Gewalt bei Fußballspielen

1. Dezember 2011 | Themenbereich: Schleswig-Holstein | Drucken

Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie fordert härtere Sanktionen gegen die zunehmende Gewalt im Zusammenhang mit Fußballspielen. Auf der Innenministerkonferenz am 8. und 9. Dezember in Wiesbaden wird sich Schlie für ein lebenslanges Stadionverbot für rechtskräftig verurteilte Gewalttäter und für einen Aufschlag von 50 Cent auf den Eintrittspreis von Spielen der ersten bis vierten Liga im Herrenfußball einsetzen. Mit dem Geld sollen Fanprojekte finanziert werden.

Wie Schlie bei der Verleihung des Breitensportpreises des Landessportverbandes am Mittwoch (30. November) in Kiel sagte, reichen die bisherigen Maßnahmen zur Eindämmung der Gewalt bei Fußballspielen nicht aus. „“Die Vereine und Verbände müssen deutlich mehr tun als bisher““, sagte der Minister. Die Probleme dürften nicht allein auf dem Rücken der Polizei abgeladen werden. Er begrüßte die Bereitschaft von DFB und DFL, ihr finanzielles Engagement für die Präventionsarbeit zu verstärken. „“Jetzt müssen aber auch Taten folgen““, sagte Schlie.

Er lobte in diesem Zusammenhang das Präventionsprojekt „Schleswig-Holstein kickt fair“. Seit 2007 entwickelt der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) mit seinen 13 Kreisverbänden Maßnahmen zur Gewaltprävention. „Schleswig-Holstein kickt fair“ wurde in diesem Jahr von der UEFA im Rahmen der Grassroots-Awards-Programme als bestes Breitensportprojekt Europas ausgezeichnet.

Stadionverbote müssen nach Auffassung von Schlie künftig noch konsequenter verhängt werden. Die Stadionverbotshöchstdauer sei von derzeit drei auf fünf Jahre zu erhöhen, bei verurteilten Gewalttätern in Einzelfällen sogar lebenslänglich, fordert der Minister. Nicht die Heimatvereine, sondern eine neutrale Stelle beim DFB und bei der DFL müsse für die Verhängung von Stadionverboten zuständig sein.

Bereits im Vorfeld von Fußballspielen und in den Stadien muss nach Überzeugung des Ministers mehr für die Prävention getan werden. Schlie sprach sich für ein Alkoholverbot in Nahverkehrszügen anlässlich von Ligaspielen aus. Bei Auswärtsspielen müssten personalisierte Tickets eingeführt werden. In den Stadien seien schärfere Zugangskontrollen notwendig, um den Einsatz von Pyrotechnik konsequent zu unterbinden. Die Videobeobachtung müsse auf dem neuesten technischen Stand sein. „“Die Vereine sollten auch über eine Begrenzung oder Abschaffung von Stehplätzen nachdenken““, sagte der Minister.

Der 50 Cent Aufschlag auf das Ticket bringt nach Ansicht von Schlie zusätzliches und „dringend benötigtes Geld“ für Fan-Projekte in die Kassen. „“Die Krawallmacher unter den Fans sind eine absolute Minderheit, aber sie kosten die Vereine, den DFB und den Staat jährlich viele Millionen Euro““, sagte der Minister. Für ein Fanprojekt in Lübeck gebe allein das Land Schleswig-Holstein rund 40.000 Euro im Jahr aus. Die gleiche Summe geben der DFB und die Stadt hinzu. Diese 120.000 Euro fehlten dann zum Beispiel für die Sanierung von Sporthallen, für Meisterschaften oder neue Sportgeräte.

„Die 50-Cent-Regelung belastet niemanden ernsthaft, sie sorgt aber dafür, dass das Geld dort erwirtschaftet wird, wo es verbraucht wird, beim Fußball““, sagte Schlie. Und es werde dort eingesetzt, wo es gebraucht werde, bei den Problem-Fans. Das sei sachgerecht und auch gerecht, denn so blieben dem sauberen Breiten- und Leistungssport andere finanzielle Mittel erhalten.

„“Der Breitensport ist die stärkste Säule in unserer Sportlandschaft““, sagte Schlie. Aus dem Breitensport rekrutiere sich der Nachwuchs für den Leistungs- und Spitzensport. „“Ich will einen friedlichen und fröhlichen Sport, in dem der Ball und die Spieler das Feld beherrschen und nicht Fackeln und Wurfgeschosse““, sagte Schlie.

Der Breitensportpreis des Landessportverbandes wird in diesem Jahr zum 15. Mal verliehen. Es werden Vereine ausgezeichnet, die sich neuen gesellschaftlichen Aufgaben stellen und auf die veränderten Sportbedürfnisse ihrer Mitglieder in besonderer Weise eingehen. Er steht jedes Jahr unter einem anderen Thema. In diesem Jahr lautete das Bewerbungsmotto: „Unser Verein – Stark durch die Jugend“. Die Barmer GEK Krankenkasse ist mit jährlich 10.000 Euro Hauptsponsor des Breitensportpreises. Der Landessportverband stellt 1.000 Euro zur Verfügung.

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