehrsmoral eindeutig unbefriedigend“, sagte Gall. Die Anzahl der Geschwindigkeitsverstöße sei außerorts mit 965.212 wesentlich höher als innerhalb der Ortschaften mit 42.845 Verstößen gewesen. Die Polizei lege dabei den Schwerpunkt ihrer Messungen auf Verkehrsunfallschwerpunkte und Verkehrsunfallstrecken.

Bei den Geschwindigkeitskontrollen hätten 805.642 Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit bis 20 Kilometer pro Stunde, 184.416 um 21 – 40 Kilometer pro Stunde und 17.999 um über 40 Kilometer pro Stunde überschritten. 19.251 Verkehrsteilnehmer hätten ein Regelfahrverbot in Kauf genommen. „Nahezu jeder vierte war mehr als 20 Kilometer pro Stunde zu schnell. Denkt man dabei an die schweren Folgen bei einem Verkehrsunfall, sind das keine Kavaliersdelikte“, sagte der Innenminister.

Die Erfahrungen der Polizei würden durch die Zentrale Bußgeldstelle beim Regierungspräsidium Karlsruhe für den Bereich der Autobahnen bestätigt. Die von 468 im Jahr 2010 auf 524 im vergangenen Jahr gestiegene Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten mache es notwendig, dass die Polizei auf den Autobahnen weiterhin verstärkt Geschwindigkeits- und Abstandskontrollen durchführe. Ein Schwerpunkt dieser Kontrollen liege im Baustellenbereich, da hier sehr viele Unfälle zu verzeichnen seien. Auf den Autobahnen sei festzustellen, dass sich das Geschwindigkeitsniveau durch die Kontrollen schon etwas gesenkt habe. Mehr Kontrollen im Jahr 2011 hätten zu rund 635.000 Anzeigen geführt, circa 90.000 mehr als im Vorjahr. Die Folge seien circa 130.000 Bußgeldbescheide und rund 500.000 Verwarnungen mit maximal 35 Euro gewesen. Die Gesamteinnahmen (Geldbußen und Verwarnungen) hätten sich 2011 auf 22,5 Millionen Euro belaufen (2010: 21,2 Millionen Euro). Die Zahl der ausgesprochenen Fahrverbote sei mit rund. 13.000 nahezu konstant geblieben.

Positiver Nebeneffekt für alle sei beim Einhalten der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit ein harmonischerer Verkehrsfluss und weniger Stress im Auto durch Raser und Drängler. „Die konsequente Geschwindigkeitsüberwachung dient der besseren Verkehrssicherheit. Deshalb kontrolliert die Polizei nicht gegen die Autofahrer, sondern für deren eigene Sicherheit und die der anderen Verkehrsteilnehmer“, sagte der Innenminister.

 

 

 

Quelle: Innenministerium Baden-Württemberg

 

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