Umsetzung der Beschlüsse Runder Tisch ‚Heimerziehung‘

2. Januar 2012 | Themenbereich: Baden-Württemberg, Innere Sicherheit | Drucken

Zur Umsetzung der Beschlüsse des Runden Tisches „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“ wird in Baden-Württemberg derzeit eine zentrale Anlauf- und Beratungsstelle für Betroffene eingerichtet. „Auch in unserem Land wurden Heimkinder misshandelt. Wir wollen, dass sie jetzt soweit irgend möglich Wiedergutmachung erfahren und dass ihnen bei der Anlauf- und Beratungsstelle schnell geholfen wird“, so Sozialministerin Katrin Altpeter am Montag. Baden-Württemberg beteiligt sich nach den Angaben der Ministerin mit rund 6,2 Millionen Euro am bundesweiten Fonds, davon kommen rund 2 Millionen Euro von den Kommunen. Der bundesweite Fonds ist insgesamt mit 120 Millionen Euro ausgestattet.

Aus dem Fonds sollen Folgeschäden der Heimerziehung finanziert werden, wie etwa geminderte Rentenansprüche wegen damals nicht gezahlter Sozialversicherungs­beiträge. Leistungen sollen aber auch gewährt werden, wenn wegen schwerwiegender Schädigungen ein besonderer Hilfebedarf besteht.

Anlauf- und Beratungsstellen in den westdeutschen Ländern werden die ehemaligen Heimkinder bei der individuellen Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichte unterstützen und bei der Inanspruchnahme von Leistungen aus dem Fonds begleiten. „Wir sind gerade dabei, die Anlauf- und Beratungsstelle in Stuttgart einzurichten und wir werden sehr darauf achten, dass sie den Ansprüchen und Bedürfnissen der ehemaligen Heimkinder auch gerecht wird“, betonte Altpeter. „Die Anlauf- und Beratungsstelle hat eine echte Lotsenfunktion.“

Der Fonds „Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975” ist entstanden aus der Verantwortung des Bundes, der westdeutschen Länder und der Kirchen für Unrecht und Leid, das ehemaligen Heimkindern in der Zeit von 1945 bis 1975 während ihrer Heimunterbringung angetan wurde.

Nach fast zweijähriger Tätigkeit stellte der Runde Tisch am 13. Dezember 2010 seinen Abschlussbericht vor. Der Runde Tisch erkennt an, dass in der Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren Unrecht geschehen und Leid verursacht worden ist. Er bedauert dies zutiefst. Zu den Kernpunkten der Maßnahmen für Betroffene gehören nach Ansicht des Runden Tisches finanzielle Maßnahmen. Mit diesen soll geholfen werden, die eingetretenen und heute noch vorhandenen Folgen in ihren Auswirkungen auf den Alltag der ehemaligen Heimkinder zu mindern oder gar auszugleichen.

Quelle: Ministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren

 

 

5 Kommentare
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  1. Es ist eine Schande,wie die EHK hier“abgespeißt“werden sollen.So einen „DEAL“sollte bloß keiner eingehen.Alles lug und betrug.Wir werden zu tausenden diesen Beschluß Boykotieren,
    damit könnt Ihr euch eure Diäten erhöhen.Schande über euch!!!!! Steckt euch die Almosen an den Hut(oder auch woanders hin)

  2. .
    Ein kürzlich eingereichtes Antwortschreiben in Antwort auf eine PRESSEANFRAGE seitens WDR.de, von einem Beobachter aus dem Auslande, der selbst Heimopfer der nachkriegsdeutschen ‚Heime‘ WEST [ Bundesrepublik Deutschland ] gewesen war und ist.

    Sehr geehrte Frau ………….,

    vielen Dank für Ihr Interesse sowohl an der Heimkinderproblematik wie auch an meiner Person.

    Ihre Fragen möchte ich wie folgt beantworten:
    1. Der von Ihnen benannte Fonds über insgesamt 120 Millionen Euro ist keine „Ausschüttung“ für ehemalige Heimkinder und schon lange keine Wiedergutmachung oder Entschädigung, wie er auch immer wieder in den Medien genannt wird. Interessanterweise wird er übrigens von den verschiedenen „Fonds-Verwaltungsstellen“ nicht so benannt…
    2. Eine„Wiedergutmachtung“ kann es nicht geben – wie soll der Schaden an Leib und Leben, der uns als Kinder und Jugendliche zugefügt wurde, je wieder „gut“gemacht werden? Wie soll der Bruch in der Biografie wieder „gut“ gemacht werden? Wie die aus dem Heimaufenthalt resultierende verminderte Lebensqualität? Das einzige, was ich will – und wofür ich seit Jahren unermüdlich kämpfe – ist eine angemessene Entschädigung für das Leid. Eine Entschädigung, für ehemalige Heimkinder, die uns einen Teil unserer Würde zurückgeben könnte, die dafür sorgen könnte, dass wir unser Leben weitgehend selbstbestimmt beenden können. Solch eine Entschädigung wäre z.B. eine monatliche Opferrente von 300 Euro oder eine entsprechende (auf 15 Jahre hochgerechnete) Einmalzahlung von 54.000 Euro.
    3. Die erzwungene Unterschrift unter eine Verzichtserklärung empfinde ich als Affront sondergleichen! Eine Verzichtserklärung mag Sinn ergeben, wenn beide Parteien an einem Tisch gesessen haben und gemeinsam und in Augenhöhe eine Summe ausgehandelt haben. Wenn aber – wie in unserem Falle – die Opferseite über den Tisch gezogen wurde und die Täterseite einseitig und diktatorisch eine Summe bestimmt und dann auch noch überall bekannt gibt, dies seien freiwillige Leistungen, mit denen den bedauernswerten Opfern (ihren Opfern!) geholfen werden sollte, worauf es aber keineswegs einen Rechtsanspruch gäbe, dann ist eine Verzichtserklärung eine Unverschämtheit und eine Zumutung!
    4. Ich würde und werde diese Almosenverteilung auf keinen Fall mitmachen und überall, wo ich kann zum Boykott dieser Ohrfeige für alle Überlebenden aufrufen! Ich werde nicht auf meine Ansprüche verzichten – weder auf die Rentennachzahlungen noch auf eine angemessene finanzielle Entschädigung. Und: Ich brauche weder Stützstrümpfe noch eine Therapie!
    5. Das 10% der Gelder für die Beratungsstellen aus dem Fonds genommen werden sollen, straft alle die Lügen, die erklären, mit dem Fonds den Überlebenden helfen zu wollen. Helfen? Sich von den Opfern jede Handreichung bezahlen lassen? – Auch hier gilt: Wenn eine angemessene Summe von Opfer- und Täterseite ausgehandelt wird, können darin diese Gelder durchaus enthalten sein. Aber das ist Verhandlungsbasis. Und davon kann bei diesem skandalösen Vorgehen nicht die Rede sein!

    Und all dies darf natürlich in diesem genauen Wortlaut wie ich es hier verfasst habe unter meinem richtigen Namen veröffentlicht werden.

    Mit freundlichen Grüßen aus dem Land Down Under.

    Martin Mitchell

    ( Ehemaliges Heimkind; Jg. 1946; geb. 28.07.1946 )
    ( ansässig in Australien seit dem 24. März 1964 )
    ( Webseite des Korrespondenten MM: http://www.heimkinder-ueberlebende.org )

  3. lehrling, das ist hier die falsche adresse für deine „anklage“

  4. In der Öffentlichkeit wird ein völlig verzerrtes Bild gezeichnet, wenn es um Wiedergutmachung geht, bezogen auf die ehemaligen Heimkinder. Ich sehe nur einen Juristen und ehemaligen Landrat mit achtzehnjähriger Berufserfahrung, der konsequent die Interessen von Staat und Kirche vertritt und überall den Rotstift ansetzt, sehr zum Leidwesen der immer noch leidenden Opfer. Man bringt uns als Opfergruppe einfach nicht das notwendige Interesse entgegen und läßt unsere Sorgen und Nöte zu einem Verwaltungsakt verkommen.

    Dieser Vorwurf betrifft jedoch nicht nur Baden-Württemberg, sondern alle westdeutschen Bundesländer.

    M. Zielke

  5. Einfache JURISTISCHE WARNUNG, DIE auch für jeden Laien leicht verständlich ist, bzw. EIGENTLICH FÜR ALLE LEICHT VERSTÄNDLICH SEIN SOLLTE.

    An alle Ehemaligen Heimkinder WEST und OST – an die „Stärkeren“ und die „Schwächeren“ zugleich.

    Erste und entscheidende Regel ist immer und einzig:

    Kein Geschädigter / keine Geschädigte sollte sich jemals von seinen / ihren Schädigern oder ihren Alliierten / Repräsentanten ‚beraten‘ lassen oder sich auf deren Diktat einlassen.

    Und der Schädiger / die Schädiger und seine / ihre Alliierten / Repräsentanten / Interessenvertreter / Anwälte / Versicherungen sollten eigentlich wissen, dass sie ‚SOWAS‘ schon garnicht erst versuchen sollten.

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