Radfahrer leiden unter „Wahrheitsrauschgefühl“

13. Dezember 2011 | Themenbereich: Verkehr | Drucken

Der Präsident der Deutschen Verkehrswacht und einstige Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig hat die grassierende Besserwisserei im Straßenverkehr scharf gegeißelt. Die vielfältigen Formen der Rechthaberei seien in manchen Fällen sogar die Ursache für folgenschwere Unfälle. In einem Gastbeitrag für die vom ACE Auto Club Europa herausgegebene Zeitschrift ACE LENKRAD (12/2011) nahm Bodewig besonders das gegeneinander gerichtete Dominanzgehabe von Radfahrern und Autofahrern aufs Korn.

Bodewig hielt Radlern ein „Wahrheitsrauschgefühl“ vor, wenn sie nach der Devise handelten: Ich fahre Fahrrad, also bin ich ökologisch und habe automatisch Recht. „Ist man Autofahrer, schimpft man auf die Radfahrer-, kein Licht, zu rasant, unvorsichtig. Ist man Radfahrer, schimpft man auf die Autofahrer – zu schnell, unvorsichtiges Abbiegen und zu dichtes Überholen“, schrieb Bodewig, der beiden Seiten ankreidete, sich anschließend noch gegen Fußgänger zu verbünden, „die doch gefälligst stehen bleiben sollen oder zur Seite gehen können“.

Doch selbst Fußgänger verhalten sich nach den Beobachtungen des Verkehrswachtpräsidenten nicht selten rücksichtslos. Trotz Roter Fußgängerampel querten sie häufig aus Eile die Straße, unabhängig davon, ob sogar auf der anderen Seite Kinder stehen. Bodewigs Fazit: „Rücksichtlosigkeit hat viele Gesichter“. Der Verkehrswachtpräsident mahnte die Akteure, sich mehr Gelassenheit anzueignen

 Bodewigs Gastbeitrag im Wortlaut „Rechthaberei“

Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr soll das nationale Verkehrssicherheitsprogramm 2011 sorgen. Ziel ist es, die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland (2010: 3.648) bis zum Ende der Dekade um 40 Prozent zu reduzieren. Auch die Vereinten Nationen (UNO) haben die Jahre 2011 bis 2020 zur Dekade der Verkehrssicherheit ausgerufen. Weltweit sterben jedes Jahr rund 1,3 Millionen Menschen im Straßenverkehr.

Die Brüsseler EU-Kommission will die Zahl der Verkehrstoten in den EU-Mitgliedsländern (rund 39.000 jährlich) bis 2020 um die Hälfte reduzieren.