Junge Polizeikommissare in spe werben für Zivilcourage

13. Dezember 2011 | Themenbereich: Polizei, Saarland | Drucken

Wer erinnert sich nicht an den tragischen Tod von Dominik Brunner an einem Münchener S-Bahnhof? Diese sinnlos erscheinende Gewalttat, verursacht durch mehrere gewalttätige Jugendliche, die in der Zwischenzeit zu hohen Jugendstrafen verurteilt wurden, führte zu einer breiten Diskussion über angeblich fehlende Zivilcourage. Denn viele Passanten beobachteten den Vorfall und sahen lieber weg, als Hilfe zu organisieren. Weitere, zum Teil schwere Körperverletzungen im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs, insbesondere an U- und S-Bahnen, trugen nicht zum sachlichen Umgang mit dem Phänomen fehlender Hilfsbereitschaft bei.

Die im Zusammenhang mit vergleichbaren Vorfällen immer wieder aufflammende Diskussion hat die Polizei in den Bundesländern dazu veranlasst, im Rahmen des Programms Polizeiliche Kriminalprävention (ProPK) erneut eine Öffentlichkeitskampagne zum Thema Zivilcourage zu starten. Diese Aktion richtet sich an alle Bürger und verfolgt das Ziel, Jedermann in Fällen von Gewalttaten zur Hilfeleistung und zu richtigem Verhalten zu ermutigen. Das Programm trägt den appellierenden Namen „Aktion Tu Was“ und ist im Internet unter www.aktion-tu-was.de veröffentlicht.

Damit solche Taten im Saarland möglichst gar nicht erst passieren hat das Landes-kriminalamt in Zusammenarbeit mit der Saarbahn GmbH in einer Auftaktveranstal-tung im Mai 2011 zunächst so genannte Bus- und Saarbahn-Begleiter geschult. Diese sollen für Sicherheit in Bussen und Bahnen sorgen. Zudem wurde die Aktion-Tu-Was teilweise in den Zügen der Saarbahn sowie auf einigen Bussen beworben.

In einer Fortsetzung dieser Aktion werden nun auch Fahrgäste durch die Verteilung von Broschüren und Faltblättern informiert und beraten. Diese Aufgabe nehmen über mehrere Tage die angehenden Polizeikommissare und -kommissarinnen der Fachhochschule für Verwaltung – Fachbereich Polizei wahr.

Den Studierenden der Polizei wurden zunächst theoretische Grundinformationen zu den Aspekten des Ignorierens und Wegsehens durch Unbeteiligte und anschlie-ßend als Handlungsalternative das gefahrlose Einschreiten vermittelt:

  •   Ich helfe, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen
  •  Ich fordere andere aktiv und direkt zur Mithilfe auf
  •  Ich beobachte genau und präge mir Täter-Merkmale ein
  •  Ich organisiere Hilfe unter Notruf 110
  •  Ich kümmere mich um Opfer
  •  Ich stelle mich als Zeuge zur Verfügung

 

An mehreren Tagen nehmen die Kommissaranwärter nach Einbruch der Dunkelheit das Heft des Handelns in die Hand und zeigen unter Anleitung erfahrener Beamter der Landespolizeidirektion und des Landeskriminalamtes Präsenz in den Zügen und im Umfeld der Haltestellen. Sie verteilen Informationsmaterial der Polizeilichen Kriminalprävention und befragen die Fahrgäste zu ihrem Sicherheitsgefühl.

In den grundsätzlich sehr sicheren Wagen der Saarbahn GmbH registriert die Polizei nur wenige Gewaltdelikte. Das liegt maßgeblich an dem umfangreichen Sicherheitskonzept, das das Unternehmen seit 2010 gezielt umgesetzt hat. Dieses umfasst u.a. die Videoüberwachung an wichtigen Umsteigehaltestellen sowie die Videoaufzeichnungen in den Saarbahnzügen. Darüber hinaus sind alle Stadtbahnen und innerstädtischen Haltestellen mit verschiedenen, leicht zugänglichen und einfach zu bedienenden Notrufeinrichtungen ausgestattet. Die Betriebsleitstelle ist an allen Tagen des Jahres 24 Stunden besetzt. Hier laufen alle Informationen zusammen, so dass die Mitarbeiter schnell auf die jeweilige Situation reagieren können. Zudem stärken das Sicherheitsteam, die Bus- und Saarbahnbegleiter das sicherheitsempfinden der Fahrgäste. Gleichwohl geht die Polizei davon aus, gerade in der Vorweihnachtszeit in den Wagen der Saarbahn viele Menschen über die Aktion Tu Was informieren und für mehr Zivilcourage sensibilisieren zu können.

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